Buch des Monats

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Mai

Vitomil Zupan, "Menuett für Gitarre"

Der Roman "Menuett für Gitarre - in 25 Schuss" von Vitomil Zupan ist das Buch des Monats Mai.

In seinem 1975 erschienenen Roman "Menuett für Gitarre - in 25 Schuss" beschreibt der slowenische Schriftsteller und frühere Widerstandskämpfer Vitomil Zupan den als revolutionär verklärten Krieg der Partisanen gegen die Besatzer in einer multiperspektivischen Montage. Zwischen Chaos, brutaler Willkür und offensichtlichen Wiedersprüchen ist der Volksbefreiungskrieg in seiner Darstellung ein nackter Kampf ums Überleben - ein Krieg ohne Illusionen.

Ex libris | 18 04 2021

Sven Ahnert

Eindringlicher Amtikriegsoman

Im Mittelpunkt steht der junge Bohemien und Partisan Jakob Bergant-Berk, das Alter Ego des Autors. Er reflektiert über einen Krieg, der gegen die deutschen Besatzer geführt wird, den alle Beteiligten aber im Grunde gegen sich selbst führen. In bilderstarker Sprache, voller Abschweifungen, Erinnerungen und Zeitsprüngen, folgen wir Jakob Bergant-Berk durch die kriegszerfurchte Unterkrain im Herbst 1943.

"Menuett für Gitarre - in 25 Schuss" ist ein Roman grenzenloser Demontage kriegerischer Heldenposen. Kein Buch, das in das Geschichtsbild vom ruhmreichen Volksbefreiungskrieg Jugoslawiens gepasst hat und dem Autor Haft und Berufsverbot einbrachte.

Wie ein Dokumentarfilm

Wie ein Dokumentarfilm läuft das blutig-makabre Geschehen ab, mit unzähligen Szenen, die mit der Mär vom gerechten Partisanenkrieg ein für allemal Schluss machen. Neben Curzio Malapartes "Kaputt" und Louis Ferdinand Célines "Reise ans Ende der Nacht" gehört Vitomil Zupans "Menuett für Gitarre" zweifellos zu den eindringlichsten Antikriegsromanen des 20. Jahrhunderts.

Service

Vitomil Zupan, "Menuett für Gitarre - in 25 Schuss", Roman, aus dem Slowenischen von Erwin Köstler, Guggolz Verlag. Originaltitel: "Menuet za kitaro (na petindvajset strelov)"

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