Dee and Lisa on Mott Street, Little Italy, New York City, USA, 1976 (Ausschnitt)

MAGNUM PHOTOS/SUSAN MEISELAS

Magnum-Fotografin

Susan Meiselas in Wien

Die US-amerikanische Fotografin Susan Meiselas berichtete Ende der 70er-Jahre von der Revolution in Nicaragua, dokumentierte den Genozid des Sadam-Hussein-Regimes an den Kurden oder begleitete eine Gruppe von Jahrmarktstripperinnen. Das Kunst Haus Wien zeigt jetzt, erstmals in Österreich, eine umfassende Werkschau der Magnum-Fotografin.

Es war ein Zufall, der Susan Meiselas 1978 nach Nicaragua führte. Damals las sie in der "New York Times" von den Gräueln des diktatorischen Somoza-Regimes.

Nicaragua, 1979

Nicaragua, 1979

MAGNUM PHOTOS/SUSAN MEISELAS

Molotov Man

Auf der Landkarte hätte sie Nicaragua damals nicht gefunden, sagt Susan Meiselas, aber sie buchte damals kurzerhand einen Flug nach Managua. "Ich kam zwei Monate bevor der Aufstand der Sandinisten begann ins Land", so Susan Meiselas, "also zu einem Zeitpunkt, an dem sich keiner vorstellen konnte, dass Somoza jemals gestürzt werden könnte."

Meiselas begleitete den Kampf der Sandinisten und es gelang ihr das Foto zu schießen, das zur Ikone der Aufstandsbewegung werden sollte, der Molotov Man. Ein Aufständischer, der mit seinem Barett und seinem Backenbart stark an Che Guevara erinnert, steht da hinter einer Barrikade aus Sandsäcken und ist gerade im Begriff eine zum Molotow-Cocktail umfunktionierte Cola-Flasche zu schleudern. "Das Foto entstand am Nachmittag und in der folgenden Nacht floh Somoza aus dem Land", erzählt Susan Meiseklas. "Das Bild steht damit für die letzten Züge des Kampfes gegen Somoza."

Kurdistan, 1991

Kurdistan, 1991

MAGNUM PHOTOS/SUSAN MEISELAS

Bild und Wort

Susan Meiselas Beschäftigung mit dem Schicksal der Kurden wurde zum Langzeitprojekt. Hier fotografierte sie nicht nur selbst, sondern trug auch fremdes Material zu einem Archiv zusammen, das sowohl die reiche Kultur als auch die Verfolgung der Kurden dokumentierte. Die zusätzliche Textebene fällt als ein wiederkehrendes Element in Meiselas Arbeit auf.

"Schon bei meinem ersten Projekt 1971, kombinierte ich die Bilder mit Texten", so Meiselas. "Damals fotografierte ich meine Nachbarn, zeigte ihnen nach dem Entwickeln die Abzüge und ließ sie kurze Selbstporträts schreiben. So wurde der Unterschied sichtbar, zwischen meiner Außen- und ihrer Innenwahrnehmung."

Sprachgewandte Stripperinnen

Für ihre Serie "Carnival Strippers", entstanden in den 70er-Jahren, begleitete Meiselas Stripperinnen, die auf Jahrmärkten auftraten. Damals fertigte sie, zusätzlich zu den Bildern Tonaufnahmen an. "Ich konnte mir nicht vorstellen, sie zu fotografieren, ohne ihnen die Chance zu geben, zu sagen, wer sie waren", erinnert sich Susan Meiselas. "Sie waren so sprachgewandt und deshalb wollte ich ihre Stimmen hörbar und sie damit präsent machen."

"Ich lerne von meinen Fotos", sagt Susan Meiselas, sie versuche zu verstehen, was das für eine mysteriöse Wirkung ist, die Bilder auf uns ausüben. Jedenfalls sorgen sie für eine sehr besondere Verbindung, denn mit dem Molotow Man steht Meiselas noch immer in Kontakt. "Ich lernte Pablo Arauz erst zehn Jahre später näher kennen", erzählt Meirelas. "Das Foto hatte ihm, wegen der Kopfbedeckung, die er darauf trug, den Spitznamen ‚Bareta‘ eingetragen. Wir hören uns zumindest einmal im Jahr, am Jahrestag der Revolution. So beginnt mit jedem Foto eine Beziehung."

Fotografie und Philosophie

Viele Fotografen sind knapp dran am Geschehen, nur wenige machen aber auch gleichzeitig den Schritt zurück und denken über ihre Arbeit nach. Wahrscheinlich sorgt dieser doppelte Blickwinkel für die Weisheit von Susan Meiselas Bildern. Ihre Werkschau "Mediations" eröffnet Mittwochabend im Kunst Haus Wien.

Service

Susan Meiselas

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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