Christian Azzouni Talentebörse

ORF/MARIE SPATZEK

Ö1 Talentebörse

Christian Azzouni, Kontextuelle Malerei

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Christian Azzouni hat kürzlich seinen Master in Visueller Kommunikation an der Kunstuniversität Linz abgeschlossen und studiert Kunst & Bild | Kontext an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt

Frech, aber nett. Kritisch, jedoch aus meiner Sicht gerechtfertigt. Obsessiv und vielleicht manchmal rebellisch.

Was ist Kunst?

Kunst kann alles sein, es muss aber gemacht werden. Sprich Kunst kommt vom Tun und Machen. Dabei rede ich nicht nur von physischer Bewegung, sondern auch von geistiger.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Was man nicht kann, kann man lernen. Müssen sollte man nichts. Und Kunst sollte man wollen, sonst wird man eher unglücklich damit.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Es war ein natürlicher Prozess würde ich sagen. Meine Mutter hat schon immer gemalt, somit war die Malerei immer in sehr greifbarer Nähe, selbst wenn ich als Kind nicht wirklich viel gemalt habe. Zum Zeichnen habe ich eher spät begonnen, ca. mit 16, die gleiche Zeit, in der ich mir eine Kamera durch einen Sommerjob gekauft habe und damit begann zu arbeiten. Meine Familie und ich hatten aber keine Ahnung von künstlerischer Ausbildung, Portfolios, Institutionen, etc. Daher habe ich ein Jahr nach der Matura Medientechnik studiert, so wie ich damals dachte, um das mediale Handwerk zu erlernen, wurde jedoch schnell unglücklich. Allerdings nutzte ich die Ressourcen, um ein Portfolio für die Bewerbungen an der Kunstuni Linz zusammenzustellen. Die Kombination aus Grafikdesign & Fotografie führten mich schließlich dorthin. Während meines Erasmus Semesters in Hasselt in Belgien, habe ich ursprünglich Illustration studiert. Als ich das Malereiatelier dort gesehen habe, bin ich so schnell wie möglich zu den Professor:innen gerannt, verschwitzt mit Zeichnungen, die ich dort gemacht habe und habe sie um einen Platz gebeten. Glücklicherweise nahmen sie mich in der Malereiklasse auf, was mir half für den darauffolgenden Entschluss, künstlerisch arbeiten zu wollen.

Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?

Ruhe, manchmal aber auch Druck. Es kommt darauf an. Während dem Druck jedenfalls auch Ruhe. Auch wenn Deadlines näher rücken, brauche ich die erste Stunde im leeren Atelier.

Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?

Das Beginnen fällt mir deutlich leichter. Ich glaube, das liegt daran, dass am Anfang noch alles offen ist. Man darf sich irren, muss experimentieren und ausprobieren, weil noch keine Entscheidung gefallen ist. Beim Abschließen muss man sich darauf einlassen und das ist für mich unbequemer, aber dennoch ein wertvoller Prozess.

Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?

Etwas gezogenes auf glatter Oberfläche. Streif den Finger über ein glattes Hardcoverbuch und hör genau hin. Verdünne den Sound mit einer Flüssigkeit und schon hat man das Geräusch.

Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?

Der öffentliche Raum interessiert mich derzeit sehr. Im Frühjahr dieses Jahres war ich in Barcelona für die Phd Defensio von meinem Freund Thomas Stempka. In seiner Arbeit „Trouble Making, Place Making – Dissident Bodies, Deviant Acts & the Queer Art of Undefining Urbanism“ reflektierte er über seine Existenz in einem urbanen Umfeld aus einer queeren Perspektive. Das hat für mich die Frage geweckt, inwiefern der urbane Raum auch für mich queer gedacht werden könnte und was es dafür benötigt. Tom hat sehr viel über „undefining“ gesprochen, wobei ich das „redefinieren“ mehr hervorheben würde. Dabei würde ich magnetische Oberflächen suchen und diese mit bemaltem Fotopapier temporär umstrukturieren, um Platz für Queerness in der Öffentlichkeit zu schaffen.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Mit meinem Partner und Soundkünstler Thomas Grimm. Wir überlegen derzeit noch, wie wir uns das genau vorstellen. Bisher haben wir kleine Arbeiten gemeinsam gemacht, wie z.B. die Soundarbeit „and then you find me laying among the fossils“. Was wir aber nun konkret gemeinsam machen wollen, wissen wir beide noch nicht. Dennoch finde ich mit den unterschiedlichen Hintergründen von uns beiden und der Inklusion unserer Beziehung, dass etwas für uns Reizvolles entstehen könnte.

Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?

Genau das möchte ich nicht festlegen. Mir ist wichtig, dass man Situationen und Gegebenheiten hinterfragt, das Gleiche wünsche ich mir von den Betrachter:innen die meine Bilder wahrnehmen: meine Kunst zu hinterfragen. Was dabei ausgelöst wird, entscheiden dann andere Parameter wie die eigene Grundstimmung, die Tagesverfassung, der Raum und Zeitpunkt.

Ein Risiko, das ich mir erlaube, ist…

Ich glaube, das größte Risiko bisher bin ich derzeit schon eingegangen, mit der Entscheidung für ein Kunststudium und der Arbeit einer selbstständigen künstlerischen Tätigkeit. Heutzutage Kunst zu machen ohne große Ressourcen als Backup, stellt bereits ein großes Risiko dar.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Ich habe noch nie gestickt, daher habe ich meine Mutter letzten Herbst gefragt, ob sie mir das zeigen könnte. Wir haben dann zum ersten Mal gemeinsam auf Fotopapier Formen gestickt, angelehnt an palästinensische Stickmustern. Außerdem habe ich letzte Woche ein Bild aus drei Bahnen fertig gemacht, was für mich bezüglich Größe und Dimension eine Neuheit ist.

Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?

Über ein Meme, welches ein Buchcover von J.J. (Unbekannter Autor) mit Titel: „How to talk to your dog about homosexuality and communism“ zeigt.

Übersicht

Ö1 Talentebörse