ISABELLE FERREIRA
Ö1 Talentebörse
Ágatha Lima, Komposition
Ágatha Lima studierte Komposition im Bachelor am Centro Superior Katarina Gurska (Madrid) und im Master an der Universidade Federal do Rio de Janeiro. Für ein Austauschjahr verschlug es Lima an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
26. August 2026, 07:55
Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt
Für mich steht keine Kulturform über einer anderen, als Künstlerin kann ich von allem lernen. Ich verbringe gerne Zeit in der Natur, gehe Bogenschießen oder sticke mein nächstes Motiv, aber mein eigentliches Zuhause ist am Klavier und vor dem Computer, wo ich komponiere.
Geboren: 1998 in Petrópolis, Brasilien
Studien: MA Komposition, Centro Superior Katarina Gurska; BA Komposition, Universidade Federal do Rio de Janeiro, Austauschjahr an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Mein größter Erfolg: Mein größter Erfolg war, dass heuer ein Stück von mir am Petersplatz vor vielen Menschen gespielt wurde und ich eine interaktive Jam-Session im Wiener Konzerthaus organisieren und moderieren durfte. Ich bin derzeit auch Finalistin bei einem Kompositionswettbewerb des Brasilianischen Symphonieorchesters – nächstes Jahr wird dieses Orchester mein Stück aufführen.
Was ist Kunst?
Kunst ist für mich das, was nicht mehr in den Menschen hineinpasst und in die Welt überfließt.
Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?
Müssen. Auch wenn man sich trotz künstlerischem Interesse und Begabung für einen anderen beruflichen Weg entscheidet, findet die Kunst immer einen Weg, Raum im Leben einzunehmen – man kann sich der Kunst als Künstler:in nicht entziehen.
Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Als ich acht Jahre alt war, mussten meine Eltern an den Wochenenden arbeiten, deshalb wurde ich oft von meinen Großtanten betreut. Sie spielten zwar kein Instrument, liebten aber Musik. Eines Tages haben sie eine CD mit klassischer Musik gehört, die mit „Frühlingsstimmen" von Johann Strauss II begann. Das war meine erste Begegnung mit Orchestermusik, und irgendetwas hat sich in mir verändert. Von da an war meine Lieblingsbeschäftigung, mit meiner kleinen Schwester, die heute Geigerin ist, Walzer zu tanzen und mit zwei Kleiderbügeln „Geige” zu spielen.
Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?
Zeit, Ruhe, aber auch vielfältige Impulse aus unterschiedlichen Erfahrungen, Begegnungen und Kontakt zu diversen Musikrichtungen.
Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?
Anzufangen. Ideen fallen manchmal vom Himmel, doch das reale Leben mit all seinen Begrenzungen lässt nur wenige von ihnen wachsen und Gestalt annehmen.
Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?
Ein fernes Pulsieren, das nie ganz verstummt.
Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?
Im Wiener Musikverein, mit einem großen Orchester auf der Bühne und einer brasilianischen Percussion-Gruppe auf der Chortribüne, die zusammen ein Stück von mir spielen.
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?
Ich bewundere viele Musiker:innen und freue mich immer auf gute Kooperationen, aber ich glaube, am glücklichsten würde es mich machen, mit Kindern in schwierigen Lebenssituationen zu arbeiten, besonders in meiner Heimatstadt Rio de Janeiro.
Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?
Es wäre wohl etwas anmaßend zu sagen, was andere in meiner Musik fühlen sollen. Aber ich hoffe, dass sie meine verschiedenen Einflüsse und Ideen heraushören und sich von meiner Musik in irgendeiner Form angesprochen fühlen.
Ein Risiko, das ich mir nicht erlaube, ist…
...mutlos sein.
Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Am vergangenen Wochenende, als ich in einen eiskalten Gebirgsbach in den Kalkalpen gesprungen bin. Etwas kühler als in Copacabana!
Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?
Über das „Bist du Deppert!" von Daniel Warmuth beim 3:3 Österreich gegen Algerien.
