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Donald Trumps Angriffe auf US-Universitäten
Seit Donald Trump wieder Präsident ist, hat sich die Lage an US-Universitäten drastisch verändert: Studierende fürchten Abschiebungen, Wissenschafter verlieren ihre Stellen und wichtige Forschungsprojekte werden gestrichen.
30. April 2026, 10:46
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Hörbilder | 02 05 2026
Kurz nachdem Trump im Januar 2025 vereidigt worden ist, stellt eine rasch formierte Antisemitismus-Taskforce der Regierung Forderungen an Elite-Universitäten wie Columbia und Harvard. Unter anderem verlangt sie, gegen Antisemitismus vorzugehen.
Columbia University
EGON KOCH
Die Vorgeschichte
Am 17. April 2024 stellen Studierende auf dem Columbia-Campus Zelte auf und protestieren mit dem „Gaza-Solidaritätscamp“ gegen den israelischen Einmarsch in das palästinensische Gebiet. Ende April marschieren zum ersten Mal seit den Vietnam-Protesten 1968 Polizisten auf den Campus, verhaften propalästinische Student:innen und räumen das Camp. Der Einsatz der Polizei, sagt der Jus-Professor David Pozen, ist rechtswidrig von der Uni-Leitung angeordnet worden. Er schafft ein Klima des Misstrauens und der Angst.
Die Tatsache, dass auch private Unis wie Columbia oder Harvard Staatsgelder annehmen, benutzt nun die Trump-Regierung, um ihre politischen Programme durchzudrücken. Sie entzieht den Unis Fördermittel. Am 7. März 2025 Columbia 400 Millionen US-Dollar, Harvard rund 2,2 Milliarden Dollar. Landesweit werden insgesamt elf Milliarden Dollar an Universitäten eingefroren. Begründung: Die Universitäten hätten zu wenig zum Schutz von jüdischen Studierenden unternommen.
Forschung nur nach Willen der Regierung
Michael Thaddeus, Mathematik-Professor an der Columbia, sagt, die Regierung will damit erreichen, dass die Diskussion über die Nahost-Politik deutlich weniger kritisch gegenüber dem Staat Israel ausfällt, sie will nicht, dass an der Uni über die Vielfalt der Geschlechter oder die Ungleichheit bei der Herkunft gelehrt wird, Klimawandel, Impfstoffe oder Epidemiologie nur so erforscht werden, wie es ihr passt.
EGON KOCH
Umbau der Universitäten
Die Kürzungen haben Folgen: Harvard muss etwa die Zahl der Doktorand:innen reduzieren, um etwa 50 bis 75 Prozent, in der Fakultät für Geistes- und Naturwissenschaften. Damit nicht genug, die MAGA-Bewegung von Trump verändert die liberalen Universitäten mit ihren bisherigen DEI-Programmen - DEI steht für Diversity, Equity and Inclusion - Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion - hin zu solchen mit konservativeren bis rechten Ausrichtungen.
Mitte 2025 trifft Columbia ein Abkommen mit der US-Regierung und setzt die geforderten internen Reformen um. Unter anderem werden 36 Sicherheitsbeamte eingestellt, die befugt sind, Menschen festzunehmen. Student:innen und Professor:innen sprechen offen von Kapitulation.
Harvard University
EGON KOCH
Harvard klagt
Im Gegensatz zu Columbia klagt Harvard gegen die Kürzungen der Fördermittel und bekommt recht. Die zurückgehaltenen Milliarden fließen wieder. Ein Professor für Computerbiologie beklagt dennoch, die Kürzungen hätten Wissenschaft und Forschung in den USA einen langfristigen Schaden zugefügt.
Auch die akademische Freiheit ist beschädigt. Die Professoren müssen vorsichtig sein, was sie lehren, um nicht in den Verdacht zu geraten, antisemitisch zu sein, was zur Suspendierung führen könnte. Eine Professorin der George-Mason-Universität wiederum lässt sich selbst von Morddrohungen nicht abschrecken und lehrt weiter, was der rechten Organisation Turning Point USA ein Dorn im Auge ist.
Text: Egon Koch
