Graues Kunstmuseum Vaduz

CANDIDA HÖFER

Fotos

Candida Höfers "Liechtenstein"

Sie hat Opernhäuser, Archive und Bibliotheken fotografiert und macht sichtbar, was sich hinter der Fassade eines Gebäudes verbirgt. Als Vertreterin, der so genannten Düsseldorfer Fotoschule gehört Candida Höfer zu den großen Fotokünstlerinnen der Gegenwart. Nun hat die 78-Jährige eine Serie mit dem Titel "Liechtenstein" geschossen, die derzeit im Kunstmuseum Liechtenstein sowie in der Hilti Art Foundation in Vaduz zu sehen ist.

Auf einem dunklen Kubus, in dessen glattpolierter Terrazzo-Fassade sich die Umgebung spiegelt, thront, so scheint es, eine mittelalterliche Trutzburg. Liechtenstein in a nutshell, eingefangen auf einem Bild der großen deutschen Fotografin Candida Höfer. Es zeigt das Kunstmuseum Liechtenstein und die Residenz der Fürstenfamilie, die auf einer Anhöhe über dem 5700-Einwohner-Dorf Vaduz liegt.

Ein Panoptikum der Macht, das an Kafka denken lässt. Selten schießt Candida Höfer, die mit ihren sorgfältig inszenierten Fotografien von Innenräumen berühmt geworden ist, Außenaufnahmen. In Liechtenstein hat sie eine Ausnahme gemacht. "Die Architektur der beiden lokalen Museen ist hervorragend. Es hat mir viel Freude bereitet, mich diesen Orten fotografisch zu nähern", so Candida Höfer.

Candida Höfer, Kunstmuseum Liechtenstein Vaduz, VII/2021, C-Print

CLAUDIA HOEFER

"Dienende Räume" im Fokus

Mitten in der Fußgängerzone von Liechtensteins Hauptstadt Vaduz versprühen zwei Kunsttempel urbanes Flair. Die Hilti Art Foundation, eine Unternehmenssammlung, die über beachtliche Bestände der klassischen Moderne verfügt, und das Kunstmuseum Liechtenstein wirken im Setting der Liechtensteinischen Hauptstadt überdimensioniert. Hier sowie in der Liechtensteinischen Landesbibliothek hat sich Candida Höfer für ihre jüngste Serie "Liechtenstein" umgeschaut.

Höfers Blick fällt auf Räume, die meist unsichtbar bleiben. Dienende Räume, wie die Fotografin betont. Lastenaufzüge, in denen Kunstwerke transportiert werden, Depots, Archive, Treppenhäuser. "Es stimmt, dass sie sichtbar macht, was üblicherweise nicht ins Auge sticht", so Letizia Ragaglia, seit 2021 Direktorin des Kunstmuseums. Die Südtirolerin ist der Spiritus Rector von Candida Höfers visueller Recherche im Fürstentum Liechtenstein. "Candida Höfer gibt Räumen und Dingen, die normalerweise übersehen werden, Würde", so Ragaglia weiter.

Kisten in einem Kunstdepot

Candida Höfer, Kunstmuseum Liechtenstein, Kunstdepot Schaanwald, 2021, C-Print

CANDIDA HÖFER

Eine Welt ohne Menschen

Magazine, in denen Kisten fein säuberlich übereinandergestapelt wurden, Regale voller Bücher, verborgene Welten in Depots: Candida Höfers Blick auf das vordergründig Banale ist niemals beiläufig und verrät einen großen Willen zur Gestaltung. Die Künstlerin interessiert sich für die Ordnung der Dinge und fotografiert eine Welt ohne Menschen. "Das hatte ursprünglich praktische Gründe, weil ich den Betrieb etwa in Bibliotheken nicht stören wollte. Aber es war auch eine ästhetische Entscheidung", so Candida Höfer. "Räume werden durch die Abwesenheit der Menschen sichtbarer."

Es habe sie nicht interessiert Banken oder unterirdische Garagen zu fotografieren, betont Candida Höfer. Auch wenn das Fürstentum Liechtenstein international als Bankenstandort bekannt ist, in dem findige Anwälte und Treuhänder ein ausgefeiltes Stiftungswesen entwickelt haben. Das Bankgeheimnis sei längst Geschichte, betont man vor Ort. Das Image als Steueroase ist geblieben. Mit ihrer Werkserie "Liechtenstein" hat Candida Höfer, eine der weltweit renommiertesten Fotokünstlerinnen, dem Land in gewisser Weise eine Imagekampagne deluxe geschenkt, die nun im Kunstmuseum Liechtenstein im Dialog mit Kunstwerken der Sammlung gezeigt wird.

Service

Hilti Art Foundation - Candida Höfer. Liechtenstein

Gestaltung

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