MARINA SCHWARZ
Ö1 Talentebörse
Nils Sachse, Digital Art Compositing
In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Nils Sache studiert Digital Art Compositing an der Filmakademie Wien.
25. August 2026, 07:55
Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt
Was mich kreativ fasziniert, nehme ich ernst, mich selbst aber nicht allzu sehr.
Geboren: 1997 in Neuss, Deutschland
Aktuelles Studium: MA Digital Art Compositing (Franz Brandstätter, Valentin Struklec), Filmakademie Wien, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Mein größter Erfolg: Mein größter Erfolg ist, dass ich gerade als VFX-Supervisor an meinem ersten Langspielfilm arbeite, RAHÎL – Die Reise, von Sallar Othman. Der Film wurde im Frühjahr 2026 gedreht, und ich bin seitdem mit dabei. Dass ich diese Verantwortung zum ersten Mal bei einem Langspielfilm übernehmen darf, bedeutet mir sehr viel. Umso mehr, weil der Film ein wichtiges Thema behandelt: die Flucht von Menschen vor Krieg und Gewalt und ihren Weg nach Europa.
Was ist Kunst?
Kunst kann alles Mögliche sein. Im Fall von Visuellen Effekten (VFX) ist sie oft sogar unsichtbar.
Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?
Ich glaube, für viele Künstler ist Kunst eine Notwendigkeit, die sie vor dem Platzen bewahrt, also ein Müssen. Für mich ist Kunst vor allem ein Wollen. Ich habe mich immer wieder bewusst für Kunst entschieden, und ohne das wäre ich wahrscheinlich eher bei Webseiten oder im Marketing gelandet. Bei VFX-Artists frage ich mich aber auch oft, ob wir eher Künstler oder eher Handwerker und Designer sind. Die Grenze ist fließend.
Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Schon als Kind habe ich unglaublich viel gelesen und neben Science-Fiction und Fantasy vor allem Comics und Graphic Novels verschlungen. Irgendwann wollte ich dann selbst zeichnen und habe Zeichenkurse im Museum besucht. Später bin ich viel in Museen gegangen, vor allem für Contemporary Art, aber das Filmmuseum Frankfurt hat mich mit seinen Ausstellungen zu alten Filmen und Filmtricks besonders geprägt. Ich habe dort immer wieder stundenlang frühe Filme von den Lumière-Brüdern oder Georges Méliès angeschaut. Meine ersten eigenen Filmversuche entstanden mit Hilfe von Scherenschnitt- und Lego-Stopmotion, später dann mit Freunden und einem Camcorder im Wald. Mittlerweile ist mein Laptop mit Programmen wie „Blender“ und „Nuke“ mein wichtigstes Arbeitswerkzeug.
Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?
Für mich entstehen gute Ideen oft aus ein bisschen Langeweile, aber wirklich konkret werden sie erst mit einer Deadline oder einem festgelegten Ziel. Und wenn die Denkmaschinerie dann noch ein kleines bisschen mit einem oder zwei Spaßgetränken geschmiert wird, schadet das natürlich auch nicht.
Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?
Ich habe selten ein Problem damit, schnell in ein Projekt einzusteigen und mich direkt in die Thematik einzuarbeiten. Schwieriger ist für mich oft das Ende, weil ich dann Details nur ungern loslasse und manchmal aufpassen muss, dass ich das Gesamtwerk wirklich abschließe.
Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?
Ich denke da an das Klackern meiner Tastatur und das Aufdrehen der Computer-Lüfter, wenn ein VFX-Shot ins Rendern geht. Am Filmset sind es dann eher Geräusche wie der Piepton meines Abstandsmessers und der Countdown meiner 360°-Kamera, wenn ich gerade ein HDR-Bild mache.
Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?
Eine Premiere beim Filmfestival in Cannes wäre ein schönes Highlight. Ansonsten freue ich mich natürlich auch über einen VFX-Oscar. Aber ich glaube, dafür brauche ich noch mindestens ein paar Jahrzehnte mehr Erfahrung.
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?
Da fallen mir direkt drei Menschen ein. Marina Schwarz, meine Kommilitonin im Master, mit der ich schon viele Projekte gemacht habe und bei der ich immer wieder merke, wie gut wir uns bei Projekten ergänzen. Maurice Miller, ein guter Freund und Kollege, der mich vor ein paar Jahren nach Wien geholt hat und mit ein Grund dafür war, dass ich bei den visuellen Effekten geblieben bin. Und Frank Petzold, mein erster VFX-Supervisor am Set, dem ich 2019 drei Monate lang über die Schulter schauen durfte und der damals seine Begeisterung für VFX mit mir geteilt hat. Mit allen habe ich bereits zusammengearbeitet, möchte es aber unbedingt wieder tun.
Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?
Ich würde mich freuen, wenn meine Kunst Menschen berührt, ihnen Freude macht und dazu beiträgt, sie in eine andere Welt oder Geschichte eintauchen zu lassen.
Ein Risiko, das ich mir nicht erlaube, ist…
…auch nur ansatzweise zu glauben, genug über VFX zu wissen. Es gibt so viele spannende Methoden und Herangehensweisen für den kreativen Einsatz von visuellen Effekten und ständig kommen neue Entwicklungen dazu. Das macht es auch gleichzeitig so spannend: Alles ist in Bewegung, jedes Projekt kommt mit neuen Herausforderungen, die es gilt, kreativ zu bewältigen.
Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Dieses Interview ist für mich eine ganz neue Erfahrung. Ich stehe meistens lieber neben oder hinter der Kamera oder dem Bildschirm und lasse meine Arbeit für sich sprechen. Umso mehr freue ich mich über die Gelegenheit und den Anstoß zur Reflexion, weil ich dadurch auch einmal innehalten und auf meinen bisherigen Weg zurückblicken kann.
Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?
Das passiert mir eigentlich ziemlich häufig, fast täglich sogar. Gerade lache ich viel über die ganzen „How Nolan intended“-Memes zu Christopher Nolans Film „The Odyssey“ und seiner Obsession mit dem „IMAX“ Filmformat.
