Bild: Thomas Stelzer mit Kuchen: Googlhupf

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Punkt eins

Rechenzentren: Schluckbeschwerden beim "Googlhupf"

Der weltweite Wettlauf um KI-Rechenleistung. Gäste: Harald Müllner, Gründungsmitglied "BürgerInneninitiative Rechenzentrum Kronstorf" & Univ. Prof. Dr. Ivona Brandic, Head of the Research Unit for Computational Sustainability, Institute of Computer Engineering, TU Wien. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) servierte im April lächelnd einen "Googlhupf" zum Spatenstich für das 50 Hektar-Rechenzentrum des US-Tech-Riesen in der Gemeinde Kronstorf. Doch nicht alle mochten sich wie Stelzer freuen, dass wieder einmal unwiederbringlich wertvolle Ackerflächen versiegelt waren, dass Strom und Flusswasser in hohem Maße verbraucht werden, um die nötige Rechenleistung und Kühlung für KI-Anwendungen generieren.

Wenn Kronstorf in Betrieb geht, wird es das größte Rechenzentrum Österreichs sein - vorerst. Denn weitere Rechenzentren sind in Planung: Darunter eines in Leopoldsdorf (NÖ), dessen Betreiber, die US-Firma Cloud HQ, Rechenleistung vermieten wird. Baustart 2027, ebenfalls auf der grünen Wiese.

Harald Müllner, Gründungsmitglied seiner "BürgerInneninitiative Rechenzentrum Kronstorf", gehört zu denen, die sich über den "Googlhupf" nicht recht freuen. Müllner ärgert, dass sich die Landespolitik mit Informationen zu dem Google-Projekt oft bedeckt hält. Es sei nichts aus- oder abgesprochen worden, sondern es werde abgehandelt, veröffentlicht und durchgezogen, so Müllner im Interview mit ORF OÖ.

Der Wasserverbrauch, der Stromverbrauch und auch die höheren Umgebungstemperaturen - all das sei zu hinterfragen. Und vor allem, warum für das Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig ist.

"Wir können nicht mehr europäische Souveränität bei KI fordern und gleichzeitig jene Infrastruktur durch immer neue Hürden ausbremsen, auf der sie beruht", entgegnet Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Die Auswirkungen dieser Projekte würden zudem bereits heute im Raumordnungs-, Bau-, Betriebsanlagen- und gegebenenfalls Wasserrecht geprüft werden.

Gleichviel: Trotz lockender Investitionen und Versprechungen von wirtschaftlicher Standort-Belebung, mit denen die Vertreter der Tech-Giganten bei Lokal- und Regionalpolitikern vorsprechen - nicht immer geht alles so glatt wie in Kronstorf und Leopoldsdorf, wo alle Fraktionen einstimmig ihr Plazet für die Bauprojekte gegeben haben.

"In den Niederlanden haben Anrainerinnen und Anrainer gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten ein geplantes Meta-Großrechenzentrum in Zeewolde verhindert", schreibt Hanna Braun vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac im "Standard": "In der spanischen Region Aragón kämpft die Initiative "Tu Nube Seca Mi Rio" ("Deine Cloud trocknet meinen Fluss aus") gegen Amazon-Rechenzentren, die bis zu 70 Prozent des regionalen Stromverbrauchs verschlingen könnten. Die Kritik ist überall ähnlich: Die Konzerne eignen sich Land, Wasser und Netzkapazität an und treiben die Energiepreise nach oben, während die Gewinne größtenteils in die USA fließen; die lokalen Gemeinden bleiben mit Lärm und ausgetrockneten Böden zurück."

Weil bei all diesen Projekten doch wieder die üblichen dominierenden US-Firmen Daten verarbeiten, investieren EU und Mitgliedsländer nun zweistellige Milliardenbeträge in bis zu sieben so genannte AI-Gigafactories, die europaweit aus dem Boden gestampft werden, damit die Alte Welt im Wettlauf um KI und Rechenleistung nicht zurückfällt - und die Datenhoheit vollends aus den Händen gibt.

Alexander Musik spricht mit dem Gründungsmitglied der "BürgerInneninitiative Rechenzentrum Kronstorf" Harald Müllner und Univ. Prof. Dr. Ivona Brandic, sie ist Leiterin der Forschungsgruppe für Computational Sustainability bei der TU Wien.

Wie immer sind Sie eingeladen, sich an der Sendung zu beteiligen. Kostenlos aus ganz Österreich können Sie uns unter 0800 22 69 79 erreichen; oder Sie schreiben uns ein Mail an punkteins(at)orf.at

Nutzen Sie KI-Anwendungen wie ChatGPT oder verzichten Sie darauf im Wissen, wie ressourcenintensiv jede KI-Anfrage ist? Sind hoher Bodenverbrauch, Infrastruktur-Ausbau und Flusswasserentnahme gerechtfertigt, um in Europa US-Rechenzentren zu betreiben? Brauchen wir eine globale Atempause im Wettlauf um immer mehr KI-Rechenleistung?

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Gestaltung

  • Alexander Musik