Black Country, New Road

MAXWELL GRAINGER

Black Country, New Road

Album "For the First Time"

Black Country, New Road heißt eine neue englische Band zwischen Jazz und Pop. Nicht mehr als zwei Singles benötigten die sieben Musiker, um das Magazin "The Quietus" dazu hinzureißen, sie als "die beste Band der Welt" zu titulieren.

Und derart hymnische Kritiken sind kein Einzelfall. Die "New York Times" und der britische "Guardian" gaben sich nicht minder enthusiastisch. "For the First Time" heißt nun das Album-Debüt, das am Freitag auf dem bekannten Ninja Tune Label erscheinen wird. Der Albumtitel ist einem obskuren Dave-Brubeck-Live-Album aus dem Jahr 1973 entliehen, der Bandname das Ergebnis eines zufälligen Wikipedia Generators. Black Country, New Road pflegen ihre Exzentrik.

Es kann schon recht verschwurbelt daherkommen, was Black Country, New Road auf ihrem Debüt "For the First Time" kredenzen. Famose Song-Odysseen zwischen sechs und zehn Minuten lang, ohne ersichtlichen Fahrplan für den nichtsahnenden Audio-Passagier.

Durch unsere Adern fließt Jazz-Blut

Die Band leuchtet aus, was Pop im Jahr 2021 bedeuten kann - und wird dafür als Heilsbringer gefeiert. Sänger und Songwriter Isaac Wood kann mit derart flüchtigen Labels allerdings nichts anfangen. "Das bedeutet doch alles nichts. Am Ende zeigt es nur den Hang der Menschen und der Medien zur Übertreibung. In ein, zwei Jahren wird alles anders sein. Das sind alles sehr temporäre Phänomene und wir wissen sie einzuschätzen", so der Sänger, der sich mit Gitarrist Luke Mark die Wohnung teilt.

Drei Frauen und vier Männer bedienen hier Gitarre, Bass, Schlagzeug, Saxofon, Geige und Keyboard. Vom Look her weniger Rock-and-Roll-Ungeheuer denn Neigungsgruppe Schach. Eine Art Pop-Ensemble mit Jazz-Einflüssen. Das sieht auch Wood so: "Dieses Blut fließt schon durch unsere Adern, das stimmt. Wir funktionieren auch im Proberaum wie ein Ensemble."

Noble Schulen und ein Hauptimpulsgeber

Dass Teile der Band schon seit Schultagen gemeinsam musizieren hilft ebenso wie die Tatsache, dass einige der Musikerinnen an Londons berühmter Guildhall School of Music & Drama studierten. "For the First Time" hört man dieses blinde Vertrauen an. Die sechs Songs haben etwas von einer durchgehenden Konversation, einem Austausch zwischen Gleichgesinnten, wenn auch nicht kreativ Gleichberechtigten. Denn Sänger und Songwriter Isaac Wood ist eindeutig der Hauptimpulsgeber.

Ein typischer "Black Country, New Road"-Song durchquert mehrere Aggregatszustände. Das Stück "Athens, France" etwa legt mit unheilvoller Stimmung und assoziativ-losem Text los, driftet nach etwa drei Minuten in nachdenkliche Pop-Sounds a la Tindersticks, um im Finale mit getragenen Blechbläsern auszuklingen.

Black Country, New Road

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NINJA TUNE

Vom Mixtape zum Album

Seine Texte schrieb Woods ursprünglich als Geschichten bevor sie zu Songlyrics mutierten. Oft sind es - in guter britischer Tradition - Alltagsbeobachtungen aus seinem unmittelbaren Umfeld, die Woods notiert. "Ich habe mich noch nie hingesetzt, um Texte zu verfassen. Das werde ich wohl auch nie tun, da gehe ich doch lieber fernsehen oder spazieren", deutet der Songwriter an, wie er es mit der Inspiration hält. Songs schreibt Wood übrigens erst seit kurzem.

Die Band hat das Album im März 2020, kurz vor dem Lockdown in London, live eingespielt. Produziert hat Andy Savours, der schon mit My Bloody Valentine oder Ray Davies gearbeitet hat. Aktuell sind Black Country New Road bereits mitten in den Arbeiten für das Nachfolgewerk. Das werde dann noch mehr auf das Albumformat als Kunstform setzen. "Dieses Album sehe ich mehr als ein Mixtape unserer ersten Phase als Band an. Das kommende wird dann das Format Album mehr nutzen", erklärt Wood.

"For The First Time" ist Ein Album, das in eine so verstörende wie betörende Klangwelt entführt. Ein Hybrid - so aufregend und ständig im Fluss wie der Alltag im Post-Brexit London.

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