Theaterreihen und Mann mit Maske

AFP/SEBASTIEN BOZON

Kulturschaffende zeigen auf

Gerade sollten die vielen abgesagten Produktionen aus dem Frühjahr nachgeholt werden, da kam die neuerliche Schließung aller Kulturinstitutionen. Die IG Freie Theaterarbeit - also die Interessensvertretung aller im Bereich Theater, Performance und Tanz - hat sich daraufhin mit einem offenen Brief an Bundes- und Landespolitiker gewandt. Gefordert werden konkrete Maßnahmen, damit sich etliche Missstände aus dem ersten Lockdown nicht wiederholen.

Morgenjournal | 06 11 2020 | IG Freie Theaterarbeit

Judith Hoffmann

In Deutschland bekommt die stark gebeutelte Kultur- und Veranstaltungsbranche von dem insgesamt zehn Milliarden schweren Hilfspaket für November eine Milliarde - etwa für einen staatlichen Ausfalllohn. Den bekommen nicht nur die Theater oder Opernhäuser, sondern direkt auch einzelne Künstler.

Morgenjournal | 06 11 2020 | Kulturförderung in Deutschland

Birgit Schwarz

Wird es nun besser funktionieren?

In Österreich sind die Corona-Hilfs- und Überbrückungsfonds aufgestockt, die Fördertöpfe neu gefüllt, die Anspruchsvoraussetzungen adaptiert, und dennoch: Etliche Missstände und bittere Erfahrungen aus dem ersten Lockdown drohen nun, sich zu wiederholen, sagt Ulrike Kuner, Geschäftsführerin der IG Freie Theaterarbeit: "Die einseitige Auflösung der Verträge gerade für die freien Künstler/innen, aber auch, dass durch die Verschiebung der Produktionen bestimmte Förderungen nicht abgerechnet werden konnten. Was wiederum zu einem Einkommensausfall geführt hat."

Dass Subventionen auch für coronabedingt abgesagte Produktionen ausbezahlt wurden, habe im Frühling vor allem den Häusern, nicht aber den Künstlerinnen und Künstlern geholfen, so Kuner. Denn die Gäste, die nur für einzelne Produktionen Beschäftigten, wurden aus den Verträgen entlassen. Unrechtmäßig, wie sich nachträglich in vielen Fällen, auch bei Bundes- und Landestheatern zeigte. Und das Problem besteht nun erneut.

Kleine Häuser vs. große Institutionen

Überraschend groß sei dabei der Unterschied zwischen großen Institutionen und kleinen Häusern im Umgang mit sozialer Verantwortung, sagt Julia Kronenberg von der IG Freie Theaterarbeit: "Je kleiner das Theater, desto mehr wurde versucht, die Leute zu unterstützen, und in Kurzarbeit zu schicken. Je größer die Häuser, desto schneller folgten die E-Mails mit Vertragsrücktritt und der Information, dass man vor zwei Wochen von der Sozialversicherung abgemeldet wurde."

Ein weiteres Bespielen seien Darsteller/innen, die die ganze Saison an Bundesinstitutionen arbeiten, aber de facto keine Krankenversicherung haben, da sie nur tageweise beschäftigt sind. Diese prekären Verhältnisse würden nun sehr deutlich, so Kronberger.

Pochen auf neue Fördermodelle

Derzeit gebe es dafür noch keine politische Handhabe, man führe aber Gespräche mit Verantwortlichen in allen Bundesländern und stoße auf positives Echo. Wichtig sei gerade in der Corona-Krise außerdem, langfristig über neue Förderstrukturen nachzudenken. Da Förderungen immer auf eine Produktion zielen. Werden die Häuser aber geschlossen, so kann man das Endergebnis nicht zeigen, so Ulrike Kuner.

Weitere Lockdowns könnten folgen und die Unsicherheiten könnten sich über das ganze nächste Jahr ziehen. Auch deshalb poche man schon jetzt auf notwendige Reformen und neue Fördermodelle.

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