Adam Driver und Matt Damon

20TH CENTURY STUDIO

Film

"The Last Duel" von Ridley Scott

In Venedig präsentierte der britische Filmemacher Ridley Scott heuer im Rahmen der Filmfestspiele sein neuestes Opus Magnum: "The Last Duel". Die Handlung ist im 14. Jahrhundert angesiedelt und trotzdem dominiert das Echo der aktuellen "MeToo"-Bewegung.

Im Zentrum steht bei Scott diesmal ungewöhnlicherweise nicht die Heldentat eines Mannes - sondern die einer Frau. Obwohl die Courage von Marguerite de Carrouges sogar den Tod in Kauf nimmt, lässt sie die Protagonistin des Filmes nicht verstummen.

Durch graue und bewölkte Landschaften Frankreichs kehrt Jean de Carrouges, gespielt von Matt Damon, eines Tages als tapferer und zernarbter Ritter aus einer Schlacht zurück. Als er seine Gattin Marguerite de Carrouges, gespielt von Jodie Comer, des Abends rabiat zum Beischlaf auffordert und sich diese weigert - gesteht sie ihm, von seinem einstigen Freund Jacques Le Gris vergewaltigt worden zu sein. Eine Geschichte aus der Vergangenheit, die vor Augen führt, wie wenig wir aus ihr gelernt haben, meint Regisseur Ridley Scott.

Drei Perspektiven in drei Kapiteln

Die Behauptung, vergewaltigt worden zu sein, stößt im 14. Jahrhundert nicht auf Verständnis und Betroffenheit, sondern kostet Marguerite de Carrouges womöglich das Leben. In drei Kapiteln werden anhand der immer gleichen Geschehnisse die drei unterschiedlichen Perspektiven und Realitäten der drei Figuren vorgeführt. Die tatsächliche Wahrheit, so meint Nicole Holofcener, eine der Drehbuchautorinnen, sei immer nur eine gewesen.

In einer Welt, in der nicht Gerechtigkeit, sondern die Macht der Männer dominiert, zweifelt Jacques Le Gris - verkörpert von Adam Driver - bis zum Schluss nicht an seiner Tat. Denn so unsterblich entflammt, wie er für Marguerite de Carrouges sei, könne seine Liebe doch niemals Sünde sein, meint er. Aber nicht nur Le Gris behandelt Frauen wie untergeordnete Objekte: Auch der Gatte des Opfers sieht die Vergewaltigung nicht als Angriff auf seine Frau, sondern als Angriff auf seinen Stolz, seine Ehre und Stärke als Versorger.

Der Gewinner hat Gott auf seiner Seite

"The last Duel" verweist bereits im Titel des Films auf sein groteskes Ende hin: Um die Wahrhaftigkeit der Anschuldigung zu beweisen, müssen sich die beiden Männer duellieren - wer gewinnt, hat Gott auf seiner Seite und muss somit im Recht sein.

Gestaltung

  • Julia Baschiera

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