Bühne und Publikum

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Musik- und Bühnenverlage in Not

Ein Hilfeschrei nach Unterstützung erfolgt jetzt auch von Seiten der österreichischen Musik- und Bühnenverlage, die von der Coronakrise seit März schwer in ihrer Existenz bedroht sind.

Sie verstehen sich als bedeutende Kulturinstitutionen, die zwar nicht im Rampenlicht stehen, aber einen wichtigen Beitrag leisten für die Kulturnation Österreich. Rund 70 Prozent an Umsatzeinbrüchen verzeichnen sie für das Jahr 2020 - das sind etwa 15 Millionen Euro, die wirklichen Auswirkungen werde man allerdings erst in den kommenden Jahren richtig spüren. Von der Regierung fordern sie jetzt ein rasches Handeln.

Ohne Kunst und Kultur wird es still. Ohne Musik- und Bühnenverlage auch. Sie verwerten, verbreiten und vervielfältigen die Werke von Komponisten und Komponistinnen, von Dramatikerinnen und Dramatikern, sie agieren als Mittler zwischen Medien und Kunst, suchen nach neuen Künstlern und nehmen sie unter Vertrag, und sorgen für den urheberrechtlichen Schutz der ihnen unterstellten Werke. Und sie leben davon, dass Aufführungen stattfinden.

Von Veranstaltungen abhängig

"Musik und Bühnenverlage sind großteils von Veranstaltungen abhängig, und das bedeutet, dass sie lizensmäßig beteiligt sind an den Einnahmen, die das Publikum bezahlt", so Astrid Koblanck vom Vorstand der Musik- und Bühnenverleger Österreichs. Ein Jahr wie das heurige - mit doppeltem Komplettausfall aller Veranstaltungen und einem Sommer mit bestenfalls 50-prozentiger Auslastung trifft die Branche hart. Eine Branche, die aus rund 50 kleineren bis mittelständigen Verlagen besteht, darunter etwa der Doblinger Musikverlag, der Thomas Sessler Verlag oder die Universal Edition AG.

Auch der Verkauf von Musiknoten - sowohl im Papier als auch im Digitalgeschäft sei zurückgegangen, so Koblanck. "Das Zur-Verfügung-Stellen von Partituren, Orchesterwerken, Opern, das ist Leihmaterial - auch diese Einnahmen reduzieren sich, weil wir diese Leihmaterialverträge nur begrenzt abschließen können, wenn die Veranstaltungen dann nicht stattfinden."

Nicht öffentlich gefördert

Anders als Literatur- und Sachbuchverlage, werden die Musik- und Bühnenverlage nicht öffentlich gefördert. Für heuer rechnet man mit einem Verlust von bis zu 80 Prozent der Einnahmen, das sind rund 15 Millionen Euro. Noch nicht einberechnet sind die zusätzlichen Einnahmenentgänge von Verwertungsgesellschaften wie der AKM, die den gesamten Konzertbereich lizensiert. "Die Abrechnungen für das Jahr 2020 erfolgen '21. Das bedeutet, dass wir viele Verluste erst im nächsten Jahr spüren werden."

Bis weit ins Jahr 2022 werden die Auswirkungen spürbar sein, bleibt Astrid Koblanck realistisch, die Situation hat die sonst im Hintergrund agierende Branche - zu einem medialen Aufschrei veranlasst. Von der öffentlichen Hand fordert man eine Kompensation der Umsatzausfälle. "Es geht um eine bedeutende Kulturbranche in Österreich - wir sind wichtige Vermittler und haben daher auch eine Rolle für die Urheberinnen und Urheber."

Tor zwischen der Kunst und der Welt

Nach einem erfolglosen Termin bei Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer, hofft man seit dem Sommer auf ein offenes Ohr aus dem Finanzministerium und bleibt zweckoptimistisch. Denn würde die erhoffte Unterstützung ausbleiben, käme es mit Sicherheit zu Schließungen und Insolvenzen, so Astrid Koblanck. Als Tor zwischen der Kunst und der Welt verstehen sich Musik- und Bühnenverlage - und es liegt in der Natur des Tores, dass man es erst dann wahrnimmt, wenn es geschlossen bleibt.

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