Kleine Landstraße mit Büschen

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Innovative Lokalmedien haben es in Österreich schwer

Die letzte journalistische Meile

Innovative lokale Medien sind die Zukunft, sagt die Wissenschaft. Nah an den Ereignissen, im engen Austausch mit dem Publikum und im besten Fall auch kritisch gegenüber den lokal Mächtigen. Ein Kontrast zu den Gratis-Bezirksblättern, die die lokale Ebene in Österreich dominieren. Doch solche Start-ups schauen derzeit bei den Förderungen durch die Finger, während die Großen kassieren und fusionieren und den Kleinen kaum Luft zum Atmen lassen.

Osttirol ist ein spezieller Medienmarkt. Dort matchen sich "Kleine Zeitung", "Tiroler Tageszeitung" und "Kronen Zeitung" mit dem Bezirksblatt und vor allem mit dem lokalen Platzhirschen "Osttiroler Bote" und seinem Radio Osttirol. Eigentümer ist eine Stiftung, hinter der Landwirtschaftskammer und Bauernbund stehen. Mittendrin und nicht nur dabei ist Gerhard Pirkner, der seit 2010 das Online-Medium "Dolomitenstadt" betreibt. Erfolgreich und das ohne jede Förderung.

Pirkners Dilemma: "Nach dem aktuellen Setting braucht man ja drei, mindestens drei Vollzeitjobs in der Redaktion. Die kann ich nicht bringen und dann hat sich auch noch herausgestellt, dass ich selbst nicht zähle, weil ich ja der Unternehmer bin. Also ich bin nicht angestellt." Die vielen Mitbewerber von Pirkner bekommen alle Förderung.

Dolomitenstadt

Interview mit Gerhard Pirkner

Luft nach oben bei innovativen lokalen Start-ups

Luis Paulitsch von der DATUM-Stiftung arbeitet und publiziert zum Thema, er sagt: "Gerade hier wäre der Staat gefordert, durch Förderungen entsprechend auszugleichen und dadurch eben langfristig auch zu mehr Medienvielfalt beizutragen." Lokale Start-ups seien in Österreich rar, auch weil es hier die etablierten Gratis-Bezirksblätter gibt.

In den USA, aber auch etwa im Osten Deutschlands haben viele Lokalmedien wegen der Anzeigenkrise zugesperrt, es sind sogenannte Nachrichtenwüsten entstanden. Innovative Neugründungen seien dort demokratiepolitisch essenziell. Aber auch bei uns. Es sei wichtig, so Paulitsch, "dass ich als Bewohner einer Gemeinde wieder das Gefühl habe, ich kann mit einem Medium in Kontakt treten und der Journalismus bewirkt etwas. Gerade auf der Gemeindeebene ist ja die Gefahr da, dass durch die Nähe zu Politikern oder auch zu Unternehmen kritische Berichterstattung verlorengeht."

Gerhard Pirkner

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Gerhard Pirkner

Ein Osttiroler war seiner Zeit voraus

Journalistische Maßstäbe einzuhalten, das sei gerade auf lokaler Ebene essenziell, betont auch Medienberater Peter Plaikner. "Gerade dort muss man besonders genau sein, denn dort kann es jeder überprüfen." Der Osttiroler Gerhard Pirkner habe diesen journalistischen Anspruch immer gehabt, er ist dafür im Vorjahr mit dem Walther Rode-Preis des Medienhauses Wien ausgezeichnet worden.

Auch für seinen Pioniergeist, denTirol-Kenner Plaikner so beschreibt: "Als Öffentlich-Rechtliche wie der ORF noch nicht auf die Idee kamen, zum Beispiel Anrufe einfach durchschalten zu lassen oder Videoaufnahmen, die mit dem Handy gemacht wurden, zu senden - da hat Pirkner das schon gemacht. Er sehr schnell erkannt, dass das Bewegtbild letztlich zur treibenden Kraft auch im Lokalen und im Regionalen werden wird."

Wiener Lokalmedium macht mit Grönland Furore

Auch "Zwischenbrücken", das Online-Medium für den zweiten und zwanzigsten Bezirk in Wien hat diesen Anspruch. Im Jänner hatten sie eine Geschichte über den Milliardär und früheren US-Botschafter in Wien, Ronald Lauder, der Donald Trump die Sache mit Grönland eingeredet haben soll. Das hat sogar für internationale Zugriffe gesorgt. Der lokale Bezug ist da: Es gibt in der Leopoldstadt den Lauder-Chabad-Campus, ein Schulzentrum für orthodoxe Jüdinnen und Juden. Den Zund für die Geschichte hat Autor Bernhard Odenahl aus Dänemark bekommen.

Als Gründer von "Zwischenbrücken" weiß Odenahl über viele Anfangsschwierigkeiten zu berichten. Er hat Startgeld von der Wiener Medien-Initiative bekommen, nicht zu knapp. Aber diese Art der Förderung sei immer damit verbunden, etwas Neues machen zu müssen. Laufender Betrieb wird derzeit nicht gefördert, da hoffen alle auf den Umbau der Medienförderung, aber das ist noch ministerielle Zukunftsmusik. Für 2028 hat Andreas Babler den großen Wurf versprochen.

