Tonspuren
Booker-Preisträger David Szalay im Porträt
Sicherheit ist eine Illusion, die es zu brechen gilt. "There is this profound randomness to life", sagt der Autor David Szalay, dem Leben wohne eine tiefgreifende Willkür inne. Diese Einsicht hat biografisches Unterfutter.
22. September 2026, 16:05
Der Vater floh aus dem kommunistischen Ungarn nach Kanada, von dort zog er mit Frau und kleinem Sohn nach Beirut. Als der Bürgerkrieg ausbrach, übersiedelten sie nach London, wo Szalay auf Privatschulen und schließlich nach Oxford ging. Randomness of life, indeed. Und damit ist nur ein Teil erzählt.
Bei David Szalay befinden sich die Menschen, meist Männer, in Krisen, an Wende- oder Tiefpunkten. Katastrophen brechen lautlos herein, manchmal auch ohrenbetäubend laut. Seinen ersten Roman veröffentlichte er mit Mitte dreißig; darin verarbeitete er seine deprimierenden Jahre als Telefonverkäufer. Dass es zu diesem Roman kam, ist eine weitere willkürliche Geschichte. Szalays Figuren suchen in all dem Sinn und Halt, sie wollen Macht, Sex, Liebe. Sie sind eingezwängt zwischen Ländern, Klassen und Ängsten, durchgebeutelt von Zufällen, die im Nachhinein das Prädikat Schicksal erhalten.
"Es geht nicht primär um Männlichkeit", sagt Szalay. Ein Satz wie ein Mantra. Seit er 2025 den Booker Preis gewann, wiederholt er ihn oft. "Flesh" - auf Deutsch "Was nicht gesagt werden kann" - wartet mit einem der schweigsamsten und auf den ersten Blick stereotypsten Protagonisten der Gegenwartsliteratur auf. Eine riskante Wette, das wusste er. Inwieweit ist dieser István der primitive Macho, als der er im Roman geschimpft wird, fragte ihn Popstar Dua Lipa. Darauf hat David Szalay nach wie vor keine einfache Antwort. Wer seine Bücher liest, muss Stille aushalten, das Ausbleiben der moralischen Wertungen, die Ambiguitäten der Menschen - Männer - des 21. Jahrhunderts.
Ein Besuch bei dem Schriftsteller David Szalay in Wien.
Risiken aller Art
Das lange Spiel des Schriftstellers David Szalay
Feature von Antonia Löffler
Mit Lilith Häßle, Till Firit und Rafael Schuchter
Ton: Fridolin Stolz
Redaktion: Claudia Gschweitl
Service
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"Was nicht gesagt werden kann", Claasen Verlag
"Was ein Mann ist", "Turbulenzen" Hanser Verlag. Übersetzungen: Henning Ahrens
Sendereihe
Gestaltung
- Antonia Löffler
