KI-generiertes Bild: Roboter schiebt einen Aktenwagen in einer Rechtsanwaltskanzlei

KI-GENERIERTES BILD

Matrix

Kollege KI

Eine Rechtsauskunft auf Knopfdruck, visualisierte Baupläne in wenigen Sekunden oder zahlreiche kreative Impulse für die nächste Unterrichtsstunde - Künstliche Intelligenz ist im Berufsleben von LehrerInnen, ArchitektInnen und JuristInnen angekommen.

„Wir arbeiten aktuell mit Harvey “, erzählt Maximilian Breisch, er ist Rechtsanwalt und in einer großen Wiener Kanzlei tätig. Harvey ist nie müde, nie unkonzentriert, er hat nie einen schlechten Tag, er beschwert sich nicht über die Temperatur im Büro und er kann alle Mitarbeiter der Kanzlei gleichzeitig und rund um die Uhr unterstützen. Harvey scheint außerdem auf beinahe jede rechtliche Frage eine plausible Antwort parat zu haben. Während junge Rechtsanwaltsanwärter langwierige Recherchearbeiten erledigen und hohe Stapel von Rechtsakten durchforsten müssen, liefert Harvey Ergebnisse auf Knopfdruck. Harvey ist ein Mitarbeiter wie aus dem Bilderbuch. So perfekt, dass es beinahe unmenschlich wirkt - und das ist er auch. Hinter dem Kollegen, der nach einer der Hauptfiguren einer beliebten US Anwaltsserie benannt ist, steckt eine künstliche Intelligenz, entwickelt von einer US-amerikanischen Softwarefirma.

Wenn der KI-Kollege nun Arbeiten von Einsteigern wie Konzipientinnen und Studenten besser und schneller erledigt, werden diese dann künftig von der Maschine ersetzt? „Die Antwort ist wohl ja“, sagt Maximilian Breisch. Zu effizient arbeite Harvey, erklärt der KI-Rechtsanwalt. Aber es wird auch in Zukunft fachkundige Juristinnen und Juristen brauchen, denn der smarte KI-Assistent kann sich auch irren.

Auch die KI neigt zu Fehlern und halluziniert

Im vergangenen Herbst wies der Oberste Gerichtshof eine mit künstlicher Intelligenz erstellte Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil wegen Suchtgifthandels zurück. Der Grund: die KI erfand bei ihrer Argumentation höchstgerichtliche Entscheidungen und machte beim Zitieren zahlreiche Fehler. Ähnliche Fälle sind auch aus anderen Ländern bekannt. In diesen Beispielen hat die KI „halluziniert“. Das heißt, sie hat Antworten erfunden, statt eine Lücke in ihrem Wissen einzugestehen. Und das kann im Kontext juristischer Verfahren zu fatalen Folgen führen.

„Da ist natürlich Vorsicht geboten“, sagt der Rechtsanwalt Dietmar Bachmann. Er ist auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert und arbeitet mit dem österreichischen KI-Tool AI:ssociate. Ohne Überprüfung könne man die Ergebnisse, die dieses Programm ausspuckt, natürlich nicht übernehmen, sagt er. Doch man habe meistens eine gute rechtliche Grundlage, auf der man weiterarbeiten kann. Das helfe speziell in Rechtsgebieten, mit denen Anwälte nicht täglich konfrontiert sind.

Ausbildung muss sich an Technologie anpassen

Hat man Aktenberge früher an Konzipienten weitergegeben, bearbeitet sie heute eine Künstliche Intelligenz in wenigen Sekunden und spart damit Zeit und Geld. Doch auch wenn sich die Tätigkeiten in Kanzleien aktuell mit KI-Assistenten stark verändern, sei die rechtliche Beratung durch einen Menschen weiterhin wichtig, ist der Rechtsanwalt Maximilian Breisch überzeugt. Der Beruf werde nicht aussterben, aber es könnte in naher Zukunft deutlich weniger Anwälte geben. Außerdem müsse sich die Ausbildung an die Technologie anpassen. Junge Menschen sollten im Studium besser auf die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz vorbereitet werden.

In vielen weiteren Berufen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Künstliche Intelligenz übersetzt Texte, visualisiert Baupläne, programmiert und hilft bei der Vorbereitung auf den Schulunterricht. Matrix schaut sich an, welche Berufe besonders von den aktuellen Entwicklungen betroffen sind und mit welchen Folgen.

Gestaltung:
Julia Gindl und Till Köppel