ORF/JOSEPH SCHIMMER
Ausgezeichnet
Die besten Hörspiele des Jahres
Dieses Mal stellten sich 14 höchst unterschiedliche und vielfältige Neuproduktionen des Jahres 2025 der Wahl. Das Ö1 Publikum hat ebenso seine Wahl getroffen, wie auch renommierte Kulturkritiker:innen des Landes. Die Wahl fiel einerseits auf "Die vielen Stimmen meines Bruders" von Magdalena Schrefel und auf „Treibholz“ von Helmut Peschina.
27. Februar 2026, 21:30
Der Ö1 Hörspiel-Publikumspreis
E T T Y
Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum (2 Teile)
Elisabeth Weilenmanns Bearbeitung der Tagebücher von Etty Hillesum erzählt aus dem Leben einer niederländischen Jüdin, die 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde - als Zweiteiler "E T T Y".
Die Ö1 Hörer:innen wählten „E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum“ zur beliebtesten Neuproduktion des Jahres 2025. Die zweiteilige Co-Produktion von ORF und Hessischem Rundfunk macht die Gedankenwelt und Lebensrealität der 1914 geborenen Etty Hillesum während der deutschen Besatzung in den Niederlanden erfahrbar. In ihren Tagebucheinträgen beschreibt sie ihre Affäre mit dem Psychoanalytiker Julius Spier und ihre Beziehung zu ihrem Mann Han, ihre Suche nach Liebe und nach sich selbst. In klaren, reflektierten Worten erzählt Etty aber auch von Antisemitismus, Verfolgung, Gewalt und Tod. Sie setzt sich mit Hass und Mitgefühl auseinander, bewahrt sich dabei stets ihre Menschlichkeit. 1942 arbeitet sie kurz beim jüdischen Rat, geht dann freiwillig ins Lager Westerbork, um den Kranken beizustehen. Am 7. September 1943 wird sie mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert, wo sie am 30. November 1943 ermordet wird. Etty Hillesum wird von Lou Strenger verkörpert, Julius Spier von Roland Koch. In weiteren Rollen sind Johannes Silberschneider, Sabine Muhar, Karl Markovics, Markus Meyer, Julius Belá Dörner, Marlena Reinwald, Marie Theres Müller, Nils Arztmann und Tilman Tuppy zu hören. Die Tagebücher der niederländischen Jüdin Etty Hillesum wurden von der Hörspielautorin und Regisseurin Elisabeth Weilenmann bearbeitet und als zweiteilige Hörspielfassung inszeniert.
Anlässlich der Preisverleihung wiederholt Ö1 beide Teile von „E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum“ am 07. und 14. März.
Den zweiten Platz vergaben Ö1-Hörer:innen an „Verräter“ von Lisa Wentz, eine Produktion des ORF Landesstudios Tirol unter der Regie von Martin Sailer. Das erste Hörspiel der jungen Tiroler Autorin wurde live vor Publikum aufgezeichnet. Lisa Wentz, die bereits mit dem Nestroy für ihr Bühnenstück „Adern“ ausgezeichnet wurde, erzählt in „Verräter“ von Homophobie unter dem Deckmantel der Religiosität und Gottesfurcht. Die junge Josephine hat sich in eine Frau verliebt – das darf es im Dorf, in dem sie mit ihrer Mutter lebt, nicht geben. Deshalb soll sie vom Pfarrer bei regelmäßigen Treffen auf den „rechten Weg“ zurückgeführt werden. Bald zeigt sich Josephine, dass dieser Weg schon davor nicht zwangsweise für jeden der „rechte“ und richtige gewesen ist. Josephine wird von Jasmin Mairhofer dargestellt, in weiteren Rollen spielen Gerti Drassl, Johannes Silberschneider und Stefan Riedl.
Der dritte Platz des Publikumspreises ging an „Antwort auf den Brief von Helga“ von Bergsveinn Birgisson. Ursula Scheidle adaptierte und inszenierte den von Eleonore Gudmundsson übersetzten Roman, in dem der 90-jährige Schafbauer Bjarni Jahre später auf einen Brief seiner großen Liebe Helga antwortet. Mit Poesie und trockenem Humor überdenkt Bjarni seine Lebensentscheidung, bei seiner Frau Unnur zu bleiben und nicht mit seiner Geliebten Helga und dem gemeinsamen Kind in Reykjavik, fern von den heimischen Schafweiden, ein neues Leben anzufangen. Zu hören ist der Hörspiel-Schauspieler des Jahres, Wolfram Berger als Bjarni, außerdem Gerti Drassl, Eszter Hollósi, Suzie Leger, David Ketter, Philipp Stix und als isländische Stimme Ragnheiður Erla Björnsdottir.
Das beste Originalhörspiel
Treibholz
Von Helmut Peschina
Die Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es nicht gegeben hat, ist kein Mätzchen revisionistischer Gruppen allein, weiß Helmut Peschina in seinem Zwei-Personen-Stück "Treibholz" zu berichten.
Die Jury aus Literatur- und Kulturkritiker:innen der „Salzburger Nachrichten“, der „Presse“, der „Kleinen Zeitung“, des „Falter“ und des „Standard“ prämierte dieses Jahr „Treibholz“ des österreichischen Autors Helmut Peschina, in der Regie von Andreas Jungwirth. Helmut Peschina, der schon zuvor vielfach für seine Hörspiele und Bearbeitungen literarischer Klassiker und antiker Stoffe ausgezeichnet wurde, benötigt nicht viel Personal, um (Beziehungs ) Welten hörbar zu machen. Zwei Figuren, schlicht A und B genannt, handeln ihre gemeinsame Vergangenheit aus, in der Gegenwart scheinbar in einer hermetischen Dachkammer gefangen. Oft dreht sich ihr Gespräch um die Jahre zurückliegende Reise nach Paris, bei der sie für ein paar Tage aus ihrer gewohnten Umgebung und Routine ausgebrochen sind. Peschina beschreibt seine Figuren als „neutrale Wesen“, „fern von gewisser Weiblichkeit oder Männlichkeit“, denen er auch keine Namensidentität gegeben hat. Den Autor interessiert vielmehr das „eigene Gebäude“, das die Figuren „zueinander gestaltet haben“, ihre Beziehung sowie das Aushandeln derselben. Sensibel errichtet hat das Gebäude der Regisseur Andreas Jungwirth.
Ö1 wiederholt anlässlich der Preisverleihung das Hörspiel "Treibholz" am 28. Februar um 14.00 Uhr.
Alle 14 Hörspiel-Neuproduktionen die zur Wahl standen finden Sie hier
