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Literatur
Literaturnobelpreis an Anne Carson
Die Auszeichnung für die Kanadierin Anne Carson wurde pünktlich um 13.00 Uhr von der Schwedische Akademie verkündet. Carson werde "für ihr mutiges und originelles Gesamtwerk" ausgezeichnet, sagte die neue Ständige Sekretärin der Akademie, Ingrid Carlberg. 2025 hatte der ungarische Schriftsteller László Krasznahorkai die renommierte Auszeichnung erhalten.
8. Oktober 2026, 14:31
Nobelpreis geht nach Kanada
In der englischsprachigen Hemisphäre zählt die kanadische Dichterin und Altphilologin zu den bedeutendsten Dichterinnen der Gegenwart. Auf Deutsch erschienen mit "Rot" zuletzt im Fischer-Verlag "zwei Romane in Versen" in der Übersetzerin der Lyrikerin Anja Utler.
"Die Parallelität von Antike und Gegenwart durchzieht ihr umfangreiches Werk", heißt es auf der Verlagswebsite über die 1950 in Toronto geborene Carson. Kein Wunder, ist Carson doch Professorin für altgriechische Literatur und übersetzte unter anderem Aischylos' "Agamemnon", Sophokles' "Elektra" oder Euripides' "Orestie" für ein New Yorker Theater ins Englische. In "Rot" erzählt sie von Herakles, der als 16-jähriger Homosexueller in der Gegenwart lebt und den 14-jährigen Geryon verführt, der in dem Roman von seinem Leben erzählt. Als "demonstrativ fragmentarisch, oft kryptisch und betörend schön" beschrieb "Die Presse" das im Juni dieses Jahres erschienene Werk.
In Island dem Wind zuhören
Bei der Preisverkündung sagte die Ständige Sekretären Carlberg, sie habe Carson erst vor wenigen Minuten erreicht. "Sie war sehr überrascht. Wir hatten nicht viel Zeit zu sprechen, aber sie hat mir erzählt, dass sie gerade in Island ist, um dem Wind zuzuhören."
Bücher, die neu herauskommen, lese ich gar nicht. Die meisten Bücher, die ich lese, wurden 500 vor Christus geschrieben.
"Von Gedicht zu Essay, von Oper zu Ballett findet sie Gesten, um die Gegenwart zu bannen", heißt es in der Beschreibung zu dem Band "Decreation", in dem Carson die Stimmen von Sappho, Simone Weil und Monica Vitti heraufbeschwört. 59 Aphorismen veröffentlichte vor zwei Jahren unter dem Titel "Albertine" der Matthes & Seitz Verlag, in denen die Autorin "ihre ganz persönlichen, eigenen Sprach- und Klangbildern folgenden Verrenkungen" Autoren wie Proust, Samuel Beckett und Roland Barthes widmete.
Ewiges Staunen
"Erkundungsreisen, in denen sich das ewige Staunen über das Leben und die Verschiedenheit von Männern und Frauen mit intensiven mitunter surrealen Landschaftsbildern mischen", lieferte Carson in dem Band "Anthropologie des Wassers", über den die "FAZ" schrieb: "'Anthropologie des Wassers' zeigt aufs schönste, wie extreme Gelehrsamkeit mühelos in Humor, Sinnlichkeit, Staunen und vice versa umschlägt."
Anthropologoe des Wassers
Wie sich Wasser, wie sich das Denken - physikalisch betrachtet - verhalten und wie man dieses Wissen poetisch umsetzen kann
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Über zwei Dutzend Bücher hat Carson seit ihrer Dissertation im Jahr 1986 ("Odi et Amo Ergo Sum") veröffentlicht, davon finden sich bisher nur einige in deutscher Übersetzung wieder, darunter neben den bereits genannten der nicht mehr lieferbare Band "Glas, Ironie und Gott - fünf epische Gedichte und ein Essay über das Geschlecht des Klanges" im Jahr 2000.
Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen zählt u.a. 1998 das Guggenheim Fellowship, der Griffin Poetry Prize (2001 und 2014), der T. S. Eliot Prize (beide 2001) oder der "PEN Award for Poetry in Translation" (2010). Anne Carson ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters und erhielt 2012 die Ehrendoktorwürde der University of Toronto - und nun auch der Nobelpreis.
Favoritinnen und ewige Kandidaten
Die Wettquoten sahen die chinesische Autorin Can Xue als Favoritin, gefolgt von ihrem japanischen Kollegen Haruki Murakami und der Mexikanerin Cristina Rivera. Seit Jahren unter den Favoriten finden sich der US-Amerikaner Thomas Pynchon und der im österreichischen Zsolnay Verlag publizierende Rumäne Mircea Cartarescu. Ein Kandidat oder eine Kandidatin aus Österreich in der Nachfolge von Elfriede Jelinek (2004) und Peter Handke (2019) fand sich diesmal nicht unter den Top-Quoten.
Dotiert ist der Preis in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen - umgerechnet rund eine Million Euro. Überreicht wird er am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, in Stockholm. In den vergangenen Tagen sind bereits Preisträger in den Kategorien Physiologie oder Medizin, Physik und Chemie verkündet worden.
