Szene aus Madame Butterfly

WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

Premiere von "Madama Butterfly" live

Die Wiener Staatsoper nimmt mit der Premiere von Puccinis "Madama Butterfly" ihren Spielbetrieb wieder auf. Unter der Leitung von Musikdirektor Philippe Jordan singen u.a. Asmik Grigorian (Cio-Cio-San), Virginie Verrez (Suzuki), Freddie De Tommaso (Pinkerton), Boris Pinkhasovich (Sharpless), Thomas Ebenstein (Goro) u.a. Ö1 überträgt live.

"Die 'Butterfly' ist der wirkungsvollste Stoff, den Puccini jemals hatte, wirkungsvoll und neu, aber nicht einfach!" So hat der Librettist Luigi Illica in einem Brief an den Verleger Ricordi vom ‚Butterfly‘-Projekt geschwärmt. Mit allen möglichen Stoffen hatte sich der Komponist zuvor beschäftigt, am stärksten von allen damals in Erwägung gezogenen Sujets fasziniert war er aber von einem Drama des Amerikaners David Belasco - eben von "Madame Butterfly".

Kulturjournan | 07 09 2020 - Philippe Jordan im Porträt

Katharina Menhofer

Szene aus Madame Butterfly

WIENER STAATSOPER/WALTER PÖHN

Erfahren mit Puccinis Nörgeleien

Als die Entscheidung einmal gefallen war, konnte es dem Komponisten gar nicht schnell genug gehen; wie schon bei den vorangegangenen Opern "La Bohème" und "Tosca" sollte auch hier wieder das bewährte Trio Giacomo Puccini, Luigi Illica und Giuseppe Giacosa zusammenarbeiten. Die beiden Librettisten hatten bereits Erfahrung mit den ständigen Eingriffen, Änderungswünschen und Nörgeleien von Puccinis Seite.

So war es auch dieses Mal eine Arbeit zwischen gegenseitigen Vorwürfen und Beschuldigungen. Um das notwendige japanische Kolorit in seine Partitur einzubringen, hatte sich der Komponist an die Frau eines japanischen Gesandten gewandt: Sie verschaffte ihm nicht nur Originalmusik aus Japan, sondern gab ihm auch Ratschläge hinsichtlich japanischer Lebensgewohnheiten und Namen.

Mühsame Entstehungsgeschichte

Die Entstehung der Oper war mühsam - und wurde auch noch durch einen spektakulären Autounfall Puccinis verzögert. Aber endlich: Im Dezember 1903 war das Werk vollendet; und schon im Februar 1904 ging die Uraufführung über die Bühne der Mailänder Scala. Für die Autoren war es - heute ganz unverständlich - ein Fiasko.

Puccini zog die Partitur zurück und begann mit Revisionsarbeiten. Viele Passagen wurden gerafft, auch Szenen gestrichen, melodische Wendungen überarbeitet, vor allem aber das ehemals zweiaktige Werk - mit einem normalen ersten und einem viel zu langen zweiten Teil - in drei Akte unterteilt. Ganz ähnlich wie bei Verdis zuerst durchgefallener, dann gefeierter "La traviata" Jahre zuvor ist auch bei "Butterfly" das "Wunder" geschehen: Die neue Fassung wurde im Mai 1904 in Brescia präsentiert - und triumphal gefeiert.

In der Wiener Staatsoper, nach der Wiedereröffnung des im Krieg zerstörten Hauses am Ring, ging "Madama Butterfly" erstmals im September 1957 über die Bühne - in einer Inszenierung von Josef Gielen, die bis zum Frühling 2020 gezeigt wurde.

Jetzt, zu Beginn der Direktion von Bogdan Roščić, wird die älteste Produktion der Staatsoper ausgetauscht gegen eine Inszenierung von Anthony Minghella, die bereits in der Metropolitan Opera und in der English National Opera bejubelt wurde. Mit dieser "Butterfly"-Premiere kehrt der Dirigent Philippe Jordan nach zwölf Jahren der Absenz an die Staatsoper zurück, jetzt in seiner neuen Funktion als Musikdirektor des Hauses.

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