Carmen Pomet Talentebörse

CLARA WILDBERGER

Ö1 Talentebörse

Carmen Pomet, Computermusik & Klangkunst

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Carmen Pomet studiert Computermusik und Klangkunst an der Kunstuniversität Graz.

Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt

Ich versuche, unsichtbare Prozesse hörbar zu machen und Räume nicht als Bühnen, sondern als Mitspieler zu behandeln.

Was ist Kunst?

Wir nehmen die Welt durch den Körper wahr und Kunst arbeitet genau da: sie schärft die Sinne, lässt uns Zeit anders erleben und macht uns bewusster für den Raum in dem wir uns befinden. Kunst bietet eine Alternative zum Gewohnten. Sie hilft uns, das in Frage zu stellen, was wir für selbstverständlich halten und andere Welten, andere Beziehungen, andere Klänge zu imaginieren.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Kunst kommt bei mir aus allen dreien. Ich kann sie machen, weil ich es gelernt habe. Ich will es, weil etwas in mir nach diesem Ausdruck verlangt. Und ich muss es, weil mich etwas zwingt, innezuhalten: bei einem Klang, einem Bild, einer Erinnerung und es neu zu erschaffen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich war 3 als ich begonnen habe, Musik zu lernen und habe seitdem nie damit aufgehört. Mit 15 wollte ich nur noch Gedichte schreiben und Lieder singen und mit 17 habe ich in einer Band gespielt. Nach und nach habe ich mich immer wieder neu definiert. Ich komme außerdem aus einer Künstlerfamilie (mein Onkel ist der Maler Paco Pomet).

Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?

In einem kreativ anregenden Umfeld zu sein, bzw. Konzerte, Museen, Festivals, Bücher, Netzwerke, Workshops, … zu besuchen und im Austausch mit anderen Künstler*innen zu stehen, …

Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?

Ein Projekt zu beginnen fällt mir leichter, weil es zunächst ein fast unbewusster Prozess ist: eine Idee taucht auf, die ich umsetzen möchte. Der Abschluss ist schwieriger, denn dann treffen die Vorstellung und die Realität aufeinander (der Raum, die Akustik und der Nachhall, die Anzahl der Zuschauer*innen, die zur Verfügung stehende Zeit, ...). Das Ende eines Projekts ist immer eine Verhandlung zwischen Idee und Kontext.

Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?

Schwer zu beantworten. Meine Arbeit lebt von vielen Klängen: dem langsamen Aufbau eines akustischen Feedbacks, elektromagnetischem Rauschen, atmenden Körpern, live-codierten Rhythmen. Vielleicht: ein Klang, der ständig im Werden ist.

Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?

An Orten, die selbst eine Stimme haben: spezifische Architekturen, ungewöhnliche Räume, Orte mit eigener Geschichte. Räume, die nicht nur Bühne sind, sondern Mitgestalter.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Mit Florentina Holzinger oder mit Cassils (beide bringen den Körper an seine Grenzen und machen daraus Kunstformen, die gesellschaftliche Normen herausfordern)

Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?

Ein Gefühl für den Raum, in dem man sich befindet. Lust auf Beteiligung statt passives Betrachten. Neugier, Reflexion, eine neue Perspektive auf die Realität und körperliche Reaktionen.

Ein Risiko, das ich mir nicht erlaube, ist…

... reine Fixed-Media-Stücke ohne weiteren Hintergrund oder Werke, die nur auf Kontemplation, also ein passives Zuhören, zielen. Meine Arbeiten haben immer einen konzeptuellen Unterbau.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

In den letzten Monaten habe ich zum ersten Mal die Nähe des Todes erlebt, weil mein Hund sehr krank war (er lebt zum Glück noch). Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich mit Trauer und Verlust auseinandersetze, aber er ist der Einzige, der mich seit 9 Jahren überall begleitet und immer geblieben ist.

Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?

Beim Festival am ZKM, mit meinen Freund:innen und Kommiliton:innen aus Graz und Köln, über die Art von Sachen über die man eben nachts lacht.

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