Menschen sitzen in einer Kirche.

NIKLAS SCHNAUBELT

Lockenhaus "..inniger..."

Das Kammermusikfest Lockenhaus 2020 im "Ö1 Konzert" und "Zeit-Ton"

Lockenhaus - eine kleine, idyllische Gemeinde an den Ausläufern des Geschriebensteins, der höchsten Erhebung des Burgenlands, gelegen. Nahe der ungarischen Grenze wurde dort im Jahr 1981 das Internationale Kammermusikfest Lockenhaus ins Leben gerufen.

Initiiert wurde dieses engagierte Unterfangen vom damaligen örtlichen Pfarrer, Josef Herowitsch (1936-2014), einem passionierten Musikfreund und unermüdlichen Organisator, und dem Violinvirtuosen Gidon Kremer. Beide kannten einander schon seit den 1970er Jahren, damals hatte ihre künstlerische Zusammenarbeit begonnen. Der Enthusiasmus für Musik war bei Josef Herowitsch auch familiär bedingt: Seine beiden Neffen sind die Pianisten und Liszt-Festival-Raiding-Intendanten Eduard und Johannes Kutrowatz.

Die "New York Times" setzte Lockenhaus bald auf die Liste der weltweit bedeutendsten Kammermusikfestivals. Man kann davon ausgehen, dass damals nur wenige auf Anhieb mit Sicherheit sagen konnten, wo dieses Lockenhaus zu finden ist.

Das Programm des Festivals war, quasi ohne Programm zu sein

Erst kurz vor dem jeweiligen Konzertbeginn wurde dem Publikum mitgeteilt, welche Stücke denn gespielt werden würden. Die stilistische Bandbreite war ebenfalls groß, wobei von Beginn an ein Schwerpunkt auf der Neuen Musik lag. Als der Cellist Nicolas Altstaedt die Leitung des Festivals 2012 übernahm, behielt er diese Grundprinzipien bei. Altstaedt unterstellte das Kammermusikfest dann zusätzlich einem jährlichen Generalmotto. 2020 fiel die Wahl auf "..inniger...". Der ursprünglich vom "Beethovenfries" inspirierte Titel hat sich auch für die veränderten Rahmenbedingungen aufgrund von Covid-19 als absolut passend erwiesen.

Trotz der herausfordernden Situation und vieler Unsicherheitsfaktoren hat Altstaedt in das Programm der diesjährigen Ausgabe vom 2. bis 11. Juli neben einigen wichtigen Kammermusikstücken des 20. und 21. Jahrhunderts sogar Uraufführungen aufgenommen. So fanden sich auf dem Programm Kompositionen u. a. von György Kurtág, Bernd Alois Zimmermann, Aaron Copland und Luciano Berio, der britische Superstar George Benjamin war ebenfalls mit einem Stück vertreten. Eine Uraufführung war Helena Winkelmans Klaviertrio, das in Lockenhaus zum ersten Mal dem Publikum präsentiert wurde. Interpret/innen waren neben Altstaedt unter anderem auch das Trio Gaspard, Vilde Frang, Timothy Ridout und das Notos Quartett.

Heuer war der einzige Spielort des Festivals die barocke Pfarrkirche von Lockenhaus, die diesmal also zur "Oase Lockenhaus" wurde. Dort steht auch die größte Kirchenorgel des Burgenlands mit 35 Registern und circa 2.400 Pfeifen - aber das ist dann eine andere Geschichte.

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