Namibia, Nationalpark

STEFAN SPATH

Ambiente

Unterwegs in Namibia

Die älteste Wüste der Welt, Afrikas größtes Schutzgebiet und ein Reichtum an Tieren, wie er auf dem Kontinent nur an wenigen Orten zu finden ist. Namibia ist ein Land, das mit Superlativen der Natur nicht geizt. Für Besucher:innen nicht unwesentlich: Das nach langer Fremdherrschaft erst 1990 unabhängig gewordene Namibia gilt als eines der sichersten Länder Afrikas und ist aufgrund seiner guten touristischen Infrastruktur bestens zu bereisen - auf Bustouren in Kleingruppen ebenso wie auf eigene Faust mit dem Leihwagen.

Namibia-Experte Bernhard Bouzek und Margit Atzler

Reisen mit Ö1

Margit Atzler hat sich für den Podcast "Reisen mit Ö1" mit Bernhard Bouzek, Ethnologe und Historiker unterhalten. Sie sprechen über Township Tourismus und sogenannte Kulturdörfer, die Angehörigen ethnischer Minderheiten die Möglichkeit bieten, ihre traditionelle Kultur zu zeigen und ein kleines Einkommen zu erwirtschaften. Damit wird ein neues Bild der ethnischen Minderheiten gezeigt.

Hier finde sie alle Podcastfolgen.

Endlose Weiten und Wüsten in allen Facetten - dieser Eindruck verfestigt sich, wenn man vom Flughafen der Hauptstadt Windhuk den Weg nach Süden einschlägt. Anfangs ist das Land noch spärlich mit vertrocknetem Gras bewachsen; bald schon dominieren Stein- und Geröllwüsten mit genügsamen Sträuchern und vereinzelten Bäumen, während sich am Horizont lang gestreckte Tafelberge und wild gezackte Bergketten entfalten.

Ganz im Süden windet sich der Fish River Canyon durch die Wüste, ein Schluchtenlabyrinth, das in seinen Ausmaßen nur vom Grand Canyon in den USA übertroffen wird. Namibias trockener Süden übt auf viele Reisende eine große Faszination aus - vielleicht weil alles, was farblich und formenmäßig aus dem Rahmen fällt, einen so genau hinsehen lässt? Vielleicht auch wegen der unwirklichen Stille, die über den kargen Landstrichen liegt? Ganz spektakulär wird es jedenfalls, wenn es geregnet hat und die Pflanzenwelt in Rekordtempo ein Comeback feiert!

Im Herzen der Namib: das Sossusvlei

Seinen Namen hat das junge Land im Südwesten des Kontinents von der ältesten Wüste der Welt: Der Namib. Bis zu 150 Kilometer reicht sie von der Atlantikküste ins Landesinnere, in Nord-Süd-Richtung erstreckt sie sich gut 2.000 Kilometer. Im Herzen der Namib ist ein großartiges Kleinod zu finden: das Sossusvlei, 60 Kilometer vom Meer entfernt, Endstation eines versickerten Flusses und eingerahmt von hohen, rötlich bis orange schimmernden Sandbergen, die der Wüstenwind zu Gebilden von surrealer Schönheit geformt hat.

Namib-Wüste

Namib-Wüste

STEFAN SPATH

Tiefenbohrer und Nebelsauger

Das Sossusvlei gehört zum Namib-Naukluft-Schutzgebiet - mit 50.000 km² der größte Nationalpark Afrikas. Einige wenige Dünen sind zur Besteigung freigegeben. Ein mühsames Unterfangen. Nur am Morgen sind die Temperaturen einigermaßen erträglich. Für zwei Schritte nach vorn rutscht man einen zurück, und kaum bläst der Wind ein wenig heftiger, knirscht einem schon der Sand zwischen den Zähnen. Umso mehr Respekt gebührt den Insekten, Amphibien, Säugetieren und Pflanzen, die mit gefinkelten Strategien den Extrembedingungen der Namib trotzen. Kameldornbäume etwa können Wasser in 60 Metern Tiefe anzapfen. Andere Pflanzen - und manche Tiere - haben Methoden entwickelt, die Feuchtigkeit des Küstennebels aufzusaugen.

Sossusvlei

Sossusvlei

STEFAN SPATH

Zu den Big Five der afrikanischen Tierwelt

Liefen einem bisher Zebras, Strauße, Paviane und Oryxantilopen über den Weg, so rückt im klimatisch begünstigten Norden Namibias einzigartige Tierwelt endgültig in den Mittelpunkt. Stars sind die Big Five Afrikas: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Daneben gibt es gut 130 weitere Säugetierarten, denen man auf einer Safari begegnen kann. Erste Adresse hierfür ist der Etosha-Nationalpark, der so groß ist wie Niederösterreich und das Burgenland zusammen. Geprägt ist Namibias legendärstes Schutzgebiet von Savannen unterschiedlichen Typs, Grasland und einer Salzpfanne, die zur Regenzeit zum Flamingo-Paradies wird. Dazu kommen die vielen Wasserlöcher, manche davon künstlich angelegt, die den Besucherinnen und Besucher atemberaubendes Naturkino ermöglichen.

Elefanten im Etoscha-Nationalpark

STEFAN SPATH

Wer - wie der Autor - bei den Afrika-Sendungen von „Paradiese der Tiere“ vom TV-Gerät nicht wegzubekommen war und nun Jahrzehnte später erstmals südlich der Sahara unterwegs ist, für den gehen Kindheitsträume in Erfüllung. 2.500 Elefanten streifen durch das Reservat, die Zahl der Löwen wird auf 400 geschätzt, die der Giraffen auf über 2.000. Gnus, Zebras und Antilopen treten in Herden auf. Wildbeobachtungsfahrten im offenen Geländewagen sind der Goldstandard - und die Guides legen sich mächtig ins Zeug, um ihren Kunden und Kundinnen alle Höhepunkte zu präsentieren. Woher sie wissen, an welchem der zig Wasserlöcher sich gerade Löwen eingefunden haben? Natürlich über die Etosha-Gruppe von WhatsApp!

Fehlen noch Büffel, Flusspferde und Krokodile - sie lassen sich an den Flüssen Kavango und Kwando an der Grenze zu Angola beobachten. Auch die lange Fahrt über Namibias Caprivi-Streifen - heute offiziell bekannt als Sambesi-Region - in den östlichen Nachbarstaat Botswana lohnt sich. Hier ist eine Flusssafari ein Muss - mehr Elefanten als im Chobe-Nationalpark gibt es nirgendwo zu sehen. Der Chobe mündet in den mächtigen Sambesi, und nun sind nur mehr wenige Dutzend Kilometer zu Afrikas faszinierendstem Naturschauspiel zurückzulegen: den Victoriafällen an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia.

Gestaltung: Stefan Spath