Christian Thielemann

OFS/ERIKA MAYER

Ö1 Konzert | Matinee

Die Ära Thielemann

Osterfestspiele Salzburg 2022 - Zeit für ein Resümee

Insgesamt zehn Jahre lang hat Christian Thielemann an der Salzach für österliche Hochkultur gesorgt. In dieser erfolgreichen Dekade verstand es der ehemalige Assistent Herbert von Karajans, die eigenen musikalischen Stärken mit dem Verwalten eines großen Erbes zu verknüpfen. Allein durch die Opernauswahl mit Werken von Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Richard Strauss und vor allem Richard Wagner fühlte man sich stark an frühere Zeiten erinnert.

Dabei wurde die Ära Thielemann erst durch einen Paukenschlag möglich. Dem damaligen geschäftsführenden Intendanten des teuersten Festivals der Welt, Peter Alward, kam das Residenzorchester, die Berliner Philharmoniker, abhanden. Überraschend kam seine Entscheidung, Christian Thielemann mitsamt seinem Orchester, der Sächsischen Staatskapelle Dresden, an die Salzach zu holen. Ein Coup, der international für Furore sorgte. In kürzester Zeit - auch die Zusammenarbeit mit Alward-Nachfolger Peter Ruzicka verlief sehr harmonisch - entwickelten sich Dirigent und Orchester zu wahren Publikumslieblingen.

Christian Thielemann, Sächsische Staatskapelle Dresden

Christian Thielemann, Sächsische Staatskapelle Dresden

OFS/ERIKA MAYER

Wagner bezeichnete die Staatskapelle als eine "Wunderharfe"

Zusätzlich zur Oper, zwei Konzerten und einem Chorkonzert kam das eigens installierte "Konzert für Salzburg", und mit hochkarätigen Kammerkonzerten unter Konzertmeister Matthias Wollong und musikalischen Beislbesuchen unter dem Titel "Ohne Frack auf Tour" zeigten die Dresdner ihre Verbundenheit mit dem Salzburger Publikum.

Das Dresdner Traditionsorchester zählt zu den ältesten Orchestern der Welt, Richard Strauss vertraute ihm neun Opern zur Uraufführung an und widmete ihm seine "Alpensinfonie". Richard Wagner, der seine ersten großen Erfolge in Dresden feierte, bezeichnete den Klangkörper als seine "Wunderharfe". Kaum verwunderlich, dass zum Einstand im Jahr 2013 Wagners letzte Oper, "Parsifal", auf das Programm gesetzt wurde - in einer Kritik treffend als "apartes Zusammentreffen einer historischen Reminiszenz mit aktueller Wagner-Kompetenz" beschrieben. In einem Interview darauf angesprochen, was Thielemann in Salzburg vorschwebe, kam zur Antwort: "Ich kann mein Orchester in seiner ganzen Pracht vorführen. Das ist es, worauf es mir ankommt."

Mit Corona kam es zur Zäsur

In den folgenden Jahren setzte Thielemann einen Höhepunkt nach dem anderen mit Richard Strauss’ "Arabella", den Verismo-Einaktern "Cavalleria rusticana" und "I Pagliacci", Verdis "Otello", im Jubiläumsjahr zum 50er der Osterfestspiele mit Wagners "Walküre", 2018 mit Puccinis "Tosca". Und ein Jahr darauf ließ Thielemann seine Lieblingsoper, Wagners "Die Meistersinger" von Nürnberg, folgen, sozusagen als Präsent zum eigenen 60er - wie Karajan feiert ja auch Thielemann Anfang April, meist um die Osterzeit, seinen Geburtstag.

Dann kam es zu einer Zäsur. Corona ging nicht spurlos am Festival vorbei. 2020 sah man sich gezwungen abzusagen, das bedeutete auch: kein "Don Carlo" von Giuseppe Verdi mit Manfred Trojahns Prolog. Voriges Jahr mussten die Osterfestspiele in den Herbst verlegt werden - mit einer frenetisch gefeierten konzertanten Wagner-Gala, aber ohne der ursprünglich geplanten szenischen Produktion von Puccinis Oper "Turandot".

Der Kreis schließt sich mit Wagner

Mit Richard Wagner hat alles begonnen, und mit ihm schließt sich der Kreis - Thielemann nimmt Abschied mit "Lohengrin", der Oper, mit der er als Wagner-Dirigent debütiert hat. Und als Abschiedsgeschenk und Dank nehmen die Dresdner den heurigen Herbert-von-Karajan-Preis mit an die Elbe. Die Witwe des Pultstars, Eliette von Karajan, hat den hoch dotierten Musikpreis 2017 zum 50-Jahr-Jubiläum gestiftet und so großartige Namen wie Daniil Trifonov, Sol Gabetta, Mariss Jansons, Hilary Hahn und die Sächsische Staatskapelle Dresden miteinander verknüpft.

Gestaltung

  • Gerti Mittermayer