Paula Mudri Talentebörse

PAULA MUDRI

Ö1 Talentebörse

Paula Mudri, Ortsbezogene Kunst

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Paula Mudri studiert Ortsbezogene Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt

Ständig müde, aber nett.

Was ist Kunst?

Je nach Tag und Verfassung würde ich die Frage anderes beantworten. Heute an einem ruhigen Sonntagmorgen bietet Kunst für mich die Möglichkeit, sich mit seiner Zeit und deren Gegebenheiten auseinanderzusetzen und dabei eine Form zu finden, diese zu kanalisieren, um mit einem persönlichen Blick auf die Welt, Ausdruck zu finden. Zugleich ist sie Entertainment, Show, Selbstdarstellung, Konsum und Eskapismus, immer geprägt von den momentanen politischen Umständen. Im besten Fall bietet sie Schutz und einen Ort, viele Menschen zusammenzubringen. Als Teenager hatte ich lange ein FM4 Poster im Zimmer, mit einem Zitat des Schriftstellers Victor Hugo. "Musik drückt aus was nicht gesagt werden kann, aber worüber zu schweigen unmöglich ist." Für mich bringt das die Notwendigkeit der Kunst auf den Punkt.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

In erster Linie kommt für mich Kunst vom tun, sein und denken. Und dann auch viel vom nicht tun. Vom können kommt es in dem Aspekt, dass ich den Bedingungen entsprechend Kunst schaffen kann, weil ich die nötigen Ressourcen und Privilegien habe, mir dafür die Zeit nehmen zu können. Müssen, damit kann ich nicht viel anfangen. Es kommt für mich von etwas Intrinsischem, was müssen implizieren kann. Doch müssen hat etwas, das blockiert. Wollen würde ich dementsprechend prozentual am höchsten ansetzen. 55% wollen, 40% können, 5% müssen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Zum Begriff "Kunst" bin ich in der ersten Klasse Mittelschule gekommen. Davor habe ich, seitdem ich einen Stift halten konnte, gezeichnet und gemalt. Damit habe ich sicher einen Großteil meiner Kindheit verbracht. In der Schulzeit wurde es weniger, es gab keinen Raum und keine Zeit, frei und künstlerisch herum zu fantasieren. Ohne es zu merken, hat es sich an den Rand meines Alltags gedrängt. Gleichzeitig war es immer eine Sprache, die mir nahe war, mehr als vieles andere. Mit 18 war ich mit der Schule auf der Biennale. Da habe ich die Dimensionen von Kunst nochmal neu wahrgenommen, viel verstanden habe ich damals trotzdem nicht. Nach meinem Kunstgeschichtestudium dachte ich, erst jetzt bin ich der Kunst näher, gleichzeitig war ich der Praxis so fern wie noch nie. Kunst ist für mich eine ewige Suche und ankommen werde ich nie, genau so wie es keinen initialen Moment gibt wie ich zu ihr gekommen bin. Es ist eher so, dass die Kunst zu mir gekommen ist.

Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?

Schlafen, träumen, essen, lesen, unter Freunden sein, kuscheln, alleine sein, schwimmen, tanzen, feiern, weinen, lieben, Herzschmerz, lieben, Herzschmerz, essen, lesen, weinen, Weltschmerz, telefonieren mit meiner Schwester, telefonieren mit meiner Mama, telefonieren mit meinen Freunden, lesen, in der Sonne liegen, träumen, schlafen.

Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?

Sobald die Idee da ist, fällt beides leicht. Sobald ich eine Vision für ein Ende in Sicht habe, sehe ich es als abgeschlossenes rundes Ganzes. Das Einzige, das dann schwierig ist, ist geduldig genug zu sein, um es bis zum Schluss durchzuziehen.

Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?

Das ist ein Spektrum. Es geht vom lauten Rauschen mit viel zu hohen Tönen und Surren bis zu Grillenzirpen und Meeresrauschen an einem warmen Sommerabend.

Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?

Da bin ich offen. So vieles ist möglich und das Schöne ist, dass diese Orte mich finden.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Ich arbeite bereits mit tollen Freundinnen zusammen. Solche Zusammenarbeiten entstehen im besten Fall ohne, dass ich danach suche.

Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?

Es wäre total didaktisch, wenn ich von von vornherein etwas produziere, um bei anderen ein Gefühl zu evozieren. Das wäre ja an der Intention vorbei. Sowas will und kann ich nicht vorwegnehmen.

Ein Risiko, das ich mir (nicht) erlaube, ist…

... lange Zeiten zu haben, in denen ich keine aktive, kreative Schaffensphase habe.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Interviewfragen für Ö1 beantwortet

Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?

Levi, ein Kind in meiner Nachmittagsbetreuung, hat gemeinsam mit anderen Kindern eine Band mit dem Namen „Baby Band" gegründet. Das fand ich schon sehr gut.

Übersicht

Ö1 Talentebörse