Baustelle: "Französischer Saal" des Künstlerhauses

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Junges Publikum

Staatsoper goes Künstlerhaus

Die Wiener Staatsoper erhält eine neue Arbeits- und Spielstätte im Künstlerhaus. Der "Französische Saal" - der früher das Off-Theater brut beherbergte - wird bis 2024 zu einem modernen Opernraum mit bis zu 279 Sitzplätzen umgebaut. Oper für junges Publikum und den künstlerischen Nachwuchs soll hier stattfinden, das Opernstudio soll hier seine neue Heimat finden.

Das rund 21 Millionen Euro teure Umbauprojekt wird von Hans Peter Haselsteiner, der STRABAG, der Wiener Staatsoper und dem Bund finanziert und unmittelbarer Nachbar der Albertina Modern, die sich im selben Haus, sein.

Noch ist er in guter Erinnerung - Der mediale Schlagabtausch zwischen Staatsoperndirektor Bogdan Roscic und Albertina Chef Klaus Albrecht Schröder über die Notwendigkeit von Theater in Coronavirus-Zeiten und auch das Zitat mit dem groben Klotz und dem groben Keil, klingt noch im Ohr. Umso überraschender war es, die beiden Herrn beim Pressegespräch in trauter Einigkeit am Podium zu sehen, den finanzstarken Geldgeber Hans Peter Haselsteiner und die stolze Kulturstadträtin Andrea Mayer quasi als Puffer, zwischen ihnen.

Vlnr.: Hans-Peter Haselsteiner, Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, StS Andrea Mayer, Direktor Bogdan Roscic und Strabag-CEO Thomas Birtel

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"Jedenfalls kann ich guten Gewissens sagen, dass im Herzen von Wien, an einem bedeutenden Knotenpunkt von Kunst, Kultur, Tourismus und öffentlichem Verkehr, ein neuer Ort für die Opernbesucherinnen der Zukunft entstehen wird", so Andrea Mayer.

"Eine absolute Notwendigkeit"

Der neue Raum sei eine absolute Notwendigkeit gewesen, so Bogdan Roscic, sonst könnte er seinen kulturpolitischen und unternehmerischen Auftrag nicht mehr wahrnehmen. Denn die Staatsoper mit ihren vielen kleinen Institutionen wie Opernstudio, Ballettakademie, Bühnenorchester, Chorakademie und Opernschule platze aus allen Nähten und sei nicht wie andere vergleichbare Opernhäuser Europas in den letzten Jahren umgebaut und erweitert worden.

"Hier am Haus hat eine Prüfung aller Raumreserven stattgefunden und die hat ergeben, dass es unmöglich ist, das das Projekt hier zu verwirklichen." Kinder und Studierende - machen bisher in der Staatsoper bisher nur 1 Prozent des Publikums aus, so Roscic, das Durchschnittsalter des Publikums sei generell hoch. "Wir wissen, dass wir zehn bis zwanzig Jahre über dem Durchschnittsalter vergleichbarer Opernhäuser liegen."

Frau und ein Mann bei einer Pressekonferenz

Staatssekretärin Andrea Mayer und Direktor Bogdan Roscic

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Die perfekte Theaterwelt

Was aber soll im "Französischen Saal" des Künstlerhauses, der zugleich mit dem Umbau vermutlich auch einen neuen Namen bekommt, stattfinden? Mehr als Kinderoper, sagt Roscic. "Es muss ein Angebot geben für Unterstufe, Oberstufe, es muss unterschiedliche spezifische Angebote geben, ein Laboratorium, eine Uraufführung in Kammerspieldimension, mit einer experimentellen Choreografie und wir brauchen einen Platz zum Arbeiten und Proben."

Das neue Haus wird buchstäblich alle Stückln spielen. Im Dach wird das neue Opernstudio untergebracht. Es werden zwei Untergeschosse geschaffen mit Künstlergarderoben und Technik, ein Orchestergraben und eine steil ansteigende Tribüne mit bis zu 279 Sitzplätzen. "Es ist so etwas wie eine perfekte kleine Theaterwelt, weil man sie eben in idealer Form planen kann."

Die Finanzierung

Für die ideale Planung braucht es 21 Millionen Euro und die Zusammenarbeit von öffentlicher und privater Hand. Vom Bund kommen 5 Millionen, 10 Millionen kommen von der STRABAC, der Rest wird von der Haselsteiner Familien Privatstiftung übernommen. Hans Peter Haselsteiner: "Der Bauherr ist nicht die öffentliche Hand, sondern eine von der Haselsteiner Familien Privatstiftung beherrschte Gesellschaft und es ist selbstverständlich, dass der, der den Löwenanteil der Kosten trägt, wenigstens die Chance hat, die Bauarbeiten zu leisten."

Dass Hans Peter Haselsteiner den Rückzug des Off-Theaters brut in das von ihm renovierte Gebäude nicht unterstützt hat, spricht es ganz deutlich aus: "Es war nicht mein Wunsch für die Off-Szene der Theaterwelt Geld auszugeben, und ich habe um Verständnis gebeten. Jeder Mensch hat eine Neigung und einen Schwerpunkt und der liegt bei mir in der Oper und im Nachwuchs, und das wollte ich verwirklichen."

Der Albertina-Chef generös

Und was macht Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder, der den "Französischen Saal" eine Zeit lang auch ganz gerne für sich genutzt hätte? Er macht freundliche Nasenlöcher, spricht von der Wichtigkeit der musealen Ausbildung für Kinder und Jugendliche und gibt sich höchst generös, was die umbaubedingte Schließzeit für die Albertina Modern betrifft (ab Februar 2023 in der intensiven Bauzeit).

"Ich nehme zur Kenntnis, dass wir dafür ein bisschen schließen müssen, so kurz wie möglich. Ich halte das für absolut vertretbar, weil es wichtiger ist, dass dieses Gebäude seinen wichtigen Kulturpolitischen Auftrag erfüllen kann, als dass man durchgehend einen Museumsbetrieb aufrecht erhält. Sub specie aeterintatis (unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit) sind einige wenige Monate ein Wimpernschlag in der Geschichte."

Ein Wimpernschlag in der Geschichte, ein Bau für die Zukunft und das Gefühl, dass hier mächtig, finanziell potent und männlich fordernd zusammenkommt, was zusammengehört. Weil es um Kinder, Nachwuchspflege und Kultur geht - durchaus positiv. Einen seltsamen Beigeschmack hat es vermutlich nur für die Off-Theater-Szene.

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