ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Im Gespräch | 10 11 2016
Ruth Klüger
"Wien ist ein unfinished business" - Renata Schmidtkunz im Gespräch mit Ruth Klüger, Literaturwissenschafterin, Germanistin und Schriftstellerin. (Erstausstrahlung am 30. März 2000)
30. Jänner 2026, 11:16
Als Susanne Ruth Klüger am 30. Oktober 1931 in Wien geboren wurde, war die Welt noch in Ordnung. Der Vater, Viktor Klüger, war ein sozialdemokratischer Frauenarzt im 7. Bezirk, die Mutter Alma eine Tochter aus "gutem Haus", die ihren ersten Ehemann in Prag verlassen hatte, um Viktor zu heiraten. Kurz nach dem Anschluss flüchtet der Vater nach Südfrankreich und wird 1944 im Baltikum ermordet. Auch der ältere Prager Halbbruder Schorschi wird getötet.
1942 wurden Ruth und ihre Mutter erst nach Theresienstadt, dann in die KZs Auschwitz-Birkenau, Christianstadt und Großrosen deportiert. Sie überlebten wie durch ein Wunder. Nach dem Ende des Krieges wanderten sie in die USA aus. Ruth studierte deutsche Literatur, heiratete einen Berliner Juden, der in der US-Army gedient hat und der für sie ein Held war: den Historiker Tom Angress. Die zwei Söhne Percy und Dan wuchsen als Scheidungskinder auf. Ruth Klügers Universitätskarriere war schwierig und oft prekär, pensioniert wurde sie schließlich als Ordinaria für Deutsche Literatur an der Universität von Kalifornien in Irvine.
Mit fast 60 Jahren, nach einem lebensbedrohlichen Fahrrad-Unfall in Göttingen, schrieb sie ihre Memoiren nieder: "Weiterleben. Eine Jugend" (1992). 2008 schrieb die international renommierte Literaturwissenschafterin und Germanistin den zweiten Band ihrer Memoiren, über das Leben nach dem Überleben: "Unterwegs verloren. Erinnerungen".
2020 verstarb Ruth Klüger in Kalifornien.
