Das Gebäude von Russmedia

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Russmedia übernimmt die Tiroler Moser Holding

Der Platzhirsch röhrt noch lauter

Im Westen ist dieser Tage ein neuer großer Player auf dem Medienmarkt entstanden. Die Vorarlberger Russmedia hat die Tiroler Moser Holding übernommen, die Bundeswettbewerbsbehörde hat den Deal genehmigt. Die Branche blickt gespannt auf das, was kommt. Der neue Mehrheitseigentümer Eugen Russ gilt als Sparmeister und wird in Innsbruck rationalisieren, was das Zeug hält, so die allgemeine Erwartung.

In einem aktuellen Ranking der beliebtesten Medien-Arbeitgeber liegen die Moser Holding und Russmedia auf Platz eins und zwei. Wenn die Fusion der beiden Häuser im September dann abgeschlossen ist, könnte sich die Reihung auf der Beliebtheitsskala dramatisch verschieben. Denn der neue Mehrheitseigentümer Eugen Russ hat nicht nur den Ruf, sondern er ist ein beinharter Rechner. Er rühmt sich, als einziges Medienhaus keine Sparpakete notwendig gehabt zu haben.

Eugen Russ

RUSSMEDIA

Eugen Russ

Neuer Eigentümer ist ein beinharter Rechner

Spötter fügen hinzu: Weil er immer schon gespart hat, der Russ. Im Zweifel komme bei ihm immer das Kaufmännische vor dem Verlegerischen, weiß der Medienberater Peter Plaikner: "Da ist wohl zu erwarten, dass langfristig die Moser Holding letztlich auch in die Effizienz der Russmedia kommt. Und da gilt sie nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa als vorbildlich, wenn es um Kosten-Cutting geht."

Aus der kaufmännischen Perspektive macht der Deal absolut Sinn und überrascht niemanden. Und er schafft einen neuen Big Player auf dem österreichischen Medienmarkt. Plaikner: "Soweit die Kennzahlen bekannt sind oder unwidersprochen blieben, können wir davon ausgehen, dass ein Unternehmen entsteht mit mehr als 300 Millionen Euro Umsatz. Das ist ungefähr schon die Dimension der Styria Media Group oder der Mediaprint." Das sind die beiden größten Medienhäuser - mit "Die Presse" und "Kleiner Zeitung" bzw. "Kronen Zeitung" und "Kurier".

Der Deal im Westen kommt nicht überraschend

Die Bande zwischen Russmedia und Moser Holding waren immer schon eng, Eugen Russ sitzt dort seit langer Zeit im Aufsichtsrat und kennt das Haus in- und auswendig. So überrascht auch diese Ankündigung von Vorstandschefin Silvia Lieb - sie wird als Direktorin für Finanzen und Verwaltung ins Team des künftigen ORF-Chefs Clemens Pig wechseln - gegenüber der Belegschaft nicht: "Für eine neue Führung der MOHO wurden bereits kluge Vorbereitungen getroffen, sodass ich meine Aufgaben im Laufe der nächsten Wochen und Monate in kompetente Hände übergeben kann."

Reden tut weder in Innsbruck noch in Dornbirn jemand, offizielle Erklärungen gibt es wenn überhaupt erst nach dem Closing, das für Ende August erwartet wird. Aber selbst unter der Hand halten alle dicht, nicht einmal die üblichen Befürchtungen dringen nach draußen. Grund dazu gäbe es allemal. Der Medienwissenschafter Josef Trappel von der Universität Salzburg: "Es geht natürlich um die Kosten in der Redaktion, das ist völlig klar. Vollredaktionen zu betreiben, und das ist ja sowohl in Vorarlberg als auch in Tirol der Fall, das ist im Betrieb teuer."

