Renaturierter Bachlauf in Deutschland: grüne Wiese, Bäume und Wasser

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Radiokolleg

Natur wiederherstellen: Wie geht das?

Mehr als 80 Prozent der Lebensräume und Arten in der Europäischen Union sind in einem schlechten ökologischen Zustand. Die Zerschneidung und der Verlust von Lebensräumen durch Siedlungen, Straßen und Gewerbegebiete, Monokulturen, intensive Landwirtschaft, Pestizide, die Begradigung und Verbauung von Flüssen, die Entwässerung von Mooren und vieles mehr haben zu einem dramatischen Verlust der Biodiversität, also der Vielfalt an Arten, ihrer genetischen Vielfalt und der Lebensräume geführt.

Intakte Ökosysteme sind aber kein Luxus. Sie sorgen für fruchtbare Böden, frische Luft und sauberes Wasser, produzieren Lebensmittel für Menschen und Tiere, kühlen, puffern Starkniederschläge und Hitze, schützen vor Erosion, Steinschlag und Lawinen und dienen der Erholung. Menschliche Aktivitäten haben diese Lebens- und Sicherheitsgrundlage jedoch massiv übernutzt und zerstört. In Kombination mit der Klimakrise mit Hitze und Extremwetterlagen gefährdet dieser schlechte ökologische Zustand die Lebensgrundlage von Pflanzen, Pilzen und Tieren – und auch von uns Menschen.

Die im August 2024 in Kraft getretene Wiederherstellungsverordnung der Europäischen Union verpflichtet die Mitgliedstaaten deshalb, ihre geschädigten oder zerstörten Moore, Wälder, Flüsse, Meere und Agrarlandschaften wieder in einen besseren ökologischen Zustand zu bringen, und zwar mit verbindlichen Zielen mit klaren Zeitvorgaben von 2030 bis 2050. Nun liegt es an den Mitgliedstaaten, diese ambitionierten Ziele umzusetzen.

Doch können wir die Natur überhaupt wieder „reparieren“?

Flüsse in einen besseren Zustand bringen

Beispiele zeigen, dass wir das Rad nicht einfach zurückdrehen können, doch wir können der Natur wieder Raum geben, um sich zu erholen. Das markanteste Beispiel dafür sind Flüsse:
Im 19. Jahrhundert wurde begonnen, Flüsse in großem Stil zu begradigen und zu regulieren, um Überschwemmungen zu verhindern, die Schifffahrt zu erleichtern und Land zu gewinnen. Das verständliche Anliegen hatte und hat jedoch viele Nachteile: Das Wasser fließt schneller ab, der Lebensraum für Fische und andere Lebewesen wird beeinträchtigt und zerstört, die Verbindung zum Grundwasser und zu Auen gehen verloren, Starkniederschläge führen teilweise zu mehr Hochwassergefahr als zuvor. Schon die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, beeinträchtigte Flüsse bis spätestens Herbst 2027 in einen besseren Zustand zu bringen. Daran schließt nun die EU-Renaturierungsverordnung an: Bis 2030 müssen mindestens 25.000 Flusskilometer wieder frei fließen können. Wenn einem Fluss wieder mehr Raum zugestanden wird, das Flussbett aufgeweitet wird und Querbauwerke und Uferbefestigungen entfernt werden, kann der Fluss bei Hochwasser wieder dynamisch reagieren und seinen Lauf natürlicher gestalten. Projekte an der Drau oder der Isel zeigen, was möglich ist.

Aufforstung eines Waldes

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An der Renaturierung beteiligen

Auch Wälder, Wiesen, Felder und Moore können wieder in einen natürlicheren Zustand versetzt werden - und sogar Gärten und Städte können sich an der Renaturierung beteiligen. Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Naturschutzorganisationen, ökologische und wasserbauliche Planungsbüros, der Bund, Länder und Gemeinden und sogar kleine Privatinitiativen können ihren Teil dazu beitragen. Dafür braucht es Wissen über die Zusammenhänge und Abläufe in der Natur, Geld für die Forschung und die Förderungen für die Umsetzung, vor allem aber den Willen und die Leidenschaft, für die Natur und mit der Natur an einer Verbesserung zu arbeiten. Das Radiokolleg hat einige dieser Menschen eingeladen, uns ihr Wissen, ihre Beispiele, ihre Erfahrungen und ihre Begeisterung dafür zu erzählen.

Gestaltung

  • Sonja Bettel