Sandra Cervik und Herbert Föttinger

MORITZ SCHELL

"Das Konzert" in der Josefstadt

Hermann Bahr, Geistesgröße der Wiener Moderne, hat neben zahlreichen Essays und theoretischen Schriften, auch Theaterstücke verfasst, mit Titeln wie "Das Tschaperl", "Der Franzl" oder "Der Krampus". Einzig sein Stück "Das Konzert" hat es auf die Spielpläne der Theater geschafft und ist dort über 100 Jahre bis heute geblieben.

In der Josefstadt zeigt man die Seitensprung-Komödie in der Regie von Januz Kica. Als älteres Ehepaar sind Direktor Herbert Föttinger und seine Frau Sandra Cervik zu sehen, das junge Paar geben Martin Vischer und Alma Hasun.

In der Josefstadt werden derzeit auffallend viele Stücke mit denselben Zutaten serviert - ein reifer Mann, ein junges Mädel, ein bisserl Ehebruch, ein wenig Eifersucht und sehr viel Angst vorm Älterwerden - das findet sich in Arthur Schnitzlers "Zwischenspiel" genauso wie in Stefan Zweigs "Geheimnis einer Unbekannten" und jetzt eben auch bei Hermann Bahr.

"Man gewöhnt sich. Es ist eben das Los der Frau ..." Marie

"Ich versuche das zu entstauben", sagt Regisseur Januz Kica, der ein paar Streichungen vorgenommen hat; und die Handlung zwar nicht ins Heute, aber doch in die 80er Jahre verlegt, was dem Ganzen etwas mehr Plausibilität verleiht.

Sehr wienerisch in seinen Andeutungen, sehr charmant in seinen Dialogen und sehr zeitlos in seinen Themen findet Kica das Bahr-Stück. "Da findet sich die Revolte der Frau, das Ego-Thema, Macht des Mannes, der Bestätigungszwang des Mannes, das ist alles, was uns begleitet hat auf unserer Suche."

"Soll ich Dir vielleicht eine Liebeserklärung machen?" Gustav Heink

Herbert Föttinger spielt den von der Damenwelt umflatterten Pianisten Gustav Heink, der mit der Ausrede ein Konzert zu geben, mit seiner Schülerin und Geliebten ein zweisames Wochenende in einer Berghütte verbringt. Die betrogene Gattin und der Ehemann der jungen Geliebten hecken ihrerseits einen gemeinsamen Racheplan aus: "Aber wenn der Mann sogar den Gedanken erträgt, dass seine Frau ein neues Leben anfängt. Wenn seine Liebe zur Zweiten so stark ist, dass er sogar drüber hinwegkommen kann … Dann ist es kein Abenteuer, dann muss es die große Leidenschaft sein."

Herbert Föttinger und Michaela Klamminger

Herbert Föttinger und Michaela Klamminger

MORITZ SCHELL

Brauchen und missbrauchen

Der in Deutschland geborene Martin Vischer, der im Vorjahr vom Burgtheater an die Josefstadt gewechselt ist, und hier seine erste große Hauptrolle spielt, ist der pragmatische Dr. Franz Jura, eine rein rationale Figur, die hier kein Sympathieträger ist, sondern ein gefährlicher Streber mit dem Kica "nicht auf Urlaub fahren möchte", wie er sagt. Und auch Martin Vischer ist die Figur unsympathisch: "Er ist ein Manipulator, ein Sophist, er dreht den anderen das Wort im Mund um", sagt Vischer.

Regisseur Kicas Sympathien liegen bei der betrogenen Ehefrau Marie Heink, die Sandra Cervik, selbstbewusst und wissend spielt. Ihr gewährt er in Form eines alternativen Schlusses einen Ausweg, den Hermann Bahr seiner Figur noch vor 100 Jahren verwehrt hat. "Ich wollte ein Stück machen über ein Leben, über ein Zusammenleben machen, und ein Stück über eine Mann-Frau-Beziehung, in der der Mann die Frau braucht und gleichzeitig missbraucht, ohne sich dessen bewusst zu sein."

"Du richtest dir die Frauen her, wie du sie brauchst", Marie

Regisseur Janusz Kica ist an der Josefstadt mittlerweile ein Spezialist für Jahrhundert-Wende-Stücke geworden, auch wenn er in Deutschland, Italien oder Slowenien vorrangig zeitgenössische Stücke inszeniert. "Wenn ich es mir aussuchen könnte, ich würde nur Zeitgenössisches machen!", so Kica. Neue Stücke böten mehr Risiko und Spannung, weil man ohne Sicherheitsnetz, ohne Erwartungsdruck und ohne schon oft bewährte Pointen spiele.

In Zeiten wie diesen allerdings, kann man am Theater wohl auch eine Portion Sicherheit ganz gut vertragen.

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