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Radiokolleg | 19. Oktober 2026
Ungarn - Eine Spurensuche (1)
Vom Gehen
22. Oktober 2026, 14:34
Mari Lang
Vier Frauen, vier Generationen und fast hundert Jahre ungarischer und europäischer Geschichte. Von Siebenbürgen im heutigen Rumänien über das kommunistische Budapest und den Eisernen Vorhang bis zum politischen Umbruch in Ungarn 2026. Für "Ungarn - Eine Spurensuche" folgt die Journalistin Mari Lang den Spuren ihrer Urgroßmutter, Großmutter und Mutter. Sie erzählt vom Gehen und Bleiben, vom Auswandern und Zurückkehren. Und davon, wie große politische Umbrüche das Leben einzelner Menschen prägen. Eine sehr persönliche Reise durch ein Land zwischen Aufbruch und Beharrung, nationaler Identität und europäischer Zugehörigkeit. Und auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was Heimat eigentlich ausmacht.
Damals gehört der Ort zu Ungarn. Zehn Jahre später liegt er plötzlich in Rumänien. Die Grenzen haben sich verschoben, ohne dass die Menschen auch nur einen Schritt gegangen sind. 1940 verlässt Etelka ihre Heimat und zieht nach Budapest. Warum genau, weiß heute niemand mehr. War es die Armut? Die Hoffnung auf Arbeit? Oder der Wunsch nach einem besseren Leben für ihre Kinder? Mehr als achtzig Jahre später macht sich ihre Urenkelin auf den Weg nach Gernyeszeg, um Antworten zu finden.
Heute leben rund eine Million Angehörige der ungarischen Minderheit in Rumänien. Viktor Orbán hat sie mit Fördergeldern, Staatsbürgerschaften und seiner Politik der nationalen Zusammengehörigkeit eng an Budapest gebunden. Der politische Machtwechsel in Ungarn 2026 wirft deshalb auch jenseits der Landesgrenzen Fragen auf. Mari Lang trifft entfernte Verwandte, die sich als Ungarinnen und Ungarn verstehen, aber keineswegs nach Ungarn ziehen wollen. Und sie fragt sich, wie ihr eigenes Leben wohl verlaufen wäre, wenn ihre Urgroßmutter damals geblieben wäre. Was macht einen Ort zur Heimat? Und was braucht es, um ihn zu verlassen?
