Cosima Lehninger (Tajana Gudenus), Andreas Lust (Heinz-Christian Strache), Anna Gorshkova (russische Oligarchin), Nicholas Ofczarek (Julian H.), Julian Looman (Johann Gudenus)

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Miniserie

"Die Ibiza-Affäre"

"Diese Serie beruht auf wahren Begebenheiten und Berichten von Beteiligten. Einzelne Personen sind fiktionalisiert oder frei erfunden" ist zu Beginn jeder der vier Folgen der Medien-Miniserie "Die Ibiza-Affäre" zu lesen.

Erzählt wird die Entstehungsgeschichte des Ibiza-Videos, unter anderem mit Andreas Lust als ehemaliger Vizekanzler Strache und Nicholas Ofczarek als Privatdetektiv. Die Serie basiert auf dem Sachbuch "Die Ibiza-Affäre - Innenansichten eines Skandals" der Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer.

"Zu wahr, um erfunden zu sein", heißt es im Untertitel der "Ibiza-Affäre". "Wonnst sowas geplant hätt'st, die hett'n g'sogt, des funktioniert nie", heißt es in einer Szene. Wäre alles nur Fiktion, wäre das Drehbuch dazu wohl an mehreren Stellen in Überarbeitung geschickt worden.

Plakatsujet

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"Zu wahr, um erfunden zu sein"

"Wie bei 'Titanic', da hat man auch gewusst, die wird untergehen, aber trotzdem sind alle ins Kino", sagt Regisseur Christopher Schier im ORF Interview. Und so sei es die Herausforderung gewesen, die bekannten Ereignisse abzubilden und in Erinnerung zu rufen; zugleich aber auch eine Geschichte mit neuen Aspekten zu erzählen. "Wie sie sich kennengelernt haben, wie sie sich vorbereitet haben. Da ist schon so viel schiefgegangen; die Chuzpe zu haben weiterzumachen bis, dass sie es nachher nicht geschafft haben zu verkaufe", so Schier.

Es erinnert teils an die "Ocean's"-Filmreihe, wie Schier mit Vor- und Rückblenden zwischen den Jahren 2013, 2017 und schließlich der Veröffentlichung des Videos 2019 erzählt. War es dort die Planung unmöglich erscheinender Coups, ist es hier die absurde Idee einer Videofalle. Nur, dass im Hintergrund kein ganzes Team von Profidieben agiert, sondern ein Privatdetektiv und ein Anwalt.

Eine beiläufig geäußerte Idee führt zur nächsten

Während in Österreich schon das Schreckgespenst eines rechtsextremen Kanzlers umgeht, sind da ein Chauffeur, der mit Bargeld gefüllte Sporttaschen fotografiert, ein Rindsbraten, der über die Parteikasse verrechnet werden soll, später das angebliche Interesse einer russischen Oligarchin an einem Jagdgrundstück der Familie Gudenus. Der Bekanntschaft mit Gudenus folgt jene mit Strache. Und eine beiläufig geäußerte Idee führt zur nächsten.

"Wenn Gudenus nicht gesagt hätte, kauf die 'Kronen Zeitung', dann wäre es nie zum Video gekommen. Die wollten nie ein Video machen, sondern sehr österreichisch: Schauma mal was geht", so Christopher Schier.

Nicholas Ofczarek

Nicholas Ofczarek

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Nicholas Ofczarek macht mehr daraus

Nach "Ibiza" wechselt die Miniserie erst in Folge drei, in der der Videodreh rekonstruiert wird. Die Inszenierung folgt dem Originalvideo. Und so nah Andreas Lust und Julian Looman in Sprache und Gestik an jene von Strache und Gudenus herankommen - es ist vor allem die von Nicholas Ofczarek gespielte Figur des Privatdetektivs, die in ihrer Ambivalenz und ausgestattet mit Chuzpe und Schmäh, aus der Geschichte mehr macht, als das Abziehbild eines politischen Skandals.

Der Verkauf des Videos scheitert, es bleibt das Interesse an der Veröffentlichung und die Zusammenarbeit mit den Journalisten der "Süddeutschen Zeitung". Christopher Schier streut dokumentarisches Material und auch assoziative Bilder in die Handlung ein. Identitäre treffen auf zuklappende Mausefallen und in einem Kasperltheater wird das System verdeckter Parteispenden erklärt.

Eine Fortsetzung der Serie ist nicht geplant, aber in der Realität scheint ja an neuen Drehbuchideen intensiv gearbeitet zu werden.

Service

"Die Ibiza-Affäre" ist ab dem 21. Oktober auf Sky zu sehen.

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