Teresa Präauer

THOMAS LANGDON

"Das Glück ist eine Bohne"

Kurzgeschichten von Teresa Präauer

In ihrem neuen Erzählband "Das Glück ist eine Bohne" berichtet die österreichische Schriftstellerin und bildende Künstlerin von rauschigen Barnächten, vom Snowboard-Unterricht mit Phil Collins und einem Hausbesuch von Britney Spears.

Mein Begleiter nahm mich an der Hand und zeigte mir (…) den Boden unter dem Tanzboden. (…) Das war vielleicht eine seltene Möglichkeit, das ganze Bild zu sehen. Den Tanzboden, das Personal unterhalb des Tanzbodens, die Notausgänge.

Ein Ausschnitt aus dem Text "Notausgänge", der als literarische Reflexion über die Pandemie entstanden ist. Neben ganz aktuellen Arbeiten und farbenfrohen Zeichnungen versammelt Teresa Präauer in ihrem Band "Das Glück ist eine Bohne" auch Geschichten, die zurück in die eigene Kindheit und Jugend in der österreichischen Provinz führen, oder auf den Spuren von Jimi Hendrix nach London, aber auch in ein stickiges amerikanisches Nagelstudio.

Der Titel selbst, so meint die Schriftstellerin, sei eine ironische Anspielung auf den Buchmarkt und seine vielen Glücks-Ratgeber. "Ich mach mich da ganz gerne auch darüber lustig, über diese Anbetung des Glücks und denke mir, wenn wir schon von Glück sprechen, dann könnte es doch auch so etwas absurdes Kleines sein, wie eine Bohne."

Das Glück mit Augenzwinkern

Teresa Präauer stellt in ihren Texten oftmals das Glück mit einem Augenzwinkern vor. So lernen in der ersten Geschichte ein Mann und eine Frau auf der Tanzfläche eines Nachtlokals kennen. Nachdem David versehentlich sein Getränk über Petras T-Shirt schüttet, entflammt ein Gespräch und bald auch die Liebe. Hier finden zwei Menschen das Glück - zumindest scheint es so.

Am Ende übrig bleiben Rauch und Nebel, als wäre eben der Teufel durchs Szenenbild spaziert. (…) Rauch, Nebel, Schwarz und Ende: Das klingt so pessimistisch wie der Satz, den man so oft zu hören bekommt: "Ihre Beziehung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt."

Buchumschlag

WALLSTEIN VERLAG

Vage Hoffnung und Phil Collins

Teresa Präauer hat in ihrem Erzählband Texte miteinander vereint, die häufig von einer vagen Hoffnung sprechen und im Traurigen, im Seltsamen die Komik suchen. Vor allem aber begibt sich die Autorin gerne auf ein unsicheres Terrain der Fiktion.

"Es gibt viele Geschichten vom Aufwachsen auf dem Lande und dann trifft auf diese Welt ein internationaler Star wie Phil Collins oder Britney Spears. Ich denke, dass ist so realistisch erzählt, dass mich Leserinnen und Leser fragen wollen, ob es denn wirklich so gewesen ist, ob ich denn wirklich Phil Collins Snowboard-Unterricht gegeben habe, 1969 in den Salzburger Bergen."

Kitsch und Schönheit

Neben obskuren Begegnungen beleuchtet Teresa Präauer in "Das Glück ist eine Bohne" ebenso naheliegende Themen wie Kunst und Literatur, aber auch ihre Faszination für das Kitschige. In Zeiten der Pandemie wirkt das in manchen Texten beinahe wie eine melancholische Rückschau auf dekadenten Hedonismus.

In anderen Geschichten wiederum beschreibt Präauer den Kitsch in seinen extremen Ausformungen. "Toddlers & Tiaras", also "Kleinkinder und Krönchen" hat sie eine Erzählung betitelt - genau wie die gleichnamige amerikanische Reality-TV-Serie. Im Zentrum stehen dort Mädchen, die von ihren Eltern quer durch die USA zu Beauty-Wettbewerben kutschiert werden. Die Thematik einer ausufernden Schönheitsdoktrin dient Teresa Präauer als Sinnbild für eine Welt voller Widersprüchlichkeiten: "Was mich daran interessiert ist nicht, moralisch abzuurteilen, sondern einen Weg zu finden, mit den Erscheinungen der Gegenwart umzugehen - in dem man sie beschreibt und aus der Beschreibung eine Erkenntnis gewinnt."

Dem Glitzer haftet die Erinnerung an ein bereits zu Ende gegangenes Fest an. Er ist, vielleicht von Anfang an schon, ein Rückstand: das schillernde, aber viel zu kleine Überbleibsel eines Tages. Leichtgewichtig und klebrig.

Service

Teresa Präauer, "Das Glück ist eine Bohne", Kurzgeschichten, Wallenstein

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