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Salzburger Festspiele
Karin Bergmann als "Brückenbauerin"
Nachdem das Kuratorium der Salzburger Festspiele am Dienstag überraschend Ex-Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als interimistische Intendantin verkündet hatte, stellte sich die 72-Jährige am Mittwoch erstmals der breiten Öffentlichkeit. Zuvor hatte die deutsche Theatermanagerin erst das Gespräch mit den Mitarbeitenden gesucht. Und auch gegenüber den Medien zeigte sich Bergmann nun offenherzig: "Dass ich hier sitze, ist natürlich eigentlich eine Ungeheuerlichkeit."
8. April 2026, 13:47
Die Anfrage zur Übernahme der interimistischen Leitung in den kommenden zwei Festspieljahren habe sie kalt erwischt. "Das hat mich zunächst in einen unglaublichen Gewissenskonflikt gestürzt. Ich habe mir vorgestellt, hier eines Tages zu sitzen - an der Seite von Markus Hinterhäuser", unterstrich Bergmann und betonte zugleich: "Für mich ist ganz klar, dass ich nicht gegen Markus Hinterhäuser hier sitze, sondern wegen ihm."
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Der Beschluss im Kuratorium war einstimmig. Bergmann wird damit ab sofort zur Interimsintendantin bestellt. Sie werde "bis eine neue Intendantin bzw. ein neuer Intendant eingesetzt ist" agieren. Dem Beschluss gingen laut Aussendung der Festspiele in der Karwoche und über die Osterfeiertage vertrauliche Gespräche voraus.
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"Sie bestreitet damit die Umsetzung des Spiel- und Haushaltsplans der kommenden und der nächsten Festspielsaison", hieß es. Das neu zusammengesetzte Direktorium der Salzburger Festspiele mit Präsidentin Kristina Hammer, dem Kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz und Interimsintendantin Karin Bergmann wird morgen, Mittwoch (11 Uhr), ein Pressegespräch im Salzburger Festspielhaus geben. Die Künstlerische Intendanz und die Funktion des Präsidenten bzw. der Präsidentin sollen in den nächsten Wochen gleichzeitig ausgeschrieben werden.
Schwierige Aufgabe
Allseits wird Bergmann bestmögliche Expertise für die Aufgabe bestätigt. Sie wechselt also vom Traunsee, wo sie seit 2022 bei den Salzkammergut Festwochen Gmunden die Sparte Literatur und Theater aufgewertet hat, an die Salzach. Ruhiges Fahrwasser ist dort in den Jahren, in denen der große Umbau des Festspielbezirks zu bewerkstelligen ist, allerdings nicht zu erwarten.
Karin Bergmann, geboren am 13. Juli 1953 in Recklinghausen, entstammt tatsächlich einer Bergmann-Familie. Sie suchte jedoch früh den Weg an die Bühne. Bereits mit 13 Jahren ging sie regelmäßig ins Theater, sprach mit 15 mutig bei den Ruhrfestspielen vor. Dort legte man ihr erst den Schulabschluss nahe, den sie schließlich im zweiten Bildungsweg nachholte. Am Bochumer Schauspielhaus verpasste sie als leidenschaftliche Theaterbesucherin unter Peter Zadek keine Inszenierung. Und ebendort sollte auch ihr Berufsweg den Ausgang nehmen, als sie 1979 den Job als Direktionsassistentin von Claus Peymann ergatterte.
Die Vorgeschichte
Bergmann hat die Wachablöse in der künstlerischen Leitung des Festivals indirekt ins Rollen gebracht: Nach der frühzeitigen Trennung von der früheren Schauspielchefin Marina Davydova nach nur einem Jahr Ende 2024 hatte das Kuratorium von Hinterhäuser eine transparente Vorgangsweise samt Ausschreibung bei der Neubesetzung verlangt. Auf diese hatten sich 23 Kandidatinnen und Kandidaten beworben. Sechs von ihnen wurden dann zu einem Hearing geladen, fünf erschienen. Unmittelbar nach dem Hearing berichteten Medien, dass Hinterhäuser Bergmann als Favoritin für den Posten bezeichnet haben soll, obwohl sie weder am Auswahlverfahren noch am Hearing teilgenommen hatte.
Das Kuratorium, in dem die Fördergeber Bund, Land und Stadt Salzburg und der Salzburger Tourismusförderungsfonds vertreten sind, reagierte deswegen schwer verärgert. Am 26. März teilte das Kuratorium mit, dass die Salzburger Festspiele und Hinterhäuser aufgrund unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede und Differenzen ab sofort getrennte Wege gehen. Beide Seiten verständigten sich darauf, dass Hinterhäuser bis zum Ende seines Vertrages, das ist der 30. September 2026, beurlaubt ist. Schon davor hatte das Kuratorium fixiert, dass die Ausschreibung der künstlerischen Leitung vorbereitet werden soll.
Text:apa/red., Audios: ORF
