AP/YASUSHI KANNO
Radiokolleg | 16 02 2026
Pidgin- und Kreolsprachen (1)
Treffen sich zwei Sprachen, sagt die eine: "Pidgin". So könnte ein Witz beginnen, hinter dem tatsächlich eine Menge an Kolonialismus und Handelsgeschichte steckt. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Herkunftssprachen miteinander kommunizieren müssen, entsteht eine einfache Verkehrssprache. Wird diese Sprache von mehreren Sprecher:innen dann auch weitergegeben, wird sie zu einer Kreolsprache.
2. März 2026, 13:44
Wie entstand Pidgin, wie Kreolsprachen?
Es ist schwer vorstellbar, wie Menschen, die keine gemeinsame Sprache haben, zu einer funktionierenden Kommunikationsbasis finden. Aber: Sprache ist in uns angelegt, wir können gar nicht anders, als sprachlich zusammenzufinden. So entwickelten Menschen in den Kolonien, auf Plantagen oder auf Handelswegen "Pidgin", eine vereinfachte Behelfssprache. Oder, wie "Unserdeutsch" in Papua Neuguinea zeigt, in einer Missionsstation. Dort haben Kinder, häufig aus ihren Familien gerissen, um christlich erzogen zu werden, das Deutsch der Missionare als Kommunikationsbrücke verwendet. Um 1900 entstanden, sprechen heute nur noch weniger als 100 Menschen "Unserdeutsch". Auch heute gibt es noch Pidginsprachen: wenn schnelle Verständigung wichtiger ist als komplexe Grammatik. Wird eine Sprache über Generationen fortgeführt, wird sie zur Kreolsprache.
