Ein Mann schaut durch einen Theater Vorhang

AFP/WANG ZHAO

Vorhang auf!

Kultur-Öffnungen ab 19. Mai

Die lange erwarteten Öffnungsschritte für die Kultur in Österreich sind da: Am 19. Mai können wieder Veranstaltungen stattfinden. Das gab die Regierung am Freitagnachmittag in einer Pressekonferenz bekannt.

Erlaubt sind dann indoor maximal 1.500 Besucher, outdoor maximal 3.000 Besucher (mit zugewiesenen Sitzplätzen). Grundvoraussetzung ist jedoch, dass man sich als getestet, geimpft oder genesen ausweisen kann.

Getestet, geimpft oder genesen

Maximal die Hälfte der möglichen Platzkapazität kann besetzt werden. FFP2-Masken sind ebenso Pflicht wie ein Abstand von einem Sitz zwischen Gruppen von bis zu vier Menschen. Die künftige Sperrstunde um 22 Uhr erlaubt dabei auch Abendvorstellungen, wenn diese bis dahin zu Ende sind. "Damit kann man planen", sagte Kulturminister und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und wünschte "viel Kreativität und Freude für die neuen Ansätze": "Am 19. Mai heißt es wieder: Vorhang auf!" Weitere Öffnungsschritte wurden auch für den Kulturbereich für spätestens Anfang Juli in Aussicht gestellt.

Auch Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) zeigte sich am Freitag in einem ersten Statement hochzufrieden: "Ich bin froh und erleichtert, dass es uns gelungen ist, jetzt einen Weg vorzuzeichnen, der für die vielen Menschen in der österreichischen Kunstszene eine Perspektive für die nächsten Monate gibt."

Ludwig: "Vorsichtig schrittweise Entscheidungen"

Skeptisch zeigte sich in einer eigenen Pressekonferenz davor Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ): Er werde erst Anfang kommender Woche gemeinsam mit Expertenteams darüber entscheiden, ob der Ost-Lockdown (in dem etwa auch Museen und Ausstellungshäuser derzeit geschlossen sind) so wie in Niederösterreich auch in der Bundeshauptstadt am 2. Mai auslaufen soll. "Wir werden sehr vorsichtig schrittweise Entscheidungen treffen." Der 19. Mai sei für ihn derzeit "noch weit weg", daher wolle er sich noch nicht festlegen, ob die von der Bundesregierung angestrebte gleichzeitige Lockerung auch tatsächlich in diesem Ausmaß auch in Wien umgesetzt werde.

Burgtheater wegen Umbaus geschlossen

Von der Wiener Entscheidung wird auch die Öffnung der Bundestheater abhängen. Bundestheater-Holding-Geschäftsführer Christian Kircher nannte die heute bekannt gegebenen Kultur-Öffnungsschritte der Bundesregierung gegenüber der APA jedenfalls eine "sehr positive Nachricht". "Es war eine große Kraftanstrengung aller Beteiligten. Wir freuen uns sehr, dass nun bald wieder Vorstellungen stattfinden können."

Alle Häuser der Bundestheater werden ihren Spielbetrieb aufnehmen, mit Ausnahme der Spielstätte Burgtheater. Hier werde eine großes Bauprojekt, bei dem die gesamte Bestuhlung in Parterre und Parkett ausgetauscht und eine Klimaanlage eingebaut wird, das ursprünglich Mitte Juni starten sollte, auf Mitte Mai vorgezogen, um eine Wiedereröffnung Anfang September sicherzustellen. Aus technischen und vergaberechtlichen Gründen (es handle sich um eine europaweite Ausschreibung) sei es nicht möglich gewesen, die Arbeiten noch weiter vorzuziehen, sagte Kircher, der darauf verwies, dass das seit Anfang November 2020 andauernde Veranstaltungsverbot nie einen langfristigen Planungsvorlauf ermöglicht habe.

Acht Premieren in Akademietheater u.a.

An den anderen Burgtheater-Spielstätten Akademietheater, Kasino und Vestibül sollen hingegen bis zum Sommer acht Neuinszenierungen präsentiert werden, gab das Burgtheater bekannt. Im Akademietheater sollen vor dem Sommer Oscar Wildes "Bunbury" (Regie: Antonio Latella), Thomas Bernhards "Die Jagdgesellschaft" (Regie: Lucia Bihler), August Strindbergs "Fräulein Julie" (Regie: Mateja Koleznik), Maurie Maeterlincks "Pelléas und Mélisande" (Regie: Daniel Kramer) sowie die Uraufführung "Alles, was der Fall ist" von Dead Centre zur Premiere kommen. Für das Kasino wurde "Der Fiskus" von Felicia Zeller in der Regie von Anita Vulesica als Österreichische Erstaufführung angekündigt.

Im Vestibül kommen die Premieren "Nur ein Tag" von Martin Baltscheit und "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter" von Sibylle Berg heraus. Weiters kündigte das Burgtheater für 4. Mai - also vor Beginn der Umbauarbeiten - ein Livestreaming der Inszenierung "Richard II.", die kürzlich als Vorpremiere in Bregenz gezeigt wurde, aus dem Haus am Ring an. "Ich freue mich darüber, dass es jetzt wieder losgeht und wir wieder Theater zeigen können", so Direktor Martin Kusej in einem kurzen schriftlichen Statement.

