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Moment
Ab ins Getümmel
Eine "Moment"-Themenwoche zum Thema Party.
10. Juni 2026, 12:43
Zu den Sendungen
15 06 2026 | Ü-60-Party im U4
16 06 2026 | Schlager - die neue alte Partydroge der Jungen
17 06 | Techno über 50
18 06 | Wo die Landjugend Party macht
19 06 | Das Katerfrühstück
Na servas, das kann was werden: Das "Moment"-Team feiert Ende Juni eine Woche lang durch. Andrea Hauer besucht zur Kinderdisco-Uhrzeit (17.00 bis 22.00 Uhr) eine Ü60-Party im legendären Wiener U4, und der Autor dieser Zeilen trifft Menschen, die seit den 1990er Jahren in Clubs und auf Technoevents unterwegs sind - also die 50 oft schon überschritten haben. Noel Kriznik geht der Frage nach, warum Schlagerpartys bei der Gen Z ein Ding sind, und Johanna Steiner schaut sich an, wo und wie junge Menschen auf dem Land heute feiern - denn da hat sich einiges verändert. Am Ende kümmert sich Lukas Tremetsberger um alle Beteiligten und bereitet im "Moment Kulinarium" das Katerfrühstück zu.
Wir wissen noch nicht, was uns erwartet, haben aber einige Vorannahmen, die es zu überprüfen gilt. Eine steile These lautet: Das, was Boomer und Gen X unter "Fortgehen" verstanden haben, vermittelt sich den Jüngeren nicht mehr - schon gar nicht auf dem Land. Boomer-Style: Vorglühen im Stammbeisl, dann weiter in die Disco. Gen-X-Style: Vorglühen in der Bar, dann weiter in den Club. Von den rund 1.400 Nachtgastronomiebetrieben im ländlichen Österreich steht heuer ein Viertel vor dem Aus. Bis 2030 könnte die Hälfte verschwunden sein. Eine legendäre Dorfdisco nach der anderen sperrt zu. In manchen haben drei Generationen einer Familie getschechert, geflirtet und getanzt.
"Klub 66" im U4
CONNY DE BEAUCLAIR
Discos am Land sperren zu
Für die Flaute werden viele Gründe genannt. Junge Menschen trinken weniger Alkohol, achten stärker auf ihren Körper und legen mehr Wert auf einen respektvollen Umgang miteinander. Komasaufen steigert weder das Wohlbefinden noch die Achtsamkeit. Außerdem: Durch die Coronapandemie wurde die informelle "Staffelübergabe" von Teenagergeneration zu Teenagergeneration empfindlich gestört. Und auch das klassische Treffen im Stammlokal, um überhaupt einmal zusammenzukommen und den weiteren Abend zu planen, braucht es nicht mehr - man ist ohnehin permanent über das Smartphone verbunden.
Hinzu kommt: In der Dorfdisco und im Club hat sich jahrzehntelang jedes Wochenende das Gleiche abgespielt. Es sah auch immer alles gleich aus - und wer will schon jedes Wochenende das gleiche Fortgeh-Selfie posten? Da sieht man auf Social Media so viel coolere Partys. Manche der Discos versuchen, sich dementsprechend neu zu erfinden.
Ältere schütteln den Kopf
Davon profitieren unter anderem Dorfjugendvereine, Großveranstaltungen und Zeltfeste. Dort trifft man viele der Jungen. Gleichzeitig wird angesichts steigender Eintritts- und Getränkepreise häufiger zu Hause gefeiert. Ob der Partykeller ein Comeback erlebt oder eher die Partygarage, bleibt abzuwarten. Auffällig ist jedenfalls: Schlager gehören für viele Junge wieder selbstverständlich dazu. Über Plattformen wie TikTok gehen einzelne Passagen und Songs viral und werden zu Streaming-Hits. Ein Beispiel ist der neue Höhenflug von DJ Ötzi mit seiner zehn Jahre alten inoffiziellen Tirol-Hymne. Und es wächst bereits eine junge Generation an "Ötzis" nach.
Früher verstanden die Älteren die Jungen nicht, weil diese ausgingen und wilde Musik hörten. Heute schütteln viele Ältere den Kopf, weil die Jungen weniger ausgehen - und stattdessen Schlager hören. Während sie selbst feiern, als gäbe es kein Morgen. Dabei lassen sich zwei Typen unterscheiden: jene, die Ü-irgendwas-Partys besuchen. Viele von ihnen waren seit ihrer Jugend kaum mehr auf der Piste, sind mit Beruf und Familie ruhiger geworden und gönnen sich nun - vielleicht ein letztes Mal - einen Nostalgie-Flash. U4-Türsteher Conny de Beauclair formulierte es gegenüber Andrea Hauer so: Sie "wollen einfach noch nicht so alt sein, wie sie eigentlich schon sind".
Damals und heute vereint
Und dann gibt es die anderen. Für sie war elektronische Musik nie bloß Jugendkultur, sondern immer Teil ihrer Identität. Warum sollten sie diese mit Ende zwanzig an der Garderobe abgeben? Auch bei der Blasmusik fragt schließlich niemand, ob ein 50-Jähriger zu alt für die Tuba ist. Zur elektronischen Musik gehören Rituale und Orte - die Clubs. Und es gibt sie: Locations, die bewusst DJs und Publikum von damals und von heute zusammenbringen. Die Generationen begegnen einander. Wie gesagt: Das kann was werden.
Gestaltung
- Simon Hadler
