Buch des Monats

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Juli

Cesare Pavese - "Der schöne Sommer"

Cesare Paveses Turiner Trilogie, neuübertragen ins Deutsche unter dem Titel "Der schöne Sommer", ist das Buch des Monats Juli.

Gerhard Moser

Von einer Ironie der Geschichte lässt sich hier wahrlich nicht sprechen. "Die einsamen Frauen", der abschließende Band von Cesare Paveses Turiner Romantrilogie, beginnt mit dem Selbstmordversuch eines jungen Mädchens mittels einer Überdosis Veronal in einem Nobelhotel nahe des Turiner Hauptbahnhofs. "Einen allgemeinen Ekel vor dem Leben" wird die Gerettete später als Begründung für ihre Verzweiflungstat angeben.

Ein fesselndes Kaleidoskop der Nachkriegsgesellschaft

1949 hat Pavese den Roman geschrieben. Gut ein Jahr später, kurz nach der Auszeichnung seiner Turiner Trilogie mit dem wohl bedeutendsten italienischen Literaturpreis, dem Premio Strega, nimmt sich der auf dem Höhepunkt seines Ruhms angekommene Schriftsteller im Hotel Roma nahe des Turiner Hauptbahnhofs das Leben. Mit einer Überdosis Schlafmittel.

Paveses "Turiner Trilogie" - bestehend aus drei schmalen Romanen mit den Titeln "Der schöne Sommer", "Der Teufel auf den Hügeln" und "Die einsamen Frauen" - ist zwischen 1940 und 1949 entstanden. Es geht in den ersten beiden Romanen um das, was man jugendliche Selbstfindung sowohl in den Höhen der Metaphysik als auch in den Niederungen des Alltags nennen kann.

Buchumschlag

ROTPUNKTVERLAG

Perfektionierte Stilmittel

Pavese schreibt durch und durch realistisch, und es wird deutlich, warum er der Strömung des "Neorealismus" beziehungsweise des "Neoverismus" zugeordnet worden ist. Nicht nur das Sujet sondern vor allem die Sprache ist es, mit der der Autor das Italienische aus abgehobenen Kunstsphären auf die Straße zurückholt. Jene Straße der Dialekte, der Milieus und auch des Gossenjargons. Das alles Jahre vor den Filmen Rossellinis, Viscontis, de Sicas und Pasolinis.

Mit seinen perfektionierten Stilmitteln der knappen, atmosphärischen Schilderung, der psychologischen Skizzierung seiner Figuren, mit klarer Dramaturgie und vor allem mit jener Sprachartistik, die ihn mühelos zwischen den Milieus changieren lässt, schafft er ein fesselndes Kaleidoskop einer Nachkriegsgesellschaft, die schon lange dem Untergang geweiht ist.

Service

Cesare Pavese, "Der schöne Sommer", drei Romane, aus dem Italienischen von Maja Pflug, Rotpunktverlag

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