"Ende der Durststrecke"

"Eine anhaltende Durststrecke wird mit 19. Mai 2021 beendet", jubelte Bernhard Rinner, Geschäftsführer der Bühnen Graz am Freitag, über die bevorstehenden Öffnungsschritte. Man freue sich, wieder vor Publikum spielen zu dürfen und werde "mit voller Kraft an diesem Eröffnungsmoment arbeiten". Die Bühnen Graz freuen sich auch für die Künstlerinnen und Künstler, die dann wieder ihre Kunst zeigen können. "Nach einer Zeit, in der Krisenbewältigung unser tägliches Brot war, hoffen wir nun auf eine blühende Zeit der Kunst in unseren Händen. Auch wenn die Saison in den Sommer nicht mehr lange dauert, so wird nun umso größeres Engagement in die Überzeugungskraft des Theaters gesetzt", hieß es in einer Aussendung.

Marie Rötzer, künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich, sprach in einer Aussendung von einer "Art Befreiungsschlag". Sie freue sich, noch in dieser Spielzeit die Uraufführung von "Monte Rosa" von Teresa Dopler sowie die Uraufführung des Wiener Dramatikers Bernhard Studlar mit "Eine Stadt sucht ihr Theater" als Audio-Walk mit und vor Publikum zeigen können. Außerdem wolle man Thomas Manns "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" und "Molières Schule der Frauen" fortsetzen. Theater solle "so bald wie möglich wieder ein Ort der Begegnung und der Gemeinschaft werden, ein Ort, wo wir unsere gesellschaftlichen Debatten führen oder einfach miteinander Theatererlebnisse abseits des Alltäglichen teilen können".

Die Linzer Veranstaltungsgesellschaft LIVA begrüßte die Entscheidung der Regierung und kündigte an, den aktuellen Veranstaltungsbetrieb im Einklang mit den behördlichen Vorgaben so rasch wie möglich ab 19. Mai in allen Spielstätten wieder aufzunehmen. "Wir haben mit einer umfassenden Sicherheitskonzeption, Investitionen in neue Infrastruktur und einem spannenden Sommerprogramm in den vergangenen Wochen enorm viel Vorarbeit geleistet und sind vom Brucknerhaus bis zum Posthof, im Kinderkulturzentrum Kuddelmuddel und auch in den LIVA-Sportstätten bestens auf die lang ersehnte Öffnung vorbereitet", so LIVA-Direktor Dietmar Kerschbaum in einer Aussendung.

Analog und digital

Am Tiroler Landestheater zeigte man sich am Freitag erfreut über die geplante Öffnung am 19. Mai, denn man sei "startklar - auf unseren Bühnen und in allen weiteren Spielstätten". Der Probebetrieb wurde während der vergangenen Monate "in allen Sparten" aufrechterhalten, sagte Intendant Johannes Reitmeier. Manches wurde zwar auf kommende Spielzeiten verschoben, dennoch "warten allein im Großen Haus drei spielfertige Produktionen auf das Publikum, in den Kammerspielen sind es mittlerweile sechs". Das Tiroler Symphonieorchester plant noch zwei Symphoniekonzerte. Obwohl bald wieder der Live-Besuch möglich sein wird, will das Tiroler Landestheater sein kostenloses Streaming-Angebot beibehalten.

Im Wiener Veranstaltungszentrum WUK begrüßte man gegenüber der APA grundsätzlich die Öffnungsschritte nach fast 170 Tagen ohne öffentliche Veranstaltungen und Publikum im Haus. Man bleibe jedoch realistisch. An erster Stelle stehe die Sicherheit, weshalb man weiterhin solidarisch bleibe und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zustimme, erst dann Öffnungsschritte zu setzen, wenn die medizinische Versorgungslage dies auch zulasse: "In Abhängigkeit von den lokalen Öffnungsschritten in Wien planen wir unsere weiteren Veranstaltungen überwiegend als Hybridformate. Unser Programm wird also sowohl analog vor Ort, aber auch digital zu erleben sein, so dass unser Publikum, das noch nicht seine Schritte in geschlossene Räume lenken möchte oder kann, unser Programm erleben kann."

Gelassenheit

Allein gelassen fühlt sich hingegen Frequency-Veranstalter Harry Jenner. Was das für August in St. Pölten geplante Großfestival mit bis zu 40.000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag betrifft, "sind wir leider in einer unerfreulichen Warteschleife und bekommen kein Feedback, ob und wie, oder auch nicht aufgesperrt werden kann", erklärte Jenner auf APA-Anfrage. "Es schaut sich auch aktuell niemand die Öffnungskonzepte an, um uns zumindest einen Ansatz zu geben, wie es vielleicht geht und ob man sich in diese Richtung orientieren könnte." Stattdessen fühle er sich wie auf der Titanic, mit der Regierung als Kapitän: "Da draußen ist irgendwo ein Eisberg, aber der Kapitän unternimmt nichts. Die Passagiere sind am Ende die Armen."

Die Kostenfrage stellte Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren in den Raum: "Die Kostenbelastungen sind durch Mehraufwand für Sicherheit und Einnahmenausfälle durch Platzreduktionen deutlich größer als vor Beginn der Pandemie. Für viele der Kunst- und Kultureinrichtungen stellt sich daher die Frage, ob sie sich die Öffnung auch finanziell leisten können." Entsprechend sei man von einer Normalität ungeachtet der jetzt geplanten Öffnungen weit entfernt. "Sie sind aber ein erstes deutliches Zeichen eines anderen Umgangs mit Kunst- und Kultur-Angelegenheiten, als das bisher der Fall war", zeigte sich Ruiss teiloptimistisch.

Text: APA/Red.

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