Gemälde von drei Frauen, die jeweils etwas in der Hand halten, eine Blume, ein Glas und eine Schale.

REINHARD HAIDER

Lentos Kunstmuseum Linz

„Das ist ein ganz tolles Bild von Helene Funke“, schwärmt Hemma Schmutz von dem heutigen Objekt der Begierde im Lentos Kunstmuseum Linz. „Es stellt drei Frauen dar. Drei Frauen, die jeweils etwas in der Hand halten, eine Blume, ein Glas und eine Schale.“

Nach wie vor wird die Künstlerische Leiterin des Museums von Funkes Bild zum Nachdenken angeregt: „Man fragt sich: ist das sie selbe Frau? Sind das drei verschiedene? Sie schauen sich sehr ähnlich, sie haben alle ein sehr ausdrucksstarkes, aber kantiges Gesicht und es ist fast so etwas wie eine Verdopplung oder Verdreifachung. Und sie sind auch nicht wirklich individualisiert. Sie sind eher als Typen dargestellt.“

Drei Frauen ist auch der Titel des Gemäldes der deutschen Malerin Helene Funke (1869-1957) entstand 1915. Modern ist es bereits aufgrund der Spachteltechnik und der starken Farbpalette, die sich vor allem aus dem französischen Fauvismus speist. Zudem blicken die 3 Frauen den Betrachter direkt und selbstbewusst an, ihre Haare haben Sie im Nacken zusammengebunden.

Und noch etwas ist interessant: Helene Funke bezieht sich in diesem Gemälde explizit auf ein heute verschollenes Werk ihrer Malerkollegin Paula Modersohn Becker (Komposition von drei weiblichen Figuren, in der Mitte ein Selbstbildnis; 1906/07; ehemals Sammlung Von der Heydt, Elberfeld). Auch dieses zeigt drei Frauen mit Glas, Kelch und Blume. „Weibliche Symbole, die früher auch mit Maria in Verbindung gebracht wurden. Eigentlich ein Stil, der damals am Übergang zum 20. Jahrhundert durchaus gebräuchlich war.“

Symbolwerk einer Übergangszeit

Darüber hinaus kann Helene Funkes Gemälde selbst als Symbolwerk einer Übergangszeit gelesen werden, erklärt Hemma Schmutz. Denn bis zur Jahrhundertwende wurden Frauen in der Kunst vorwiegend als Objekte geduldet. Eigenständige Malerinnen hatten Seltenheitswert.

„Und wenn man jetzt etwas aus der Biografie Helene Funkes erzählt, dann wird sofort klar, wie schwer ihr Lebensweg war: Sie ist ja 1869 in Chemnitz geboren und hat dann erst 30 Jahre später mit einer seriösen Künstlerischen Ausbildung in München begonnen! Das ist das Interessante! Damals wurden Frauen bei dem Wunsch Künstlerin zu werden nicht unbedingt unterstützt.“

In Paris gelang Helene Funke dann aber der Durchbruch. Sie stellte mit Henri Matisse, Pablo Picasso, Georges Braque oder Maurice de Vlaminck aus, in Wien feierte sie Erfolge neben Gustav Klimt und Egon Schiele. Doch obwohl die Malerin im Programm der Ausstellungen erwähnt wurde, die Kritik würdigte sie kaum eines Blickes. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich Funke schon früh für die Gleichberechtigung der Frau stark machte.

Ein Gedanke, den auch das Lentos mit seiner aktuellen Ausstellung aufgreift und weiterdenkt: Dort hängen Funkes Drei Frauen nicht in einem klassischen White Cube. Vielmehr offenbaren die unteren Ausstellungsräume des Linzer Museums an der Donau derzeit eine knallig bunte Welt: Auf einer überlebensgroßen Barbie-Puppen Tapete hängt ein Gemälde von Egon Schiele. Moderne Bronze-Skulpturen stehen auf einer orangenen Küchenzeile aus den 70er Jahren. Neben Helene Funkes Bild prangt ein überdimensionaler Print mit 2 Frauen in Ganzkörperanzügen, eng verschlungen, umgeben von überlebensgroßen ebenfalls verschlungenen Kerzen.

Frauenbildnissen aus der hauseigenen Sammlung

Es handelt sich dabei um ein Ausstellungskonzept der Künstlerin Jakob Lena Knebl (*1970), die eigentlich als Martina Egger geboren wurde. Vor einigen Jahren hat sie ihren Taufnahmen – im Sinne eines Spiels mit Identität und Geschlecht – durch die Vornamen ihrer Großeltern und den Nachnamen Knebl ersetzt. Für das Lentos hat sie sich insbesondere mit Frauenbildnissen aus der hauseigenen Sammlung des Museums auseinandergesetzt. „Hier sind wir in dem fröhlichen hellen Raum, und da geht es eigentlich um die Repräsentation von Weiblichkeit. Wie hat sich das in unterschiedlichen Epochen gezeigt, was gibt es da für Unterschiede. Und da ist es schon interessant zu sehen, auf der Gegenüberliegenden Seite eine nackte Frau, die sich gerade im Spiegel betrachtet Anm.: Gemälde von Matthias May, und eine Frau, die in ihren Bildern selbstbewusste Personen darstellt. Und alle diese Dinge kann man hier erfahren und auch vergleichen.“

Ausstellungsansicht der Sammlung

MASCHEKS.

Die Künstlerin Jakob Lena Knebl durchbricht damit den klassischen Kanon der Sammlungspräsentation, erklärt Hemma Schmutz. Das Ergebnis ist eine „demokratische Art“ des Ausstellens, Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern inklusive. Bilder wie Helene Funkes Drei Frauen erleben in dieser Umgebung eine politische Neubewertung. „Das war der Übergang in eine komplett neue Zeit. Und der war natürlich nochmal um einiges mutiger, wenn eine Frau das beschritten hat. Sie hat ohne eine professionelle Ausbildung gestartet und dass du da wirklich mitspielen kannst in dieser frühen Zeit, zwischen 1906 und 1915 war sie wirklich fantastisch, das find ich schon extrem faszinierend! Das hat sie eben auch gezeigt, nicht nur in ihrer Kunst, sondern auch in ihrer Biografie. Sie hat die Familie verlassen, sie hat einen neuen Wohnsitz gesucht, sie hat neu angefangen. Sie hatte irrsinnig viel Kraft und Energie und das sieht man auch in diesem Bild, denk ich.“

Dennoch: Aufgrund der wirtschaftlichen Lage Anfang der 1930er Jahre wird es für Künstlerinnen wie Helene Funke, zunehmend schwieriger, von ihrer Kunst zu leben. Und das ist heute nicht anders, betont die Künstlerische Leiterin des Lentos Kunstmuseum Linz, Hemma Schmutz: „Besonders wenn es um die Frage der Ökonomie geht. Also Präsenz ist sehr viel Vorhanden, aber wenn man schaut wer verdient am besten, da sind die Frauen halt noch immer weit abgeschlagen.“

Gestaltung: Andreas Maurer

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