ORF
1938 - 2026
Ö1 Journalistin Heidi Grundmann-Smith verstorben
Die Kritikerin, Kuratorin und langjährige ORF-Journalistin Heidi Grundmann ist am 27. Oktober 2026 in Wien verstorben. Gemeinsam mit ihrem 2015 verstorbenen Mann, dem bildenden Künstler Robert Adrian, entwickelte und realisierte die am 18. Juli 1938 geborene Grundmann zahlreiche innovative vernetzte Kunstprojekte wie Horizontal Radio (1995), Rivers&Bridges (1996), Sound Drifting (1999), Re-Inventing Radio (2004). Für viele Künstler und Künstlerinnen aus Österreich sowie aus aller Welt waren und sind diese Projekte prägend für ihren Umgang mit Medien und Kunst.
28. Oktober 2026, 14:04
Heidi Grundmann arbeitete ab 1963 im ORF, zuerst als Sprecherin, zwischenzeitlich beim deutschen Dienst der BBC in London und ab 1972 bei Österreich 1 als Kulturredakteurin. 1976 gründete sie die Sendung "Kunst Heute", die über internationale Bildende Kunst berichtete und die Rubrik "Kunst zum Hören" enthielt.
privat
Gründerin des Ö1 Kunstradios
1987 initiierte sie die Ö1 Sendereihe "Kunstradio - Radiokunst", die sie bis Herbst 1998 leitete. Seit der Gründung der Sendereihe bis zu ihrer Umbenennung im Februar 2004 wurde Künstlern und Künstlerinnen aller Sparten das Medium Radio und seine Erweiterung(en) als Ort für ihre Kunst und deren technische Realisierung zur Verfügung gestellt.
Offen, gut informiert und immer bereit, ein Stück weit die scheinbaren Grenzen der öffentlich-rechtlichen Anstalt ORF und des Mediums Radio in andere Räume und Medien zu erweitern, das zeichnete Heidi Grundmann als Kuratorin und Radiokunstproduzentin aus.
Nicht immer ließen sich die ungewöhnlichen Ideen einfach umsetzen. In den meisten Fällen gelang es ihr mit Durchhaltevermögen, teils außergewöhnlichen Allianzen und uneingeschränktem Glauben an die Konzepte, sowie an die Künstler und Künstlerinnen das Unmöglich möglich zu machen. Und so wurden in den weltumspannenden Radiokunstprojekten wie 1995 bei "Horizontal Radio" Genregrenzen überschritten und die Unwegsamkeiten der damals ganz neuen Technologien und Möglichkeiten, die das Internet mit sich brachte, mit Neugierde erforscht. 1995 ging Kunstradio Online als Ort von Kunst und wachsendes Archiv Online - kunstradio.at.
Gefragte Expertin
Heidi Grundmann war Mitglied in der Jury des Berliner DAAD für Musik und in der österreichischen Bundesjury für Bildende Kunst, sie fungierte als Koordinatorin der "Ars Acustica" Arbeitsgruppe für Radiokunst, der EBU (European Broadcasting Union). Außerdem ist sie Ehrenmitglied der AICA Austria - der Internationalen Vereinigung der KunstkritikerInnen in Österreich. Sie hat mehrere Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten, zuletzt den Reischek Ring (1998) und den Werkstadt Graz Preis 2000. Heidi Grundmann hat mehrere Publikationen herausgeben, darunter Art + Telecommunication (1984), The Geometry of Silence (1991), On the Air (1993), ZEITGLEICH (1994), Sound Drifting (2000) und 2008 als Mitherausgeberin Re-Inventing Radio - Aspects of Radio as Art.
