ANNA WENISCH
Gedanken
Anregungen starker Frauen
An allen fünf Sonntagvormittagen im Frauenmonat März kommen in den Gedanken, immer um 9.05 Uhr, Frauen zu Wort, die essenziellen Fragen des Lebens aus einer geschlechtssensiblen Perspektive nachspüren.
27. Februar 2026, 15:31
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Gedanken | 01 03 2026
Regisseurin Nicole Scherg
Den stillen Heldinnen des Alltags, diejenigen, die unser aller Leben als Erstes mit uns teilten - während der Geburt - bringt die Regisseurin Nicole Scherg mit ihrem aktuellen Dokumentarfilm Wise Woman die lang verdiente Wertschätzung entgegen. Hierfür hat sie fünf in diesem Feld tätige Frauen aus fünf verschiedenen Kulturkreisen mit der Kamera begleitet. Zwischen Äthiopien und Marokko, Brasilien und Nepal und schließlich auch Österreich, veranschaulicht der Film offen die Strapazen des Gesundheitssystems, mit denen sich Hebammen - ob nah oder fern - täglich konfrontiert sehen. Am 1. März spricht die Filmemacherin Nicole Scherg über Selbstermächtigung der Frauen, einen respektvollen Umgang mit Intimität und dem gesellschaftlichen Stellenwert von Geburt.
Journalistin und Digitalexpertin Ingrid Brodnig
Gewaltdrohungen, digitale Hetzkampagnen, hämische Bildmontagen - was nach den dunklen Rändern des Internets klingt, ist für viele Frauen bitterer Alltag geworden. In ihrem gerade erschienenen Sachbuch Feindbild Frau prangert die Journalistin und Digitalexpertin Ingrid Brodnig Tendenzen an, die Frauen gezielt aus der politischen Öffentlichkeit zu drängen versuchen. „Frauen überlegen es sich zwei Mal, ob sie zu manchen Themen noch öffentlich Stellung beziehen wollen, nachdem sie bedrohliche, beleidigende, sexuell herabwürdigende Kommentare erhalten haben. Diese digitale Gewalt schadet uns allen“, konstatiert die gebürtige Grazerin in den Gedanken am 8. März, dem Internationalen Frauentag.
Kabarettistin Maria Muhar
Zu den rückständigsten Bereichen der Gesellschaft - was Gleichberechtigung angeht - gehört die Kabarettszene, in der Frauen noch immer stark unterrepräsentiert sind. Eine die es sich zum Ziel gesetzt hat die altehrwürdigen Gefilde des heimischen Kabaretts aufzuräumen ist: Maria Muhar. Die Wienerin ist gelernte Köchin und studierte Sprachkünstlerin, schrieb unter anderem Theaterstücke, den Roman Lento Violento und gewann mit ihrem Kabarett-Debüt Storno den Österreichischen Kabarettförderpreis 2023. In ihrem aktuellen, zweiten Kabarettprogramm Mariannengraben thematisiert die 39-Jährige die Folgen des Klimawandels und die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich, die unersättliche Gier der Konzerne und das Abdriften unserer Gesellschaft vom demokratischen Sozialstaat in Richtung Autokratie. Ihre dringlichsten An- und Absichten teilt Maria Muhar mit den Ö1 Hörern und Hörerinnen am 18. März.
Psychotherapeutin Christl Lieben
Apropos. Dem Zuhören hat die Psychotherapeutin Christl Lieben die letzten 50 Jahre ihres beruflichen Lebens gewidmet, im deutschsprachigen Raum gilt sie als Pionierin der Aufstellungsarbeit. Ein wesentlicher Aspekt in ihren Aufstellungen ist die Liebe. „Jeder Mensch, der für die Position der Liebe gewählt wird, hat einen Zugang zur universellen Liebe, wenn er es zulässt“, erklärt die 89-Jährige. „Diese universelle Liebe trägt das ganze Geschehen, urteilsfrei. Sie mischt sich nicht ein. Alles darf sein und ist geborgen in dieser Liebe, ist es auch noch so schrecklich. Über „Liebe frei von Mitgefühl“ und ihre Auseinandersetzung mit dem sogenannten Dunklen erzählt Chrisl Lieben in den Gedanken am 22. März.
Philosophin und Publizistin Natalie Knapp
Eine immer wieder gern zitierte chinesische Verwünschung lautet: „Mögest du in interessanten Zeiten leben!" Wenn sich Dinge verändern, fühlen wir uns oft verunsichert. Denn wir müssen Abschied nehmen von Vertrautem, haben aber noch keine Vorstellung davon, was an seine Stelle treten wird. Am 29. März plädiert die Philosophin und Publizistin Natalie Knapp dafür, Umbruchsituationen oder Schicksalsschläge nicht möglichst schnell hinter sich lassen zu wollen, sondern sie auf eine neue Art wertzuschätzen. „Eine Krise verlangt uns ab, uns von manchen Idealvorstellungen zu verabschieden, aber gleichzeitig ermöglicht sie die Erfahrung, dass wir das Leben auch dann noch gestalten können, wenn unsere schlimmsten Befürchtungen eingetroffen sind. Sie aktiviert unser schöpferisches Potenzial und lässt uns Erfahrungen machen, die uns in ruhigeren Jahren Halt und Richtung geben.“
Gestaltung
- Gerhard Hafner
