Eine Glühbirne deren Draht die Umrisse des afrikanischen Kontinents zeigt

DYNAMOWIEN/FLORIAN JUNGWIRTH

Ein Schwerpunkt über einen aufstrebenden Kontinent

“Africa Now!“

Mit einem kooperativen Zugang zur Berichterstattung und der Bespielung verschiedenster Formate verspricht der Ö1 Themenschwerpunkt einen so wichtigen, multiperspektivischen Zugang zu Themen und Stimmen aus Ländern des afrikanischen Kontinents möglicher zu machen.

Hi-Tech und praktische, alltägliche Innovationen aus Kenya, Äthiopien und dem Senegal, Lösungen für Energiefragen aus dem Kongo (DRC) und Mosambik, sowie Kunst aus Ruanda und die kapverdische Sängerin Cesária Évora finden Platz. Als Gastautorin darf ich Ihnen einige Impulse zum kritischen Hören, und zur weiterführenden Reflexion mitgeben.

Cesária Évora, 2004

Cesária Évora, 2004

APA-IMAGES/AFP/BERTRAND GUAY

Welche Zukunft, welcher Kontinent - welches „Afrika“?

Von „Afrika“ als Zukunftskontinent hören wir immer öfter - und dennoch bleiben Darstellungen des Kontinents überwiegend negativ und problematisch. Neben defizitären Darstellungen findet sich „Othering“ („Fremd-Machung“) auch in vermeintlich positiven Überhöhungen: Exotisierungen wirken nicht nur diskriminierend, sondern tragen dazu bei Machtstrukturen zu legitimieren, das Bewundern von „Resilienz“ kann auch strukturelle Ungleichheit und Ausbeutung romantisieren.

In Mosambik widmen sich junge Unternehmerinnen und Unternehmern dem Plastikmüll: Sie entfernen ihn aus der Umwelt und wandeln ihn in Rohstoffe um.

In Mosambik widmen sich junge Unternehmerinnen und Unternehmern dem Plastikmüll: Sie entfernen ihn aus der Umwelt und wandeln ihn in Rohstoffe um.

HERMINIO JOSE

Die konstruierte „Fremdheit“ wird so zur Erklärung, die differenzierte und tiefergehende Fragen überflüssig zu machen scheint. Derartige Darstellungen werden auch jenseits der diskursiven Ebene relevant, wie beispielsweise die Advocacy Organsiation Africa No Filter aufzeigt. Ein Bericht aus dem Jahr 2024 führt aus, wie verfälschte mediale Risikodarstellungen zu höheren Kreditkosten für Länder des Kontinents führen. In einer Befragung der European Agency for Fundamental Rights aus dem Jahr 2024 berichten circa 70 Prozent der in Österreich befragten afrodiasporischen Menschen von Diskriminierungen, die sie im vergangenen Jahr erlebt haben.

Österreich und „Afrika“

Und auch die Regierung spricht in Ihrer neuen Afrikastrategie vom Zukunftskontinent - gleichzeitig haben Stimmen, die in Wissenschaft und Zivilgesellschaft aktiv waren und sind, im April dieses Jahres die Befürchtung geäußert, dass die Strategie weder innovativ noch sehr humanitär auszufallen droht. Sie sehen weniger Zusammenarbeit auf Augenhöhe als einen andauernden Fokus auf die Ausbeutung unterschiedlicher Ressourcen und Migrationspolitik im Zentrum. Wir können hier wie in anderen Kontexten auch nach Agency fragen - wer sind die Expert:innen, die hier wie, und zu welchen Bedingungen Strategie diskutieren? Und auch: wie wird in diesem Kontext auf die Diaspora in Österreich zugegangen?

“Afrika” und … Österreich?

Für die Afrikanische Union, AU ist die Diaspora spätestens seit 2003 die sechste Region des Kontinents. Gleichzeitig fordert „Afrika“ Machtverhältnisse und (neo)koloniale Hierarchien auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Togo hat auf UN-Ebene erfolgreich eine Initiative vorangetrieben, welche eine korrektere Darstellung der Größe des Kontinents in Weltkarten einfordert; langjährige Forderungen nach Restitution finden in den letzten Jahren zumindest im Kulturbereich scheinbar mehr Gehör. Einige westafrikanische Staaten haben besonders deutlich die politischen und ökonomischen Beziehungen mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich neu geordnet.

Has „Africa“ moved on? Und wo steht Österreich? Wie wird mit Fragen danach umgegangen, wie Reichtum und Privilegien auch in Österreich mit Kolonialismus in Verbindung gebracht werden können? Welche Funktion hat ein Schuldeingeständnis, und reicht es aus, um zu Veränderung beizutragen? Wie können wir respektvolle Neugier und aktives Zuhören praktizieren, das Eurozentrismen herausfordert? Und was ist, wenn „Afrika“ nicht auf Österreich wartet? #notwaiting

Text: Katharina Oke