Ö1 bis zwei

mit Otto Brusatti. Gustav-Mahler-Woche: Riccardo Chailly musiziert.
In der Woche von Gustav Mahlers 150. Geburtstag stehen fünf Dirigenten im Zentrum von "Ö1 bis zwei", die wesentliche und dauerhafte Beiträge zur Interpretation der Werke Mahlers geleistet haben und noch leisten. Fünf Gestalter aus der Ö1 Musikredaktion zeigen den Zugang dieser Dirigenten zum Werk und zur Person Mahlers auf und ergänzen das Dirigentenporträt mit Musik anderer Komponisten

Zu Mittag, am Mahler-Geburtstag selbst, dirigiert Riccardo Chailly.

Hätte Gustav Mahler ihn akzeptiert, seine Freude an dessen Interpretationen gehabt? Vielleicht, gar wahrscheinlich. Chailly und das RSO Berlin steigen in die Zehnte ein, dort, wo Mahler aus einem milden Totentanz sich bis an eine Schwelle wagt und dann dort vor einem gähnenden Abgrund steht - alle 12 Töne der Skala beginnt er aufzuhäufen; die Gespenster von Mahlers realen Ängsten (Alma betrügt ihn eben, er ist todkrank) und aus seinem Unbewussten kommen herbei. Aber Mahler macht den Schritt nicht in die neuen Felder des nicht mehr orthodox tonal Gebundenen (Schönberg hat das zur selben Zeit bereits unternommen). Er zieht sich wieder zurück in seinen expressionistischen Wiener Jugendstil.

Das fabulöse Concertgebouw Orchester unter Chailly spielt aber auch das Riesenscherzo, den Mittelteil aus der Fünften. Und die Interpreten lassen alles - und zurecht - offen. Ist das nun vor allem Frohsinn und Tanz, oder die fortgesetzte Brutalität nach dem Trauermarsch zuvor, oder die beklommen-lustige Einbegleitung zum nachfolgenden Adagietto, der Liebesmusik?

Und dann erklingen auch noch die von fern geblasenen Trompeten. Kindheitsreminiszenzen Mahlers, der Abschluss einer Ära, die Einsamkeit des Mannes (wie in fast allen seinen Liedern)? Alles zusammen wohl in dieser feinen Interpretation.

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