GWENDOLYN SCHLIMP
Ö1 Talentebörse
Sophie Gerold & Ronja Abl, Schauspiel
In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Ronja Abl & Sophie Gerold haben mit Juni 2026 die Schauspielakademie Elfriede Ott abgeschlossen.
24. August 2026, 07:55
Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt
Sophie Gerold
Geboren: 2004 in Klagenfurt
Aktuelles Studium: Schauspielakademie Elfriede Ott (Abschluss Juni 2026)
Mein größter Erfolg: Die vor kurzem erfolgreich absolvierte paritätische Prüfung, mit der ich jetzt richtig in den Beruf starten kann.
Ronja Abl
Geboren: 2005 in St. Veit an der Glan
Aktuelles Studium: Schauspielakademie Elfriede Ott (Abschluss Juni 2026)
Mein größter Erfolg: Die Produktion "Nicht Sehen'' (Regie: Noam Brusilovsky), die den Nestroypreis 2022 bekommen hat
Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Gerold: Schon als Kind habe ich mich gefragt, wie Menschen fühlen und warum sie handeln, wie sie handeln. Das Schauspiel hat mir einen Ort gegeben, an dem ich all diese Fragen erforschen kann, an dem ich mich in jede Art von Person oder Rolle hineinfühlen darf und ihr mit meiner Stimme die Chance geben kann, zu existieren. Irgendwann wurde daraus nicht nur der Versuch, Menschen zu verstehen, sondern mein Beruf.
Abl: Durch meinen Opa und eine Kinderkassette mit der Zauberflöte, die ich auf- und abgehört habe. Aber vor allem, weil ich selbst gerne Geschichten erzähle und schreibe.
Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?
Gerold: Ich brauche nur mich und einen Schub Motivation, dann kann es losgehen. Wenn ich male, singe, schreibe oder meine Rollen ausarbeite, mache ich das am liebsten auf einer Wiese oder einfach am Boden sitzend ohne viel Schnickschnack.
Abl: Ich muss ganz viele Gefühle in mir sammeln, dann bin ich im Flow. Ich mag Extreme in mir, brauche starke Reize wie Eisbaden, Oxytocin und gerne emotionale Achterbahnfahrten, haha.
Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?
Gerold: Die Stille am Set bevor eine Szene beginnt und Applaus.
Abl: Menschenansammlungen, das Zusammenspiel von vielen Menschen. Ich schreibe selbst gerne auf öffentlichen Plätzen Texte wie dem Stephansplatz und suche mir auch im öffentlichen Raum Inspiration für meine Figuren. Ich beobachte, höre zu...Menschenmassen haben
etwas gewaltiges, manchmal gewaltig schön.
Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?
Gerold: An Orten, an denen diese ganz besondere Stimmung herrscht - egal ob auf einer Theaterbühne oder an einem Filmset. Mich reizt nicht die Größe des Ortes, sondern seine Atmosphäre.
Abl: Ich finde die Drachengasse ganz toll oder das Werk. Generell politisches feministisches Theater. Natürlich auch größere Häuser wie Burg oder Josefstadt. Wichtig ist mir aber eher, dass mich ein Stück als Schauspielerin und als Ronja begeistert.
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?
Gerold: Ein Traum wäre es, mit dem, wie man in unserer Branche oft sagt, „Theatergott“ Nicholas Ofczarek zu arbeiten, den ich aufgrund seiner unglaublichen Natürlichkeit in seinen Rollen sehr bewundere – auf der Bühne wie auch im Film.
Abl: Sehr gerne, wenn es um Film geht, mit Adrian Goiginger und im Theater gerne mit Ebru Tartici Borchers.
Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?
Gerold: Ich wünsche mir, dass Menschen sich gesehen fühlen. Vielleicht erkennen sie sich in einer Figur wieder oder entdecken eine neue Perspektive auf ihr eigenes Leben. Wenn jemand den Raum mit einem Gefühl mehr verlässt, als er ihn betreten hat, dann hat meine Kunst etwas bewegt.
Abl: Ich fände es spannend Leute zu irritieren, zu verwirren und gleichzeitig zu berühren. Es braucht dringend mehr Raum für komplexere Darstellung von Frauenfiguren. Und ich finde es schön zu schockieren.
Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Gerold: Ich lebe zum ersten Mal – und das jeden Tag aufs Neue.
Abl: Ich sitze grade im Flugzeug nach Griechenland mit einem Schauspielkollegen. Es ist mein erster absoluter Spontantrip. Um Mitternacht kam die Idee, um 4:00 ging der Flieger von Schwechat nach Zakynthos.
Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?
Gerold: Bei der Premierenfeier von Nestroys "Mein Freund", in der ich die Clementine spiele. Meine Schauspielkollegen waren da, mit denen ich schon letztes Jahr bei den Nestroy-Spielen in Schwechat auf der Bühne stand. Gemeinsam haben wir uns an einen herrlichen Bühnen-Fauxpas erinnert, der uns bei einer der 22 Vorstellungen passiert ist. Wir haben Tränen gelacht und uns gefragt, ob das Publikum damals überhaupt etwas davon mitbekommen hat.
Abl: Ich habe laut gelacht als ich Gott sei Dank meinen Pass noch gefunden habe, bei dessen panischer Suche ich eine halben Nervenzusammenbruch hatte.
