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Betrifft: Geschichte
Die Arena-Besetzung 1976
Aufbruch und Umbruch
2. Juni 2026, 12:20
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22. - 26.6.2026, 15.55 Uhr
Betrifft: Geschichte
Die Arena-Besetzung 1976
In den 1970er Jahren war Wien für junge Menschen eine Ödnis auf der sogenannten Insel der Seligen - Österreich. Die Vergangenheit und der Zweite Weltkrieg waren omnipräsent: Immer noch gab es in der Stadt Bombenschäden, Abbruchhäuser und daneben rasch hochgezogene Neubauten aus den Fünfzigerjahren: schmucklos, trostlos und hellhörig im Inneren. Einmal laut Musik hören? Aussichtslos. Einmal in ein Rockkonzert gehen? Hoffnungslos.
In den Schulen unterrichteten teilweise aus der NS-Zeit vorbelastete Lehrkörper, Freiräume gab es kaum. Doch es kam Bewegung in die Stadt:
Die Wiener Festwochen führten 1970 eine Veranstaltungsreihe namens 'Arena' für junge Menschen ein.
Neben dem Messepalast wurde auch der aufgelassene Auslandsschlachthof im Stadtteil St. Marx als Ort für Konzerte und Theater bespielt. Und ebendort, damals an der Peripherie Wiens, kam es am 27. Juni 1976 zur ersten Hausbesetzung Österreichs.
Arena 1976: Zwei Aktivistinnen mit Hund im ehemaligen Auslandsschlachthof St. Marx.
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Eine utopische Stadt in der Stadt entstand
Nach einem Konzert der Band Misthaufen blieb das Publikum auf dem Gelände. Verstärkt wurden die jungen Leute von der Politrockband Die Schmetterlinge und ihren Anhänger:innen, die nach einer "Anti-Abbruch-Demo" auf dem Naschmarkt ebenfalls auf das Gelände kamen, um zu bleiben. Es begann ein Sommer der Freiheit und Zukunftshoffnung, ein Sommer der Feste, Gratiskonzerte und Theateraufführungen. Künstlerinnen und Künstler richteten Ateliers und Proberäume ein, es gab Ausstellungen und Lesungen. In der Arena entstand eine utopische Stadt in der Stadt mit Veranstaltungsbüro und dem Büro für die Selbstverwaltung.
Willi Resetarits, damaliger Arena-Besetzer
ORF
Neben den Räumen für Kunst und Kultur gab es eine Küche, Schlafräume, das Café Saustall ...
... (tatsächlich im aufgelassenen Schweinestall des ehemaligen Schlachthofs), für das die Besetzerinnen und Besetzer Kuchen beisteuerten. Und es gab das Kinderhaus - ein Kindergarten und Hort für die Kinder der Besetzerinnen und Besetzer. Bald aber hatten die Intellektuellen und Künstler:innen Zulauf aus den Randgruppen der Stadt: Kleine Ausbrecherinnen aus den Kinderheimen der Stadt Wien suchten hier Unterschlupf, Obdachlose, Junkies und Sozialfälle mischten sich unter die Besetzer:innen.
Arena 1976: Die damalige Wiener Vizebürgermeisterin Gertrude Fröhlich-Sandner im Kreise diskutierender Besetzer und Besetzerinnen im ehemaligen Auslandsschlachthof St. Marx.
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Im Oktober begann der Abriss
Täglich fand ein Plenum statt - und die Debatten und Endlosdiskussionen zerrten an den Nerven der Besetzer. Außerdem musste man neben den Mühen des Zusammenlebens auch eine Einigung mit der Stadt finden, die das Gelände abreißen wollte. Gefordert wurde ein selbstverwaltetes Kultur- und Veranstaltungszentrum für die Jugend.
Die Utopie platzte, als es Herbst wurde, die Stadt Wien einen Abbruchbescheid erließ und die Reihen der Besetzer:innen immer dünner wurden. Schließlich drehte die Stadt den Strom ab, es wurde kalt und unwirtlich. Am 11. Oktober 1976 verließen die letzten Menschen den Auslandsschlachthof, am 12. Oktober begann der Abriss.
15. Oktober 1976: Abbruch der ehemaligen Hallen des Auslandsschlachthof in St. Marx.
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Der Inlandschlachthof blieb
Doch es war nicht alles verloren: Die Stadt Wien stellte den Aktivisten und Aktivistinnen den kleineren Inlandsschlachthof zur Verfügung. Die Arena, eine Konzertlocation, gibt es bis heute. Von ihren Erinnerungen an den Sommer der Arena-Besetzung erzählen die Musikerin Beatrix Neundlinger, damals Mitglied der Schmetterlinge, der Schriftsteller Robert Menasse, die Galeristin Christine König, der Herausgeber und ehemalige Chefredakteur der Stadtzeitung "Falter", Armin Thurnher, und der Psychotherapeut und ehemalige Obmann des selbstverwalteten Jugendzentrums Kursalon in Mödling, Markus Hochgerner.
Gestaltung
- Sabine Niokolay
