Rotunde vom Schwanenbassin

WIEN MUSEUM/CCO

Wien Museum digital

Über 48.000 Objekte aus seiner Sammlung hat das Wien Museum vor wenigen Tagen online gestellt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ursprünglich als Alternativangebot angedacht, war das Timing perfekt - punktgenau zum zweiten Lockdown konnte man die Online-Pforten öffnen.

Ein Alarmgeräusch weist den Museumsbesucher üblicherweise in seine Schranken, hält ihn davon ab, näherzukommen und definiert den Sicherheitsabstand zu einem Ausstellungsobjekt. Im Online-Museum darf man ganz nahe kommen - etwa an das Klimt-Bild vom Zuschauerraum des alten Burgtheaters aus dem Jahr 1888, in dem jedes Detail sichtbar wird, Gesichtszüge der Zuschauer, Wandornamente, Einzelheiten des Kronleuchters.

Klimt beim Zeichnen zusehen

Das alte Hofburgtheater (Blick von der Bühne in den Zuschauerraum) Heliogravüre von J. Löwy (Kunst- und Verlagsanstalt in Wien) nach dem im Wien Museum befindlichen Aquarell (IN 31.813) von G. Klimt (sign.)

WIEN MUSEUM/CCO

Das alte Hofburgtheater (Blick von der Bühne in den Zuschauerraum)
Heliogravüre von J. Löwy (Kunst- und Verlagsanstalt in Wien) nach dem im Wien Museum befindlichen Aquarell (IN 31.813) von G. Klimt (sign.)

Mit rund 400 Klimt-Zeichnungen besitzt das Museum die größte Klimt-Sammlung der Welt, so Museumsdirektor Matti Bunzl: "Wir haben die nicht nur fotografiert, sondern hochauflösend fotografiert. Man kann da ganz nah hineinzoomen und die Hand von Klimt beim Zeichnen sehen."

Jeder darf Kurator sein ...

Als Meilenstein bezeichnet Matti Bunzl den Schritt zum digitalen Museum, den man in zwei Jahren intensivster Arbeit vollbracht hat. Das Timing war perfekt - punktgenau zum zweiten Lockdown konnte man die Online-Pforten öffnen. Über 10.000 Besucherinnen und Besucher haben das Online-Museum schon besucht.

Ganz individuell kann in dieses Museum besucht werden, jeder kann sich seine eigene Ausstellung zusammenstellen, erklärt die Projektleiterin Evi Scheller. "Sie können nach Personen, nach Künstler/innen, nach einer Zeitspanne oder Objektarten, Sie können nach Themen filtern, nach Bezirken oder etwas in die freie Suche eingeben und sich inspirieren lassen."

Zugriff auf 48.00 Exponate

Jedes Objekt ist von einem Text mit den wichtigsten Grundinformationen begleitet, die Bilder dürfen gratis heruntergeladen und unter Angabe der Quelle weiterverwendet werden. Während in einer Ausstellung durchschnittlich rund 2.000 Objekte gezeigt werden können, hat man hier Zugriff auf 48.000 Exponate - auch solche, die aus räumlichen oder konservatorischen Gründen noch nie zu sehen waren.

"Wir haben ganze Bestände von Fotograf/innen, etwa aus dem 20. Jahrhundert Robert Haas und Trude Fleischmann, sie finden hunderte Fotos aus dem roten Wien, viele Demonstrationen aus den 70er Jahren, von Frauenbewegung und Bürgerbewegung, da sind ganz viele Objekt, die wir so nie in der Menge ausstellen könnten.

Den Wissensspeicher teilen

Insgesamt rund eine Million Exponate umfasst das Wien Museum - an einer laufenden Digitalisierung wird gearbeitet. "Und wenn wir dann in den 100.000ern sind, kommen wir dahin, dass wir diesen Wissensspeicher mit allen teilen können. Das ist demokratiepolitisch und wissenschaftspolitisch entscheidend, wir wollen für die Wienerinnen und Wiener da sein, aber das ist auch eine Chance national und international zu wirken.

Das Wien Museum arbeitet nicht nur an seiner Rolle als wichtiger Player in einer globalen Museumswelt, sondern auch konkret an der Baustelle, damit das Wiedereröffnungsdatum Dezember 2023 eingehalten werden kann. Noch sei man absolut im Zeit- und Budgetplan, so Matti Bunzl. Den Bauzaun rund um das Museum am Karlsplatz hat man in der ersten Lockdown-Phase selbst zur Ausstellungsfläche umgewidmet: Unter dem Titel "face it" werden 18 großformatige Fotoporträts von maskierten Menschen der Stadt gezeigt.

Momentaufnahme unserer Zeit

"Und dann kamen die Anti-Corona-Demonstrationen, die justament auch am Karlsplatz stattgefunden haben. Das hat dazu geführt, dass diese Porträts Woche für Woche beschmiert und beschädigt wurden." Die Ausstellung wurde zum Magnet für die steigende Corona-Skepsis, so Matti Bunzl.

"Wir haben die Ausstellung jetzt re-imaginiert und zeigen am Bauzaun die originalen Bilder und einige dieser Beschmierungen mit ihren ganzen konspirativen Ideen, wonach Corona Fake News sei, aber es gibt auch rechtsextreme Sachen, und wir wollten genau diese Auseinandersetzung darstellen, weil sie eine urbane Realität ist, der wir uns als städtisches Museum stellen.

Konflikte sollen abgebildet werden

Konflikte, so Matti Bunzl, sollen nicht unter den Teppich gekehrt, sondern abgebildet werden - als Teil unserer sozialen und politischen Realität, als Momentaufnahme einer Zeit, die in die Geschichte eingehen wird. Festgehalten für die Nachwelt, geschrieben in der Gegenwart, zu sehen am Bauzaun des Wien Museums und auch schon in der Online-Sammlung. Die ist jederzeit über die Website des Wien Museums zugänglich.

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