GEORG RENOECKL
Ambiente
Rund um den Triglav
Eine Reportage zur mehrtägigen Wanderung in den Julischen Alpen und durch das wildromantische Tal der Soča in Slowenien.
24. März 2026, 15:51
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26 04 2026 | Ambiente
Einmal im Leben sollte jeder Slowene den Triglav bestiegen haben, heißt es. Ob das ungeschriebene Gesetz auch für Sloweninnen gilt, ist unklar, doch der Andrang auf den höchsten Gipfel unseres südöstlichen Nachbarlands ist auch so gewaltig. Genießen lässt sich der zum Nationalsymbol gewordene Berg aber auch ohne die anspruchsvolle Gipfeltour: bei einer Rundwanderung durch die Julischen Alpen, deren König der 1778 zum ersten Mal bestiegene Triglav genannt wird.
Einige Schützengräben können auf dem "Weg des Friedens" besichtigt werden
Die Geschichte der Region ist nicht nur von alpinistischen Großtaten geprägt, wie schon der Anstieg von Kranjska Gora hinauf zum aussichtsreichen Vršič-Pass zeigt: Er führt an einer hölzernen Kapelle vorbei, die russische Kriegsgefangene zum Gedenken an ihre beim Straßenbau gestorbenen Kameraden errichtet haben. Durch den italienischen Angriff auf Österreich-Ungarn war das entlegene Tal der Soča jenseits des Passes zur Frontlinie geworden. Das unter größtem Zeitdruck durchgepeitschte Straßenbauprojekt zur Versorgung der Front forderte Hunderte Menschenleben.
Soča
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Soča-Forelle nicht mehr gefährdet
Die Quelle der unwirklich türkis leuchtenden Soča sorgt für einen märchenhaft-versöhnlichen Abschluss der ersten Etappe. Von Trenta über Bovec nach Kobarid folgt der Weg nun dem ungewöhnlich gefärbten Fluss, der einer eigenen Forellenart den Namen gibt. Ihr Bestand wurde durch die hungrigen Soldaten des Weltkriegs, die mit Handgranaten fischten, stark dezimiert. Später sorgten ausgesetzte Bachforellen beinahe für das Aussterben ihrer marmorierten Verwandten, doch heute gilt die Soča-Forelle nicht mehr als gefährdet. Wer sich selbst wie ein Fisch im Wasser fühlen will, springt unterwegs in eines der vielen von dem Fluss geformten steinernen Becken.
Isonzo - Synonym für das Sterben über einer Million Soldaten
Ein sehenswertes privat geführtes Museum in Kobarid, einst Karfreit bzw. Caporetto genannt, erinnert an den Weltkrieg, der der Landschaft für immer seinen Stempel aufgedrückt hat. Unter ihrem italienischen Namen Isonzo wurde die Soča zum Synonym für das Sterben über einer Million österreichisch-ungarischer und italienischer Soldaten in zwölf Schlachten. Einige erhaltene Schützengräben können heute auf dem "Weg des Friedens" besichtigt werden.
Javorca
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See als beliebter Ausgangspunkt
Bereits 1916 errichteten österreichisch-ungarische Soldaten ein dem Frieden zwischen den Völkern gewidmetes Denkmal: die oberhalb von Tolmin gelegene Heiligengeistkirche von Javorca, ein hölzernes, im farbenfrohen Stil der Wiener Secession gehaltenes Gotteshaus in einem stillen Seitental abseits der Wanderroute. Diese führt zum Bohinjer See weiter, der von einem längst verschwundenen Gletscher gebildet worden ist und einen beliebten Ausgangspunkt für Touren auf den Triglav darstellt. Der gemütlichere Weg führt vom See zur waldreichen Pokljuka-Hochebene, einer bekannten Station des Biathlon-Weltcups.
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Auch Käseliebhaberinnen und -liebhaber kommen hier auf ihre Kosten: Auf der Alm Planina Zajavornik wird würziger slowenischer Bergkäse produziert und auch verkauft. Durch die malerische Pokljuka-Schlucht geht es zurück nach Bled. Ein Sprung in den See und ein Stück der berühmten Bleder Kremšnita dürfen als Abschluss und Krönung der Wanderung durch die Julischen Alpen nicht fehlen.
Gestaltung
- Georg Renöckl