NEUE Vorarlberger Tageszeitung

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Kleinere Redaktionen im Ländle als Maßstab

Unter dem Dach der Russmedia ist neben dem Flaggschiff "Vorarlberger Nachrichten" auch die "NEUE Vorarlberger Tageszeitung", einst als Gegengewicht zum Russ-Imperium gegründet, aber von diesem bald geschluckt. Und bis heute kassiert Russ für die "NEUE" Millionen aus der besonderen Presseförderung zur Erhaltung der Medienvielfalt, eine spezielle Ironie. Peter Plaikner über die Redaktionen der Russmedia-Tageszeitungen: "Sie sind deutlich kleiner als bei anderen österreichischen Medien, die vergleichbar sind, und natürlich auch deutlich kleiner als bei der Moser Holding und ihrem Flaggschiff, der Tiroler Tageszeitung."

Russmedia betreibt auch ein in Vorarlberg sehr erfolgreiches Online-Portal, es heißt VOL.at und ist laut Insidern wohl schon wichtiger als die Zeitungen. Der Journalisten-Kollektivvertrag gilt dort nicht, das macht Anstellungen billiger und dazu kommt: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen liefern Beiträge für die Zeitung zu. Quasi eine hauseigene Agentur zur Kostenoptimierung, alles rechtlich abgesichert angeblich. Und überhaupt: mit einem Eugen Russ legt sich in Vorarlberg keiner an.

Die Auflagen der Bundes-Wettbwerbsbehörde

Journalistische Aspekte kommen in dem Setting oft zu kurz, behaupten Kenner der Verhältnisse. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat die Übernahme der Moser Holding durch Russmedia unter Auflagen genehmigt. Die wichtigste ist die Wahrung der Unabhängigkeit der Redaktionen und zwar "durch die Beibehaltung von jeweils eigenständigen Redaktionen, örtlich getrennt, mit unterschiedlichen eigenständigen Chefredakteuren / Chefredakteurinnen und eigenständigen, gegenüber dem Status Quo nicht verschlechternden Redaktionsstatuten".

Russmedia hat sich dazu auf sieben Jahre verpflichtet, aber Rationalisierungen wird das kaum aufhalten. Peter Plaikner verweist auf die Übernahme von ATV durch Puls, auch für den Privatsender hat es Auflagen gegeben. "Wir sehen, wie sich das über die Jahre entwickelt hat. Letztlich bestimmt dann auch der Sparstift, wohin die Reise geht. Und über die Jahre wird es dann wohl zu einem näheren Zusammenrücken kommen." Gemeint sind die Redaktionen von TT, VN und "NEUE".

Synergien finden sprich Sparen geht immer

Synergien, die die Unabhängigkeit der Redaktionen nicht offen in Frage stellen, lassen sich bestimmt finden. Von der Besetzung des Büros in der Bundeshauptstadt über spezielle Work-flows bis zu überregionalen Inhalten, die man allenfalls teilen kann. Für Josef Trappel hat der wirtschaftlich logische und sinnvolle Deal auch bedenkliche Aspekte: "Die Medienkonzentration schreitet voran. Mit jeder Stelle in einer Redaktion, die verloren geht, geht auch Vielfalt verloren." Und das sei der zentrale demokratiepolitische Wert: Eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten.

Doch der Zusammenschluss der beiden Häuser sei eben auch ein Ausdruck der aktuellen Medienkrise und immerhin besser als Zusperren, so Trappel. Er schließt nicht aus, dass es weitere Entwicklungen in dieser Richtung geben könnte. "Es könnte auch der Anfang einer weitergehenden Konsolidierung in der österreichischen Medienlandschaft sein."

Für Neugründungen wird es noch schwieriger

Und was heißt das für regionale und lokale Neugründungen? Nichts Gutes, befürchtet der Medienwissenschafter. "Das gesamte Werbesubstrat fließt dann erst recht in dieses größere Unternehmen, das sehr viel besser akquirieren kann, das sich auch stärker im Werbemarkt aufstellen kann. Ein Fenster für die Start-ups durch solche Zusammenschlüsse sehe ich nicht. Ich glaube, es wird sogar schwieriger."

Wobei das in Vorarlberg und Tirol relativ ist. Bei den beiden Platzhirschen hat immer schon das Motto gegolten: Leben und nicht leben lassen.

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