Lukas Stangl Talentebörse

ORF/MARIE SPATZEK

Ö1 Talentebörse

Lukas Stangl, Kunst und Gestaltung

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Lukas Stangl studiert Bildnerische Erziehung und textile und technische Gestaltung an der Universität Mozarteum Salzburg

Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt

In meinen Arbeitsprozessen vertiefe ich mich voll und ganz in die Thematiken und verbringe viel Zeit in den verschiedenen Werkstätten, um meine Projekte umzusetzen. Eine große Leidenschaft bleibt aber das Kaffee trinken und währenddessen das Zeichnen von Entwürfe für aktuelle oder weit entfernten Projekte.

Was ist Kunst?

Für mich ist Kunst, sich aktiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und für andere Menschen zugänglich zu machen. Kunst schafft einen Austausch, durch den man voneinander profitieren kann. Jede Person setzt sich mit anderen Themen auseinander, und erweitert so sein/ ihr Wissen. Sei es im inhaltlichen oder gestalterischen Bereich, in technischen Möglichkeiten oder vielleicht auch nur in der Art der Hängung.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Streng genommen liegt der etymologische Ursprung im Begriff „können“. Ich möchte den Begriff für mich etwas ausweiten. Wollen: Sich aus eigener Motivation heraus mit etwas auseinander zu setzen. Können: In meinem Fall müssen gewisse Kompetenzen im Umgang mit Maschinen, Werkstoffen und Arbeitsschritten beherrscht werden, um das gewünschte Resultat zu erreichen. Müssen: Von diesem Begriff wende ich mich ab. Da Kunst für mich nicht mit äußeren Zwängen verbunden ist.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Meine ersten Erfahrungen konnte ich über meinen Vater sammeln. Doch erst durch die Uni lernte ich, was Kunst alles beinhaltet. Zum Beispiel das aktive Betrachten von Ausstellungen und die intensive Auseinandersetzung mit anderen Positionen.

Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?

Grundsätzlich nicht viel. Kreativität kann zu jeder Zeit und in jeder Größe stattfinden. Ganz egal, ob eine kleine Skizze, ein Niederschreiben der Idee oder ein geplantes Werk entsteht. Für große Arbeiten ist natürlich ein gewisses Maß an Zeit, Equipment und, realistisch betrachtet, auch ein gewisses Budget erforderlich.

Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?

Puh, das sind generell zwei schwierige Abschnitte. Ich würde sagen, dass dies komplett projektabhängig ist. Häufiger ist der Beginn schwer, da ein interessantes Thema oder eine gute Idee gefunden werden muss. Am liebsten sind mir Projekte, die kein wirkliches Ende anstreben und ständig erweitert werden können. Das ermöglicht mir, mich über einen langen Zeitraum intensiver mit einer Thematik zu befassen und durch kleine Teilanfänge mit geringer Starthürde viele Variationsmöglichkeiten zu erkunden.

Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?

Das Knarren der Holz-Druckstöcke, wenn sie durch die Druckpresse laufen. Man hört die geballte Kraft der Presse und die Vergänglichkeit des natürlichen Werkstoffs. Es ist ein schönes Geräusch, das aber auch etwas nervös macht.

Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?

Ich bevorzuge große Räumlichkeiten, die architektonisch interessant sind, und nicht unbedingt dem White Cube entsprechen. Da meine aktuellen Druckgrafiken selbst einen architektonischen Charakter besitzen, lassen sie eine Interaktion mit bestehenden Räumen zu. Es besteht aber auch die Möglichkeit, meine Arbeiten in einem anderen Setting zu inszenieren.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Ich bin offen für alles. Wenn jemand Interesse hat und unsere Ideen gut miteinander resonieren, kann ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen. Schön fände ich Kooperationen, die sich nicht nur auf Druckgrafik beschränken.

Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?

Ich möchte die Menschen dazu motivieren, mit offeneren Augen durch ihre Umgebung zu gehen und diese intensiver wahrzunehmen. Strukturen, Muster und Flächen zu bemerken und auf Formen zu reduzieren. Aufmerksamkeit auf Kleinigkeiten bringen, die jede Menge Potential haben aber oft übersehen werden.

Ein Risiko, das ich mir erlaube, ist…

Kurz gesagt: Misserfolg.
Es ist mir wichtig das Risiko einzugehen, und mir zu erlauben, dass mal etwas schiefläuft. In meinem Arbeitsprozess experimentiere ich sehr viel, mache Versuchsreihen und schätze ab, ob mein Vorhaben umgesetzt werden kann. So wachsen ich und meine Arbeiten stetig weiter.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Ich würde sagen, mein aktuelles Projekt ist immer wieder mit ersten Malen verbunden. Es sind Faktoren wie Raumtemperatur, die damit verbundene Viskosität der Farbe, neue Formate, neue Anordnungen der Druckstock-Elemente, die Papierwahl, die Hängung, oder Herstellungsprozesse, die mit der Handhabung neuer Maschinen zusammenhängen, und und und. Die Liste an neuen Erfahrungen ist lang. Ich habe zurzeit viele Ideen, wie sich mein Projekt weiterentwickeln kann. Gerade dieser Gedanke gefällt mir sehr an meinem Projekt, da es nie eintönig wird, ich aber auch nicht von Null beginnen begonnen muss. Aktuell habe ich zum Beispiel einen CNC-Fräsmaschinen Kurs abgeschlossen.

Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?

Das war auf alle Fälle wegen einem Gruppenfoto, das vor kurzem während der Exkursion zur Biennale entstand. Die gesamte Gruppe musste vor lauter Erschöpfung nach der Ausstellung im Arsenale einen Powernap am Kunstrasen einlegen. Das Bild hat mich einfach zum Lachen gebracht.

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