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Drosendorf

Kino zum Mitnehmen

Da ein Kinobesuch derzeit nicht möglich ist, bietet der Filmclub Drosendorf im Waldviertel Kino zum Mitnehmen an - Projektionsmaschine, Leinwand sowie Kleber für den unwahrscheinlichen Fall eines Risses inklusive.

"Film ist Magie der Bilder. Mann kann einen Film gegen eine Lampe halten, schon sieht man etwas, das einen in die Filmrolle hineinzieht." Wilhelm Christian Erasmus leitet den Filmclub Drosendorf im Waldviertel. Das ehemalige Landkino Drosendorf stammt aus den 1920er Jahren und ist in einem Gasthaussaal beherbergt. In den 1990er Jahren, während des drohendes Kino-Sterbens, erschuf man den Filmklub als Antwort auf sinkende Besucherzahlen.

"Einige Drosendorfer/innen wollten ein Gegengewicht zum Schließen setzen und haben einen Filmclub gegründet." Ziel des Clubs war es, schöne Filme nach Drosendorf zu bringen, erinnert sich Erasmus.

Wo greifen die Zahnräder ein?

Waren es im letzten Jahrhundert die Fernseher, die das Kino bedrohten, ist es 2021 die Covid-19-Pandemie. Die "schönen " und vor allem alten Filme bringt der Filmklub den Menschen deshalb nun nach Hause. Samt Technik, in Form von 8mm- und 16mm-Projektionsmaschinen sowie der passenden Leinwand, freut sich Wilhelm Christian Erasmus.

Man bekommt eine Bedienungsanleitung mit, erfährt, wie man einen Film einspannt. Wo greifen die Zahnräder ein, damit der Film weitertransportiert wird? Welche Maßnahmen muss man setzen, wenn ein Film reißt? Kleber erhalten die Filmfreunde mit. Sollte es größere technische Probleme geben, ist der Club jederzeit erreichbar. "Aber ansonsten ist das keine schwierige Sache."

Dokus, Spiel- und Animationsfilme

Der Filmclub Drosendorf hat eine Filmsammlung von 8-, 16- und 32-Millimeter-Filmen, die von Dokumentationen und Spielfilmen bis zu Animationsfilmen reicht. Natürlich kann man auch alte Familienfilme aus den 50er oder 60er Jahren auf den Geräten abspielen, erklärt Wilhelm Christian Erasmus.

"Es geht uns darum, dass man auch die Jugend wieder auf so ein Medium bringen kann - ähnlich wie es der Schallplatte ergangen ist: Es hat eine Zeit gegeben, da hat kein Mensch eine Schallplatte angehört, und jetzt ist sie ein Medium, das eine Fangemeinde hat." Besonders fasziniert ist Erasmus von alten Animationsfilmen. Regelmäßig stöbert er auf Flohmärkten nach besonderen Exemplaren.

Auch nach der Pandemie

Das Angebot "Kino zum Mitnehmen" soll auch nach der Pandemie weiter bestehen, sofern es genug Nachfrage gibt, erklärt Wilhelm Christian Erasmus. Mit dem profanen Fernseher ist sei Kino zum Mitnehmen jedenfalls nicht zu vergleichen.

"Die Bilder werden nicht so ruhig projiziert, sondern es gibt eine leichte Bewegung auf der Leinwand. Und das vermittelt ein heimeliges Gefühl. Man fühlt sich zurückversetzt und gleichzeitig wohl. Man weiß, es gibt eine Lichtquelle, der Film wird durchleuchtet und etwas wird auf die Wand projiziert. Vielleicht ein Effekt wie: Man sitzt an einem Lagerfeuer und hat irgendwelche Projektionen an die Höhlenwand geworfen. Es ist etwas sehr Ursprüngliches …"

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