Intermezzo - Künstlerinnen und Künstler im Gespräch
"Sieben Fehler sind im Bild!": Thomas Demand
Der Konzeptkünstler Thomas Demand zu Gast bei Christine Scheucher
31. Mai 2026, 11:50
Er baut Tatort- oder Pressefotografien aus Pappe und Papier im Originalmaßstab nach und achtet dabei auf jedes noch so kleine Detail, um diese Modelle hernach zu fotografieren - darunter Modelle des Oval Office, der ehemalige Stasi Zentrale in Berlin, oder der Kontrollraum des Atomkraftwerks in Fukushima. Mit diesem eigenwilligen Verfahren entdeckte der deutsche Künstler Thomas Demand terra incognita und er machte sich am internationalen Kunstparkett einen Namen. Im Museum für Angewandte Kunst beschreitet der Künstler nun andere Pfade. "Räume, die von gestern träumen" heißt eine Schau, in der Demand Modelle historischer Theaterkulissen fotografisch erkundet. Eine Grotte, ein dichter Wald, ein Felsvorsprung, Entwürfe von sagenhaften Palästen, die niemals gebaut wurden, Königreiche, die nie existierten. Es sind imaginäre Welten, die Thomas Demand in seiner aktuellen Werkserie erkundet. Von Wagners "Tannhäuser" bis zu vergessenen Opern aus dem Barock - Thomas Demand spannt ein großes historisches Panorama auf und setzt Bühnenbilder ins Bild, die zwischen 1751 und 1900 entworfen wurden.
Von jeher interessierte sich Thomas Demand in seiner künstlerischen Praxis für Modelle, die die Schauplätze bekannter Pressefotografien ins Dreidimensionale übersetzen. Diese Modelle sind nicht für die Ewigkeit geschaffen und werden, nachdem sie der Künstler fotografiert, zerstört. Aus praktischen Gründen, wie Demand betont, sein Studio biete nicht genug Platz, um die Attrappen für die Ewigkeit aufzubewahren. Thomas Demand zeigt das Abbild eines Abbildes eines Abbilds und schafft Fotografien mit analytischer Tiefenschärfe, die sich mit der viel zitierten Macht der Bilder auseinandersetzen: Können Bilder Wirklichkeit erfassen und welche Möglichkeiten der Manipulation gibt es? Es sind Fragen, die Thomas Demand im vordigitalen Zeitalter aufgeworfen hat. In einer Welt, in der digitale Räume von automatisch generierter KI-Bilder geflutet werden, müssen diese freilich neu ausverhandelt werden.