Neuer Online-Schwung durch Print-Merchandising

Odenahl bäckt vorerst kleinere Brötchen, er kann nicht mehr so viel Honorar zahlen wie zu Beginn. "Das war sehr schwierig. Und sagen wir mal, das Team ist jetzt nicht mehr so groß wie es noch im Frühjahr war." Ausgerechnet ein Print-Produkt hat jetzt aber neuen Schwung für das Online-Medium gebracht. Ein aufwändig gemachtes gedrucktes Magazin mit schönen Fotos und den besten Online-Geschichten aus dem ersten Jahr. Odenahl: "Also das wirkt jetzt ein bisschen retro, aber ich muss sagen, das war eigentlich die beste Idee, die ich hatte."

Wegen der Breitenwirkung. Das Magazin samt Merchandising mit T-Shirts und Taschen hätten neuen Schwung gebracht, die Zahl der Unterstützer steige wieder, langsam aber doch. Bald soll eine Paywall kommen, Odenahl ist zuversichtlich, dass die Bereitschaft zu zahlen da ist.

Graz-Newsletter mit Events verlinkt auch zu anderen

Bei "GanzGraz" ist das kein Thema. Das Lokalmedium, dessen Herzstück ein Newsletter mit Graz-Themen und Veranstaltungstipps ist - vorerst viermal die Woche, gibt es seit dem Frühjahr. Der Start sei gelungen, sagt Peter Obersteiner vom Gründungsteam. "Was ganz gut funktioniert, sind diese persönlichen Tipps für Veranstaltungen. Dadurch, dass jeder Redakteur, jede Redakteurin einen Newsletter in der Woche schreibt, kann man das dann wie eine Empfehlung aussprechen." Das sei etwas völlig anderes als etwa eine KI-generierte Zusammenschau von Terminen.

Der Newsletter sammelt und verlinkt auch Graz-Meldungen aus anderen Medien, und es werden die Themen des Tages abgehandelt. Tiefergehende Recherchen würden sich alle im Team wünschen, aber das sei eine Frage des Geldes, sagt Obersteiner. Hier setzt das Lokalmedium auf einen Mix aus Unterstützern, lokaler Werbung und Förderungen - wobei auch hier das Prinzip Hoffnung gilt.

Erstmals mit Know-how und Tools aus der Schweiz

"GanzGraz" ist aber nicht allein. Es ist das erste österreichische Projekt, das vom Schweizer Netzwerk "We publish" mit Know-how und digitalen Tools unterstützt wird. Dahinter steht der Schweizer Digital-Pionier Hansi Voigt. Er sagt, man unterstütze nicht jedes Start-up. "Ich möchte das nicht zynisch sagen, aber: Ein oder zwei Journalisten starten mit großem Enthusiasmus und dem Willen zur absoluten Selbstausbeutung - und in spätestens einem Jahr sind sie ausgebrannt." Da gehörten einfach auch Business- und Marketing-Skills dazu, so Voigt.

Bei "GanzGraz", das mit einer Finanzspritze von 40.000 Euro des "Media Innovation Lab" der "Wiener Zeitung" gestartet ist, sind diese Fähigkeiten laut Voigt vorhanden. "Wir versuchen, dass sie aus diesen 40.000 Euro vielleicht 200.000 Euro machen, indem wir ihnen Crowdfunding-Tools, Fundraising, all diese Sachen zur Verfügung stellen. In der Zeit beraten wir sie, und wir gehen mit ihnen ins Risiko, damit wir diese Ziele erreichen."

Alexandra Wang

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Alexandra Wang

Journalismus allein genügt bei weitem nicht

Das Ziel sei, dass Projekt nachhaltig aufzustellen. Know-How aus Journalismus, Marketing und Social Media, Finanzen, Projektmanagement hilft dabei sehr und sei vorhanden, so Peter Obersteiner. Das Team sei eine "glückliche Fügung" gewesen. Und wie sieht er die Rolle von "We publish"? Obersteiner: "Der Kontakt mit 'We publish' war so eine Art Katalysator für uns als Projekt. Und wir haben jetzt eine Partnerschaft, die auf Beratung von ihnen beruht, und wir nutzen ihr technisches Setup, das sie für kleine unabhängige Medien, wie wir es sind, entwickelt haben."

Ein Pendant zur Schweizer Initiative ist auch in Österreich im Aufbau, es nennt sich "Komma", und der Start wird mit Geld der Millionenerbin Marlene Engelhorn - die keinen Einfluss auf das Projekt hat - finanziert. Alexandra Wang von "Komma" nennt "We publish" als Vorbild. "Wir wissen alle, wie es ist, wenn man vor einem Problem steht und wer anderer hat es schon gelöst. Es ist immer einfacher, Probleme gemeinsam zu lösen." Auch Wang streicht den demokratiepolitischen Aspekt von gutem Lokal-Journalismus hervor: "Ich glaube, es wird Zeit, dass wir Journalismus endlich ein bisschen partizipativer denken und ein bisschen mehr an die Bürgerinnen und Bürger denken."

Bisher nur politische Lippenbekenntnisse für Kleine

Ansätze für den journalistischen Aufbruch sind da, aber es bleibt schwierig. Luis Paulitsch bringt es so auf den Punkt: "Es braucht sehr viel Überzeugungskraft, um zu sagen: Ich versuche den Weg ohne Förderung - weil solche Medien in der Regel keinen Anspruch darauf besitzen - und gründe ein eigenes innovatives Lokalmedium."

Und Innovationsförderung im lokalen und regionalen Bereich, das sind immer noch vor allem Lippenbekenntnisse - sei es vom Medienminister oder von den Landeshauptleuten, die dazu im Juni sogar einen Beschluss mit Forderungen an den Bund gefasst haben. Das Land Wien bleibt mit seiner laufenden Medien-Initiative hier die rühmliche Ausnahme.

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