Doina-Cezara Procopciuc
Kunst zum Hören
Posthuman Social Club zum Art’s Birthday
Die Kunst wird am 17. Jänner 1.000.063 Jahre alt - und die Ö1 Sendereihe Kunst zum Hören feiert dies gemeinsam mit andother stage im ORF RadioKulturhaus.
14. Jänner 2026, 13:09
Der Videolivestream aus dem ORF RadioKulturhaus startet um 20:00 Uhr.
Der Fluxuskünstler und Art’s-Birthday-Entdecker Robert Filliou wusste, dass die Kunst genau an diesem Tag im Jahre 998.037 vor unserer Zeitrechnung geboren wurde. Die Wiener Künstler:innengruppe andother stage - die zu diesem Anlass aus der Zukunft kommen wird - weiß noch mehr: Im Jahr 2.233 sind alle Kapitalist:innen ausgestorben - ja, wie die Saurier -, das Leben auf der Erde ist längst nachhaltig, und James Tiberius Kirk erst ein süßes Baby! Aus dem florierenden 23. Jahrhundert bringen sie uns als Geschenk für die Kunst ein Fest: die sechste Ausgabe ihres Posthuman Social Clubs.
Neue Zugänge zur Wahrnehmung
Mit dieser Veranstaltungsreihe, die von der Choreografin Brigitte Wilfing und dem Komponisten Jorge Sánchez Chiong gemeinsam mit dem Philosophen und Aktivisten Kilian Jörg initiiert wurde, will andother stage über den Tellerrand dessen blicken, was wir als das menschliche Reich der Vernunft bezeichnen und neue Zugänge zur Wahrnehmung, Sinnlichkeit und Körperlichkeit entwickeln. Im Wechselspiel von Choreografie und Komposition, Clubkultur, Philosophie, Ökologie und Medienkunst erkunden sie, was eine posthumane Gesellschaft bedeuten kann.
Posthuman Social Clubs
Diese werden auf großen Bühnen wie auch am Küchentisch veranstaltet, bei Festivals der Hochkultur sowie auch im Autodrom des Wiener Praters. In der absoluten Dunkelheit andächtig zuhörend, riechend und schmeckend, wird über eine nachhaltige Gegenwart und hoffnungsvolle Zukunftsvisionen diskutiert, komponiert, getanzt und gefeiert. Im Zeichen des Solarpunks bringt andother stage den "Posthuman Social Club vol. 6 - Art’s Birthday of the Eternal Network" in das ORF RadioKulturhaus.
Solarpunk?
Vom Cyberpunk haben wir schon viel gehört: von der Vernetzung von Mensch und Maschine, von Unterdrückung und Kontrolle in einer düsteren Zukunft. Solarpunk dagegen zeichnet eine Zukunft, die aufblüht. In dieser jüngeren Richtung der Science Fiction resigniert die Menschheit nicht, sondern versteht, dass nicht nur sie, sondern der ganze Planet, die Natur und ihre Artenvielfalt im Mittelpunkt stehen. Im Solarpunk gibt es keinen Platz für Ausbeutung, auch nicht für zwischenmenschliche, wie wir sie vom Kolonialismus kennen.
So bringen in dieser Ausgabe Musikschaffende und Performer:innen ökofuturistische Tanzwut und experimentelle Solarpunk-Elektronik mit: die DJs auto_timer a.k.a Ricardo Eizirik und JSX a.k.a Jorge Sánchez-Chiong und, wenn nicht gerade tanzwütig, dann an ihren Instrumenten: Alfredo Ovalles, Kasho Chualan, Samuel Toro Pérez und Isabella Forciniti.
Für schmeckende Ereignisse sorgen die Ökologin und Künstlerin Sabrina Rosina Brühn und der Kurator Hans-Jürgen Hauptmann, während der Künstler Otto Krause räumliche Texturen und tragbare Interventionen gestaltet. Plattenspieler tauchen in der Turntable-Performance von Brigitte Wilfing auf, sowie in der „DJ-Holz“ Installation von Andreas Trobollowitsch, die akustische Dimensionen von Baumstämmen hörbar macht. Für Radiobeiträge aus einer dekolonialisierten Zukunft sorgen Studierende der Musikuniversität Wien. Von Kilian Jörg und Brigitte Wilfing wird das Publikum tanzend, spielend und spekulierend durch den Abend begleitet.
