Redewendung, "Mein Name ist Hase"

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Moment

Wie Floskeln die Sprache durchdringen

Wir alle benutzen Floskeln und Phrasen. Es geht nicht ohne, und sie leisten Enormes. Bei Begrüßung und Verabschiedung, in jeder Korrespondenz und in allen Lebenslagen, die ein Miteinander erfordern.

Ein anständiges Repertoire an Floskeln macht das Leben leichter. So manche kommunikative Klippe lässt sich umschiffen - ohne Gesichtsverlust für die Beteiligten. Sag's durch die Blume statt unverblümt! Phrasen funktionieren besonders gut auf Augenhöhe.

"Die Leute reden so furchtbaren Blödsinn!", Franz Schuh

Doch halt! Wir sind bereits mitten in der Grauzone, wo die Floskeln ins Banale kippen. Denn "auf Augenhöhe kommunizieren" ist so beliebt, dass die Formulierung, lieblos eingesetzt, hohl klingt. Mit der Folge, dass dem Sprecher oder der Sprecherin die übrigen Äußerungen auch nicht mehr abgenommen werden.

Franz Schuh

Franz Schuh

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Denkersparnis

"Die Leute reden so furchtbaren Blödsinn!", sagt der Philosoph Franz Schuh. Schuh hat anlässlich des Tags der offenen Tür im Parlament 2016 einen Essay mit dem Titel "Die stille Kammer der Phrasen" geschrieben. "Nein, nein - ich will keine Phrasen kritisieren, geschweige denn welche aufdecken oder gar 'hinterfragen'", heißt es dort:

"Ich will nicht - auch deshalb nicht, weil andere es besser können und weil früher andere es noch besser konnten. Gegen Phrasen kämpfen hat gar keinen Sinn, sie erfüllen ihren Zweck als Denkersparnis, sie sind das Resultat einer Rationalisierung, sie kommen billig. Man bedenke den Aufwand, falls man nicht mehr sagen dürfte: 'Die Opposition schäumt.' Man müsste sich was ausdenken, fern vom Schäumen, man müsste das Gedachte entsprechend sagen - und das geht doch nicht, so kann man nicht arbeiten ...

… Die rationalisierte, kommerzialisierte Verständigung lebt von der Phrase."

Floskelreich geht es ganz allgemein in den verschränkten Sphären von Politik und Medien zu. Womöglich, weil sich beide Welten immer wieder gegenseitig infizieren? Mit einem Mix aus schweren Geschützen ("Totalversagen", "alle Alarmglocken läuten", "Aufschrei der Medien") und Florettfechterei ("Synergieeffekte nutzen", "zeitnah Hilfe vor Ort leisten", "Da bin ich ganz bei Ihnen").

Hinzu kommen immer neue aus dem US-Orbit unsanft im deutschen Sprachraum gelandete Anglizismen, um nur den "schönen verbleibenden Tag" zu nennen, den man beim Ausrollen auf der Landebahn vom Bordpersonal gewünscht bekommt. Doch auch in Werbung, Sport, Wirtschaft und Wissenschaft finden sich Phrasendrescher wie Phrasendrescherinnen.

Die Haltesprache

Politiker/innen bedienten sich in heiklen Momenten gern der sogenannten Haltesprache, sagt der deutsche Botschafter in Österreich, Ralf Beste. Im dichten Nachrichtentakt, in dem wir leben, sei es für Politiker immer weniger möglich, einen Tag lang einfach mal nichts zu sagen. "Da ist es fast ein legitimer Akt der Selbstverteidigung von Politikern und Diplomatinnen zu sagen: Ich bediene mich einer gewissen Haltesprache, um über den Tag zu kommen, bevor ich etwas Falsches sage oder mich in einer Richtung festlege, die ich hinterher bereue."

Bevor er als Botschafter nach Wien kam, war Ralf Beste übrigens Journalist und Pressesprecher. Das Versprechen, das ihm Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der Angelobung abnahm, nämlich "die Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich auszubauen und zu vertiefen", habe er früher für eine "extreme Floskel" gehalten. Jetzt sehe er darin einen wichtigen Auftrag und eine Richtung, die ihm der Bundespräsident vorgebe: "Es kommt eben immer darauf an, in welcher Position man sich mit einer Floskel beschäftigt."

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